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03.11.2006 06:09 Uhr

Noch nichts erreicht, aber wir wollen alles!

Renè Rydlewicz ist der dienstälteste Fußballer aus „Neufünfland" in der Bundesliga, der dienstälteste Spieler des F.C. Hansa Rostock und nach Kapitän Stefan Beinlich der zweitälteste Akteur im Profiteam. Sein großer Traum ist der aller Kollegen seines Teams. Mit 16 Jahren war er der jüngste DDR-Oberliga-Spieler aller Zeiten, wechselte mit der Wende zu Bayer Leverkusen, kickte für München 1860 und Arminia Bielefeld, ehe er 2000 an die Küste kam. Hier erlebt er mit seinem Verein eine Renaissance in der 2. Liga.

 

Renè, mit dem Karlsruher SC führen Sie die Tabelle der 2. Liga an. Wie groß ist der Traum Bundesliga im Kopf?
Rydlewicz: Er ist so groß wie bei jedem Spieler von ca. acht Mannschaften, die um die drei Plätze für den Aufstieg kämpfen. Für unser Team kann ich versprechen, jeder reißt sich dafür den Hintern auf. Jeder träumt von der Bundesliga. Jeder ist aber auch Realist. Wir haben jetzt 21 Punkte, das ist gut, das hebt das Selbstwertgefühl, das hebt die Stimmung, das macht auch ein wenig Stolz und sorgt für Freude bei der Arbeit. Es lässt sich auch an schweren Tagen leichter trainieren. Aber erreicht haben wir noch gar nichts. Für 21 Punkte und einen 2. Platz nach neun Spielen gibt es nichts, gar nichts. Also müssen wir weiter ranklotzen, uns den Hintern aufreißen, engagiert arbeiten, viel trainieren und oft gewinnen…

 

Am besten gleich gegen den FC Carl Zeiss Jena?
Rydlewicz: Klar. Dies ist ein Heimspiel, die Bude wird brennen, das ist ein Flutlichtspiel und ein Ost-Derby dazu. Jena kommt nicht als Kanonenfutter zu uns. Solche Mannschaften gibt es heute überhaupt gar nicht mehr. Jena ist eine ernst zu nehmende Mannschaft, da ist viel Konzentration, viel Leidenschaft, viel Engagement gefragt. Die putzt man nicht locker weg. Die haben zu Hause Köln geschlagen, die verkaufen sich als Aufsteiger gut, hatten jetzt am Wochenende gegen Koblenz ein Erfolgserlebnis. Da musst du erst einmal gewinnen. Das wird für uns verdammt schwer und uns alles abfordern.

Da dürfte es dann auch ein Wiedersehen mit Kollegen Ronny Maul geben?
Rydlewicz: Genau, wir spielen wahrscheinlich an diesem Tag das 1,5 millionste Mal gegen einander. Wir haben uns schon in der Jugend viele Kämpfe geliefert. Wir haben in Auswahlmannschaften zusammen gespielt, in Bielefeld und vor allem in Rostock viele schöne Stunden als Spieler in der Bundesliga miteinander verbracht. Wir sind damals zusammen gekommen, nun spielen wir mal wieder gegeneinander. Ich habe mich gewundert, dass so ein guter Spieler, so ein positiver Typ so lange im Profifußball auf eine neue Chance warten musste. Er wird nun hochmotiviert sein gegen uns. Aber das werden wir auch sein. Wir treten an, um zu gewinnen.

 

Mit welchen Gefühlen sind Sie und die Mannschaft aus Köln eigentlich zurückgekommen?
Rydlewicz: Spielerisch haben wir eine gute Partie geboten. Wir hätten eigentlich sogar gewinnen müssen. Aber dafür war die Gegenwehr zu groß und zwei Fehler das Übel. Aber in so einer genialen Atmosphäre mit 5000 Hansa-Fans, da ist es schon toll, dann wenigstens einen Punkt mitzunehmen.

Was ist denn das Neue an dieser erfolgreichen Hansa-Mannschaft?
Rydlewicz: Im vorigen Jahr hatten wir zu Saisonbeginn einen anderen Trainer und keinen Punkt nach vier Spielen. Jetzt haben wir einen mit Frank Pagelsdorf einen Trainer, der sich seine Mannschaft in über einem Jahr persönlich nach seinen Vorstellungen zusammen gebaut hat. Wir haben lange dafür malocht, bis wir an den Punkt kamen, an dem wir jetzt sind.

