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02.01.2007 11:46 Uhr

Mathias Schober: Die Gründe, warum er so gut hielt!

Ein altes Sprichwort sagt: Man trifft sich immer zweimal im Leben!
Als der einstige Hansa-Trainer Friedhelm Funkel im Sommer 2001 einen Nachfolger für seinen Keeper Martin Pieckenhagen suchte, empfahl ihm HSV-Trainer Frank Pagelsdorf eine Art Torwart-Rotation: Mathias Schober kam für Martin Pieckenhagen. „Schobi“ war damals von UEFA-Pokalsieger FC Schalke 04 an die Hamburger ausgeliehen und hatte nur drei Bundesliga-Spiele auf dem Konto. Heute ist der „Junge aus dem Ruhrpott“ nun schon fünfeinhalb Jahre an der Küste und seit fast zwei Jahren eben Frank Pagelsdorf wieder sein Trainer.

Man kann nicht gerade sagen, der Job des Torhüters an der Küste sei vergnügungssteuerpflichtig gewesen. Denn ums Rostocker Tor wehte über all die Jahre immer ein rauer Wind. Im ersten Schober-Jahr 2001/2002 kassierte Hansa als 14. der Bundesliga 54 Gegentore, Mathias machte auf Grund einer Schulterverletzung aber nur 22 Spiele. 2002/2003 wurde Hansa 13. und „Mathes“ holte in 34 Spielen nur 41 Bälle aus dem Netz. 2003/2004 wurde Schober mit Hansa Neunter. Der Torwart absolvierte 33 Spiele und Hansa kassierte insgesamt 54 Treffer. 2004/2005 bilanzierte der Marler im Abstiegsjahr in 34 Spielen 65 Gegentore. In der ersten Zweitliga-Saison 2004/2005 musste Mathias Schober schließlich in den 34 Spielen als Zehnter 49 Mal hinter sich greifen. In diesem Spieljahr brauchte der 30-Jährige in 17 Spielen nur elf Mal den Ball aus dem Netz holen.

 

Fazit: „Pagels“ Tipp an Funkel war so schlecht nicht. Aus dem einstigen Reserve-Torwart auf

Schalke (hinter Lehmann bzw. Reck) und dem Ersatz-Keeper beim HSV (hinter Butt) wurde in Rostock ein erstklassiger Bundesliga-Torwart, der seit fünfeinhalb Jahren unter den Trainern Funkel, Veh, Schlünz, Berger und Pagelsdorf jeweils seinen Vereinskollegen Klewer, Busch und Keller sowie Hahnel und Klandt die Stirn als Nummer 1 bot, in den Mannschaftsrat aufstieg und zeitweilig sogar Kapitän war.

 

Als vor der Saison 2006/2007 Cheftrainer Frank Pagelsdorf  mit Jörg Hahnel (Aue) und Patric Klandt jedoch gleich zwei neue Torhüter als Konkurrenz  zu Schober an die Küste holte, schien die Position der jahrelangen Stammkraft kurzzeitig zu wackeln. „Pagel“ schrieb den Posten um die Nummer 1 neu aus - und Schober packte härter denn je zu.

Schober überraschte seine Kollegen und Fans zum Trainingsstart mit einem ungewöhnlich aggressiven Kurzhaarschnitt, redete wenig und hielt viel.

Zwischenzeitlich suchte Pagelsdorf nach Ursachen für eine enttäuschende Saison 2005/2006.

In der „Sportbild“ verriet der Trainer dann im Herbst dies: „Der Knackpunkt der vergangenen Saison waren die vielen Gegentore. Da wollten wir ansetzen, hier mussten wir etwas ändern", sagt der 48-Jährige. Deshalb beauftragte er in der Saisonvorbereitung Torwarttrainer Perry Bräutigam (43) mit der Videoanalyse aller 34 Ligaspiele, in denen Hansa insgesamt 49 Tore kassiert hatte. Der ehemalige Hansa-Schlussmann sichtete über 50 Stunden Rohmaterial, notierte das Verhalten jedes einzelnen Spielers und taktische Fehler des Kollektivs. "Mit den Notizen konnte der Trainer dann seine Analyse machen", sagt Bräutigam und meint Pagelsdorfs Fehler-Katalog. Eine Saisonbilanz komprimiert auf 20 Seiten, sortiert nach Partien, Position und Spielern. "Ich konnte anhand der Aufzeichnungen genau erklären, wer wann welche Fehler gemacht hat. Wie sie behoben werden und auszuschließen sind“, sagt der Hansa-Trainer, der in Einzelgesprächen jedes Detail aufarbeitete.

