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01.12.2010 11:51 Uhr

Michael Wiemann: Die Ahlener Siegesserie hat mich nicht überrascht

Abwehrspieler Michael Wiemann ist der einzige Hansa-Akteur, der in den 20 absolvierten Pflichtspielen der laufenden Saison keine Minute verpasst hat. Vor dem Auswärtsspiel in seiner alten Heimat baten wir den 23jährigen Innenverteidiger, der im Sommer von Rot Weiss Ahlen an die Küste gewechselt ist, zum Interview.

Hansa-Online: Zuletzt gab es einen 5:0 Sieg über den Tabellensechsten Jahn Regensburg. Wart ihr als Mannschaft selbst ein bisschen überrascht, nachdem es vorher gegen schlechter platzierte Mannschaften wie Saarbrücken oder Bayern II nicht so lief?
Michael Wiemann: Vor dem Spiel hat sicherlich niemand gedacht, dass wir so hoch gewinnen würden. Entscheidend waren für mich die beiden frühen Tore von Schiedi. Wenn man nach elf Minuten 2:0 führt, ist das immer ein Schock für den Gegner. Diese Situation haben wir dann sehr gut ausgenutzt und das Spiel anschließend dominiert.

Hansa-Online: Welche Rolle spielte dabei die Tatsache, dass ihr auch zuhause erstmals mit Eurer Auswärtstaktik, also nur einer echten Spitze, gespielt habt?
Michael Wiemann: Auch das war vielleicht ein Grund. Die Saison ist schon relativ lang und inzwischen haben sich viele Mannschaften auf unsere Spielweise einstellen können. Das hat man in den vergangenen Heimspielen ja gesehen. Da war es sicherlich ein guter Schachzug vom Trainer, den Gegner mit einer neuen Variante zu überraschen.

Hansa-Online: War es nur der Überraschungseffekt oder liegt Euch diese Spielweise vielleicht sogar noch mehr?
Michael Wiemann: Sie kommt uns insofern entgegen, dass wir ja ein sehr starkes Mittelfeld haben. Und wenn man nur mit einer echten Spitze spielt, kommt dies unseren beiden Außen sicherlich nicht ungelegen. Tobi und Björn haben dann noch mehr Platz, um ihre Schnelligkeit und natürlich auch ihre Torgefährlichkeit auszuspielen.

Hansa-Online: Wie groß war der Stein, der Euch vom Herzen gefallen ist, als ihr erstmals nach zweieinhalb Monaten wieder ein Drittliga-Punktspiel zu Null gestalten konntet?
Michael Wiemann: Riesig! Wir haben uns am Ende noch mal richtig eingeschworen, hinten wach zu bleiben. Nachdem wir zuvor gegen Heidenheim und Sandhausen ja in der Nachspielzeit noch ein Gegentor kassiert hatten, war diesmal die Freude natürlich groß, dass es endlich einmal geklappt hat.

Hansa-Online: Was bedeutet es Dir, dass Du als einziger Spieler noch keine Pflichtspiel-Minute verpasst hast?
Michael Wiemann: Die Statistik eigentlich nicht so viel. Aber die Tatsache, dass ich Stammspieler bin, das Vertrauen des Trainers genieße und auch von Verletzungen verschont geblieben bin, freut mich natürlich sehr. Natürlich ist es auch ein gutes Gefühl, zu wissen, dass man noch keine Minute verpasst hat. Allerdings habe ich auch schon vier Gelbe Karten und weiß, dass ich demnächst vielleicht einmal wegen einer Gelb-Sperre zuschauen muss.

Hansa-Online: Auch mit dem Abschneiden der Mannschaft kann man hoch zufrieden sein. Hand aufs Herz. Wart auch ihr Spieler selbst so überrascht vom eigenen Abschneiden?
Michael Wiemann: Also, ich bin schon mit einer gewissen Erwartungshaltung nach Rostock gekommen und wollte oben mitspielen. Aber wollen und können sind zweierlei und ob wir oben mitspielen können, haben wir vorher wirklich nicht gewusst.