 

Erklären Sie uns das bitte?
Rydlewicz: Eine Mannschaft, die innerlich nicht stabil ist, die bricht in der Krise im Spiel auseinander. Die fällt wie ein Kartenhaus zusammen. Wir haben das ja voriges Jahr oft erlebt. Ein Gegentor und das ganze Konzept war nur noch Makulatur. Jetzt merkst du vom Torwart bis zum Zeugwart, vom Stammspieler bis zum 25. Mann, hier ist ein Team, ein starkes Team, hier gibt es eine Einheit. Passiert im Spiel wirklich mal Mist, ist der eine für den anderen da. Jeder legt noch mal zu, kitzelt noch mal was aus sich raus. Du spürst im Training dieses Teamwork und du spürst es auch auf dem Rasen im Spiel am Wochenende. Nur so kann man dann auch Rückstände aufholen, Spiele drehen. Köln war das beste Beispiel.

Gibt es auch andere Gründe?
Rydlewicz: Es gelingt den Einwechslern mit der ersten Minute, sofort Power ins unser Spiel zu bringen. Das war bei Cetkovic so, bei Schied, bei Hähnge. Diese Leistungskraft macht stark. Ich sage es so: Du siehst vor, im und nach dem Spiel bei uns den absoluten Zusammenhalt. Das ist ehrlich, nicht aufgesetzt. Dies macht uns stark. Man könnte fast sagen, wir sind eine Art Familie.

 

Trainiert es sich leichter in solchen Situationen, wenn man zum Beispiel 12 km nach einem Sieg durch den Wald rennen muss?
Rydlewicz: Klar. Aber das ist keine Strafe. Wir alle wissen, wir sind noch nicht gut genug. Wir waren an diesem Tag nicht anderer Meinung als der Trainer. Wir haben uns noch ein ganzes Stück zu verbessern. Wie gesagt, wir haben noch gar nichts erreicht. Aber wir wollen alles!

Noch mal, wie groß ist der Spaßfaktor bei euch?
Rydlewicz: Keiner soll glauben, dass wir jetzt alle mit lachenden Gesichtern über den Platz flitzen. Wir freuen uns über 21 Punkte. Aber wir arbeiten weiter hart an uns.

Was ist denn momentan die spezifische Stärke der Mannschaft. Das Abwehrverhalten?
Rydlewicz: Es obliegt mir nicht, das zu beurteilen. Das sieht man von draußen auch besser. Aber im Spiel merkt man, einer ist wirklich für den anderen da, einer kämpft für den anderen, einer hilft auch dem anderen. Es hieß voriges Jahr immer, unser Abwehrverhalten stimmt nicht. Abwehrspiel beginnt beim Stürmer und endet beim Torwart. Ich glaube schon, dass diesbezüglich unsere Synthese nach hinten schon stimmt. Die wenigen Tore sind Ausdruck dessen. Nach vorne haben wir vielleicht noch etwas Luft nach oben. Überhaupt sehe ich für die Mannschaft noch gute Entwicklungsmöglichkeiten.

 

Warum?
Rydlewicz: Weil wir eine sehr junge, sehr ehrgeizige Mannschaft haben. Da sind viele hungrige Jungs, die etwas erreichen wollen. Und es sind einige ältere Spieler, die noch mal die Sonne der Bundesliga sehen möchten. Der Trainer hat gute Leute geholt, die sich immer besser integrieren und Spieler, die noch gar nicht im Spiel waren, von denen wir uns alle aber noch viel Power erhoffen.

Wer hat sich denn in dieser Saison besonders gut entwickelt?
Rydlewicz: Das ist es ja, die Mannschaft.

 

Wen zählen Sie nach fast einem Drittel der Saison nun als Aufsteiger?
Rydlewicz: Das vorige erste Halbjahr hat gezeigt, es ist Gift, frühzeitig Aufsteiger, Jungstars oder sonstwas zu feiern. Die, die vorne standen, sind nicht alle aufgestiegen. Es sind die aufgestiegen, die die Nerven behalten haben, die kontinuierlich gespielt haben und die, die mit Leidenschaft und Begeisterung sowie Stabilität ihr Punktkonto so auf Vordermann brachten, dass sie am Ende für die dicken Schlagzeilen sorgten. Für Momentaufnahmen kann man sich nichts kaufen, für Selbstüberschätzung auch nicht und so wollen wir auch jetzt einmal schön bescheiden und konzentriert bleiben.

Sie kamen 2000 an die Küste. Wie beurteilen Sie Ihren Eigenanteil an der jetzigen Situation?
Rydlewicz: Ich bin ein Teil der Mannschaft, mehr nicht. Ich versuche all das, was ich kann, einzubringen. Ich bin mit Leib und Seele Fußballer, ich will immer gewinnen und ich gebe alles für den Verein. Ich fühle mich sehr wohl in der Stadt, im Klub, an der Küste. Und ich spiele hier für diesen Traum Bundesliga...

 

Na dann auch weiterhin viel Spaß. Danke für das Gespräch.

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