 

Im Falle Schober erläuterte Torwart-Trainer Perry Bräutigam der Hamburger Sport-Zeitschrift auch noch dies: “Wir haben auf den Videos gesehen, dass Schobi sich viel an Diskussionen auf dem Platz beteiligt hat. Durch so was verliert ein Torwart schnell die Konzentration. Jetzt bleibt er mehr im Kasten und kümmert sich um seine eigene Leistung."

Die erste Halbserie wurde so für Mathias Schober sogar zu einem Halbjahr der Superlative.

„Schobi“ ist als Torwart des F.C. Hansa Rostock der Keeper mit den wenigsten Gegentoren im deutschen Profifußball.

 

Als Zweiter in Liga 2 kassierten die Rostocker in 17 Spielen nur elf Treffer! Damit ist seine Quote erheblich besser als die der Torhüter-Kollegen aus Augsburg (15), Unterhaching oder Kaiserslautern (je 16). Allein in zehn Spielen blieben die Hanseaten mit Schober im Kasten ohne Gegentor. Hansa blieb in 17 Spielen ungeschlagen, Vereinsrekord – auch dank Schober!

Auch dies sind bemerkenswerte Fakten: Nur jeder 21. Schuss des Gegners landete im Tor.

Im eigenen Stadion wurde Hansa nur dreimal überwunden – ebenfalls Bestwert.

Hansa kassierte nach der 75. Minute kein Tor mehr.

Hansa wurde nur einmal nach einem Eckball bezwungen.

Schober war der Torwart, der über die Saison über 80 Prozent seiner Bälle abwehrte – auch ein Rekord.

 

In der letzten Saison war Rostocks Abwehr noch sehr anfällig, ließ 49 Gegentore zu – nur 4 Teams waren damals schlechter.

Dazu kam diesmal auch ein wenig Glück - sieben Mal landete ein Ball am Pfosten. Nur Jena hatte mehr „Schwein“.

Im „Kicker“ versuchte der Torwart zum Jahreswechsel in relativer Bescheidenheit Gründe für den eigenen Formanstieg zu finden: „Mit meiner persönlichen Leistung kann ich natürlich sehr zufrieden sein. Ich denke, einige Punkte habe ich gerettet. Unsere kompakte Hintermannschaft hat es mir bislang recht leicht gemacht. Wobei man sagen muss, dass alle Mannschaftsteile ihr Abwehrverhalten verbessert haben."

Auffällig ist auch dies: Obwohl sich Schober schon als Kapitän engagiert für seine Mannschaft einsetzte, hat seine Leidenschaft und Freude am Fußball in dieser Saison noch eine neue Qualität. Schober wirkt ruhig und aufmerksam wie nie und er zeigt seine Begeisterung und sein Engagement für dieses Hansa-Team nach jedem Hansa-Treffer so deutlich wie nie zuvor. Mit dieser Lockerheit und seinen tollen reaktionsschnellen Robinsonaden gibt er seinen Mitspielern nun viel mehr Mut und Zuversicht für eine freudvolle Zukunft in den nächsten 17 Spielen.

Allerdings sagt er auch: „Es ist toll, dass wir noch ungeschlagen sind und unsere Serie hielt. Dennoch wir haben noch nichts erreicht, aber ein großes Ziel vor uns.“

In der „Kicker-Rangliste“ rangiert Mathias Schober im abgelaufenen Spieljahr hinter dem 24-jährigen KSC-Torwart Markus Miller vom Tabellenführer auf Platz 2.

Die Begründung gab das Fachblatt so: „Die Nummer zwei der Rangliste - Rostocks Mathias Schober - ist Bestandteil der besten Abwehr. Nur elf Gegentore in 17 Partien, zehn Mal stand nach 90 Minuten die Null. Beeindruckend! Eine Bilanz, die ohne das 4:4 beim KSC noch besser ausgesehen hätte. Schobers schlechteste Note war eine 4,5, als beste Wertungen stehen drei "Zweier" zu Buche (Schnitt 3,00).“

 

Gute Argumente für Schober und seinen Berater Wolfgang Fahrian, dem einstigen deutschen Nationaltorwart und WM-Fahrer von 1962, der „Schobi“ seit Jahren ein guter Freund und Helfer in guten wie in schlechten Zeiten  ist.

Wie hat der zweifache Familienvater Mathias Schober nach dem 17. Spieltag doch gesagt? „Rostock ist inzwischen mein Zuhause geworden, die Kinder gehen hier zur Schule und in den Kindergarten, meiner Familie gefällt es hier sehr gut.“

Im Sommer läuft der Vertrag des Westfalen Schober an der Küste zum dritten Mal aus. Ob er im Falle einer Vertragsverlängerung nicht nur weiterhin Ostsee-, sondern künftig auch wieder Erstligaluft schnuppern kann, liegt wohl auch mal wieder in seiner Hand. Die Fans, Kollegen und Trainer stehen jedenfalls voll hinter ihm.

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