Hansa-Online: Woran liegt es, dass es jetzt so gut läuft?
Michael Wiemann: Wir haben es geschafft, schnell zu einer echten Mannschaft zusammenzufinden. Nachdem ja die meisten Spieler, ob hier in Rostock, in Ahlen oder in Kiel, gerade abgestiegen waren, gab es sicherlich auch eine Trotzreaktion. Jeder war geil auf den Erfolg. Und wichtig ist sicherlich auch, dass wir keine Querschläger in der Mannschaft haben. Niemand macht Stunk, wenn er auf der Bank sitzen muss.

Hansa-Online: Die Mannschaft geht als Tabellenführer in den Dezember. Kann man sich jetzt schon neue Ziele setzen?
Michael Wiemann: Wir sind sicherlich gut beraten, jetzt erst einmal nur bis zur Winterpause zu denken. Bis dahin haben wir uns zum Ziel gesetzt, Platz 1 zu verteidigen. Wenn wir wissen, wie die nächsten Spiele ausgegangen sind, kann man sich wieder neue Ziele setzen. Schon jetzt an das Saisonende zu denken, ist sicherlich noch zu früh. Wir sollten uns erst einmal auf die aktuellen Aufgaben konzentrieren.

Hansa-Online: Am kommenden Sonntag gastiert ihr in Ahlen. Ist das ein besonderes Spiel für Dich?
Michael Wiemann: Sogar ein ganz besonderes Spiel, denn das ist meine Ecke! Ich bin in der Nähe geboren, habe zuletzt von 2000 bis 2010, also immerhin zehn Jahre lang, für diesen Verein gespielt. Dort habe ich viele Verwandte und Freunde, die zu diesem Spiel dann auch ins Stadion kommen. Und ich kenne natürlich auch noch einige Ahlener Spieler, mit denen ich zuletzt zusammengespielt habe.

Hansa-Online: Zu wem hast Du noch besonders guten Kontakt?
Michael Wiemann: In erster Linie zu Nils-Ole Book, mit dem ich schon in Beckum in der E-Jugend gespielt habe und mit dem ich sehr gut befreundet bin. Guten Kontakt habe ich auch noch zu Marcel Busch sowie zu Janis Kraus, der momentan aber leider verletzt ist. Und sehr gut kenne ich natürlich auch die beiden Co-Trainer, mit denen ich lange zusammengespielt habe, das Betreuerteam der Mannschaft und viele andere Leute im Verein.

Hansa-Online: Dann kannst Du den Gegner ja sicherlich auch sehr gut einschätzen. Was erwartet den F.C. Hansa dort?
Michael Wiemann: Ich habe zwar in dieser Saison noch kein Spiel der Mannschaft gesehen, aber schon mehrfach beim Training vorbeigeschaut und weiß, dass die Mannschaft auch zu Beginn der Saison nicht so schlecht war. Sie hatte ja auch nur selten verloren, einfach nur zu oft unentschieden gespielt, weil sie das Tor nicht traf. Zuletzt waren die Ahlener aber wieder sehr torgefährlich und haben immerhin fünf ihrer vergangenen sechs Pflichtspiele gewonnen! Diese Siegeserie hat mich nicht überrascht und ich weiß, dass dort auch auf uns keine leichte Aufgabe wartet.

Hansa-Online: Euer Heimspiel gegen Rot-Weiß Erfurt wurde verlegt, ihr müsst vor dem letzten Punktspiel des alten Jahres beim VfR Aalen also noch einmal zwei Wochen zuschauen. Schön ist das nicht, oder?
Michael Wiemann: In der Tat. Gerade, wenn man nach den beiden tollen Siegen gegen recht starke Mannschaften wieder einen so guten Lauf hat, will man den natürlich fortsetzen. Da kommt die Pause wirklich ungelegen. Ungünstig ist zudem, dass durch den Nachholtermin im Januar nun auch unsere Vorbereitung auf die Rückrunde um eine Woche verkürzt wird.

Hansa-Online: Vorher dürft ihr zwei Wochen Weihnachtsurlaub genießen. Wo verbringst Du die Feiertage?
Michael Wiemann: Diesmal fahren wir nicht weg, sondern verbringen die Feiertage mit der Familie in Westfalen. In den vergangenen beiden Jahren bin ich mit meiner Freundin noch in den Urlaub gefahren, doch diesmal ist die Situation ja etwas anders. Dadurch, dass wir hier in Rostock erstmals weiter weg wohnen von zuhause, freuen wir uns, auch mal wieder etwas länger bei den Eltern und Großeltern sein zu können.

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