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02.01.2008 12:26 Uhr

Manuel Neuers Flop machte Marc Stein berühmt!

Wir erinnern uns noch genau: Es war am 1. Juli  2004. Marc Stein kam als junger Amateur und Nobody mit dem Auto aus Berlin ins Sportforum Rostock. Ein schüchterner Bursche, ein Talent und Rohdiamant. Mittlerweile ist Marc Profi und Bundesliga-Spieler…

Es gibt im Kuriositäten-Kabinett der Bundesliga Dinge, die vergisst man einfach nie und die sind auf immer und ewig mit Namen verbunden. So erlangte der Cottbuser Tomislav Piplica mit einem Kopfball-Eigentor Berühmtheit gegen Borussia Mönchengladbach. Da ist das Einwurf-Tor von Uwe Reinders 1982/83 für Werder Bremen gegen Bayern. Alex Alves von Hertha BSC machte 2000 gegen den 1. FC Köln ein Tor fast von der Mittellinie. Dem einstigen HSV-Torwart Mathias Schober hing 2001 vor seinem Wechsel zum F.C. Hansa Rostock ewig ein Treffer in der 93. Minute an, der Bayern den Titel brachte und Schalke 04 zum Meister der Herzen degradierte.

Ein solches Tor fiel auch am 20. Oktober 2007 in Rostock. Es lief die 56. Spielminute im Bundesliga-Match zwischen dem F.C. Hansa und dem FC Schalke 04. Die Gäste führten 1:0 durch Asamoah. Plötzlich fiel das 1:1. Ein Abwurf von Schalkes 19jährigem Keeper Manuel Neuer landete direkt vor den Füßen von Marc Stein, der mit einem gefühlvollen Heber zum 1:1 traf.

Ein schlimmer Fehler, den der Hansa-Abwehrspieler eiskalt nutzte. Marc heute dazu: „Ich sah, wie Neuer schnell abwerfen wollte. Ich hatte gesehen, dass links und rechts von mir keine weiteren Schalker waren. Also habe ich mich zunächst auf Rafinha konzentriert, der ganz in meiner Nähe war. Ich habe den Torhüter genau beobachtet und konnte deshalb auch sofort reagieren, als er den Ball in meine Richtung abrollte. Da war natürlich auch ein wenig Glück dabei. Ich kam ja nur ganz knapp mit dem linken Fuß vor Rafinha an den Ball. Ich wollte ihn nur über Neuer rüberlupfen. Dann hätte ihn ja auch noch ein Mitspieler reinschieben können...“
Manuel Neuers Flop machte Marc Stein berühmt! Christian Rahn lobte danach: „Überragend, wie Marc das gemacht hat.“ Kapitän Enrico Kern nannte es sogar „phänomenal“!
Der 22jährige Marc Stein:„Ich werde diese Szene nie vergessen, weil es das erste Bundesligator in meiner Karriere war.“

Es hätte freilich nicht erst dieses Treffers bedurft, um sich hierzulande ins Gespräch zu bringen.
Schließlich gehört Marc Stein seit der Rückkehr von Frank Pagelsdorf zum Stammpersonal der Hanseaten, absolvierte in der Saison 2005/2006 elf Zweitliga-Einsätze (1 Tor), in der Aufstiegssaison dann 33 Begegnungen (2 Treffer). Kurz,  Stein ist damit einer der Aufstiegshelden vom 20. Mai 2007.

Marc begann mit sechs Jahren zu „knödeln“. Gleichzeitig war er auch ein Multitalent in der Leichathletik, ein schneller Sprinter, guter Ausdauerläufer und Brandenburger Jugendmeister im Weitsprung. 1997 meldete sich Marc mit zwölf Jahren an der Sportschule in Berlin an und spielte beim BFC Dynamo. Nach drei Jahren Training bei den Übungsleitern Hildebrandt (heute HSV) und Berger wechselte er in die von Marcus Schatte betreute B-Jugend von Tennis Borussia, wo er als A-Jugendlicher unter Theo Gries schon 14 Oberliga-Spiele bei den Senioren machte. Aus Berlin holte ihn 2004 der damalige Hansa-Amateurtrainer Stefan Böger. Als er ankam, war Böger weg, der jetzige Pagelsdorf-Assistent Timo Lange wurde so sein erster Trainer an der Küste.

Unter dem einstigen Cheftrainer Jörg Berger trainierte Marc Stein damals zunächst schon ein paar Mal bei den Profis mit, durfte auch einmal mit zum Hallen-Turnier nach Schwerin reisen.
Aber: Marc Steins große Stunde schlug tatsächlich erst nach dem Trainerwechsel zu Frank Pagelsdorf im August 2005. Ganz allmählich ließ der Trainer ihn bei den Profis mittrainieren. Am 22. Februar 2006 gab Marc dann im Auswärtsspiel (0:1) gegen den 1. FC Dynamo Dresden in der 71. Spielminute seinen Einstand als Zweitliga-Spieler. Danach folgten drei weitere Einwechslungen. Aber erst am 2. April 2006 rutschte der Blondschopf  in Unterhaching (1:0) in die Startelf.

So wie auf die 2. Liga, hat Frank Pagelsdorf Marc Stein auch behutsam auf die Bundesliga vorbereitet. Agierte er zu seiner Bundesliga-Premiere gegen Bayern München (0:3) noch im rechten Mittelfeld, fand er sich gegen den 1. FC Nürnberg (1:2) auf der Auswechselbank wieder. Bei Eintracht Frankfurt (0:1) kam er hingegen im linken Mittelfeld zum Einsatz. Schließlich verteidigte er danach auf seiner angestammten Position in der Rostocker Viererkette.

Der Mann mit der Rückennummer 12 legt auch an freien Tagen mit Kollegen wie Tobias Rathgeb oder Enrico Kern bzw. Christian Rahn schon mal eine Extra-Einheit ein. Seine Begründung: „Alle entwickeln sich weiter und jeder sollte immer weiter an seinen Schwächen arbeiten. Wir müssen einfach noch mehr tun, härter arbeiten als die Gegner", sagt Stein. Er persönlich möchte sein Passspiel verbessern, trainiert aber auch manchmal Abschlüsse a la Schalke. „Die Ruhe am Ball kann man leider nicht lernen, die bekommt man nur über die Spiele", so der gebürtige Potsdamer.

Was Marc den Weg zum Universalspieler wohl etwas leichter machte: Der Abwehrspieler stammt aus einer Sportlerfamilie, die Eltern studierten an der DHfK Leipzig. Vater Thomas spielte einst bei ZAB Dessau Handball, Mutter Annett  war Weitspringerin. Freundin Ulrike Wenzlawski spielt in Rostock Handball.
Seit zwei Jahren sind die Handballerin vom Regionalligisten Pädagogik Rostock und der Fußballer aus Brandenburg ein Paar. Seit März dieses Jahres leben die beiden Leistungssportler auch zusammen in einer Dachgeschosswohnung im Zentrum von Rostock. Oft trifft man die beiden aber auch mit dem Boxer-Rüden „John“ beim „Gassi gehen“ in der City der Hansestadt. Für beide sind Rostock und Hansa ein Stück Heimat.
Ein Trainingstag vor einem Bundesliga-Spiel im Herbst: Freundin Ulrike fährt ihren Marc auf den Parkplatz der Spieler vor. Beide steigen aus, drücken und liebkosen sich innig. Schöner kann eigentlich kein Arbeitstag für den Mann beginnen, der einst als Nobody hier ankam und mittlerweile zum Stammspieler und Leistungsträger avancierte.

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