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15.02.2008 14:54 Uhr

Michael Hartmann – ein Ex-Nationalspieler als Trainer-Lehrling

Wir kennen ihn alle aus der Bundesliga: Michael Hartmann (33). Der Defensivspieler, der meist als linker Verteidiger spielte, war einst für den FSV Borgsdorf, BSG Stahl Hennigsdorf, BSV Brandenburg tätig, spielte für Hertha BSC und den F.C. Hansa Rostock in der 2. Liga und der Bundesliga. Mit dem dritten Aufstieg der Hanseaten wechselte „Hardy“ im letzten Sommer die Fronten. Michael Hartmann ging von den Profis zu den Amateuren. In Doppelfunktion war er einerseits kurzzeitig Kapitän der Amateure und andererseits Trainer-Lehrling. Im Kogge-Interview gab uns der einstige deutsche Nationalspieler Einblicke in seine neue Welt.

 

Hardy, als Sie mit dem F.C. Hansa aufgestiegen sind, wussten Sie da schon, dass Sie den grünen Rasen verlassen und in die Trainerbranche wechseln würden?

Michael Hartmann: Ja, eigentlich schon. Sowohl Herbert Maronn als auch Stefan Studer hatten mir diesbezüglich schon frühzeitig Angebote gemacht und ich sah im Traineramt im Nachwuchsbereich eine wirklich gute Perspektive.

 

Mit 33 Jahren haben Sie dann auch nur noch vier Spiele als Kapitän der „Amas“ gemacht…

Michael Hartmann: Das ist richtig. Es hat sich aber schnell so ergeben, dass von den Profis immer wieder Jungs Spielpraxis brauchten. Da habe ich zurückgesteckt und habe schließlich meine Fußballschuhe als Spieler ganz ausgezogen.

 

Hätten Sie nicht noch bei anderen Vereinen spielen können?

Michael Hartmann: Von der Fitness und der Bereitschaft her ganz sicher. Ich hatte auch diese Möglichkeiten. Aber ich habe mich dann bewusst für Hansa und den Nachwuchs entschieden und ich habe dies auch nicht bereut. Als ich im Winter 2005 nach Rostock kam, dachte ich mir, hier bleibst du so zweieinhalb Jahre und dann gehst du in die Heimat, nach Berlin-Falkensee zurück. Dort hatte ich damals ja gerade ein Haus gebaut. Die Praxis sah aber anders aus. Meine Frau und meine Tochter und auch ich fühlten uns plötzlich an der Ostsee so wohl, dass wir gesagt haben, wenn es auch beruflich hier passt, bleiben wir hier. So ist es gekommen.

 

Kommt Wehmut auf, wenn Sie Ihre alten Kollegen im Stadion sehen?

Michael Hartmann: Am Anfang der Saisonvorbereitung war schon etwas Wehmut dabei, ganz klar. Wir sind uns ja auch öfter in der Vorbereitung im Wald begegnet. Jetzt lebe ich mit den Jungs zwar nach wie vor mit und schaue mir auch die Spiele an, aber mein Job liegt im Nachwuchs.

 

Sie haben Amateur-Trainer Thomas Finck bei den Amateuren über die Schulter geschaut, Sie haben in der 1. Halbserie B-Jugendtrainer Roland Kroos als Co-Trainer begleitet. Nun hospitieren Sie in der A-Jugend bei Gerald Dorbritz. Wie läuft es in dem neuen Job?

Michael Hartmann: Es ist alles sehr spannend. Ich kam zwar mit viel Erfahrung hier rein, aber im Nachwuchs ist vieles anders. Da ist man Lehrling, da muss man sich mit Entwicklungen beschäftigen, da ist das private und sportliche Umfeld zu berücksichtigen, da gibt es Leistungsschwankungen und die Jungs werden auch auf Schule und Beruf vorbereitet. Alles muss passen, vieles ist schwer unter einen Hut zu bringen.

 

Welche Eindrücke haben Sie von der Qualität der Nachwuchs-Arbeit des F.C. Hansa?

Michael Hartmann: Ich erlebe hier gut ausgebildete Trainer und eine professionelle Struktur. Ich sehe bei den Amateuren und in den beiden Bundesligateams jeweils zwei bis drei Burschen, die einmal den Sprung in den Profibereich schaffen können. Aber ich weiß auch, dass das ein langer Weg ist. Ich möchte dabei helfen und meine Erfahrungen einzubringen.

 

Welche Ausbildung haben Sie?

Michael Hartmann: Als Bundesligaspieler bekommt man ja den C-Schein. Den B-Schein habe ich mit Bundesligaprofis wie Marko Rehmer, Guiseppe Reina, Ante Covic, Rene Tretschok und meinem Hansa-Kollegen Axel Rietentiet im Herbst 2007 in Parchim und Berlin gemacht. Nun habe ich mich für den A-Schein beworben. Aber dafür muss man ein Jahr warten. Nach einer weiteren Wartezeit von einem Jahr kann man sich dann für den Trainerschein in Köln bewerben.

 

Wer Sie beobachtet, sieht in Ihrer Arbeit viel Leidenschaft…

Michael Hartmann: In der Tat macht mir diese Arbeit viel Freude.

 

Wie verlief die Zusammenarbeit mit Roland Kroos in der B-Jugend?

Michael Hartmann: Roland und ich haben gemerkt, wir fahren eine Linie und ergänzen uns gut. Auch die Mannschaft zog gut mit. Es war eine wirklich gute, eine lehrreiche Zeit und eine gute Zusammenarbeit.

 

Inzwischen sind Sie zu Gerald Dorbritz und den A-Junioren gewechselt?

Michael Hartmann: Stimmt. Mit ihm habe ich einen sehr erfahrenen Fußballlehrer vor mir. Er ist ein guter Organisator, hat viel Erfahrung, seine Mannschaft hat eine Spitzenposition. Man merkt auch, dass es in dieser Altersklasse schon härter zur Sache geht. Es wird schneller gespielt, es wird körperlicher agiert. In jedem Fall habe ich wirklich viel Freude an der Arbeit. Ich musste mich ja auch erst einmal austesten, was darf man erwarten, was kann man fordern usw. usw.

 

Haben Sie ein Trainervorbild?

Michael Hartmann: Ich hatte sicherlich viele gute Trainer, aber ich möchte jetzt nicht einen Jürgen Röber, einen Huub Stevens oder einen Frank Pagelsdorf kopieren. Ich bin ich. Ich will meine Erfahrung und mein Wissen einbringen und meinen eigenen Weg gehen. Ich bin froh, dass mir Hansa diese Möglichkeit gegeben hat und ich vielleicht im nächsten Spieljahr dann aus dem Schatten treten und eine eigene Mannschaft übernehmen kann.

 

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg bei Ihrer neuen Aufgabe.

 

 

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