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29.05.2007 11:37 Uhr

Nur Zeugwart Andreas Thiem war bei allen Aufstiegen dabei

Hansa-Zeugwart Andreas Thiem durchlebt gerade die schönste Zeit seines Lebens. Der gelernte Schweißer, der seit 1986 als ehrenamtlicher Mannschaftsleiter der Amateure und Junioren im Verein begann und seit dem 1. Dezember 1988 hauptamtlich seinen Job beim F.C. Hansa Rostock macht, feierte gerade seinen 42. Geburtstag, den dritten Bundesliga-Aufstieg mit der „Kogge“ und schippert nun auf Haweii mit Freundin Ute in den Hafen der Ehe. Vor der Abreise unterhielten wir uns noch mit „Thiemchen“, der mit seinem Kollegen Alexander Kodera die Mannschaft von Kopf bis Fuß „einkleidet“ und als Zeugwart für ein Topp-Umfeld der Trainer und Spieler und deren „Werkzeug“ sorgt. Er war als einziger bei allen Aufstiegen dabei. Mit dem Aufstieg gegen Unterhaching verteilte er noch im Stadion die Hemden mit der Aufschrift: „Die Kogge ist zurück“.

 

Andy,  Sie haben in über 20 Jahren als einziger bei den drei Bundesliga-Aufstiegen zur Mannschaft gehört. Welches war der schönste Aufstieg?
Andreas Thiem: Ich möchte da eigentlich keine Unterschiede machen. Jeder Aufstieg war ein Highlight für sich!

Worin bestanden denn die Unterschiede in den Jahren 1991, 1995 und 2007?
Andreas Thiem: Der Bundesliga-Aufstieg, die NOFV-Meisterschaft und der NOFV-Pokal hatten schon etwas Historisches. Die Mauer war gefallen, die Vereinigung Deutschlands war im Gange, die DDR-Oberliga verschmolz mit der Bundesliga. Empor bzw. Hansa galten in der DDR immer als das Schalke des Ostens, als „Meister der Herzen“. Wir waren so oft in Pokal und Meisterschaft ewiger Zweiter. Oft badete der Verein im Tal der Tränen. Aber ausgerechnet im letzten Spieljahr der DDR wurden wir dann plötzlich unter Uwe Reinders in letzter Minute und zum entscheiden Zeitpunkt unserer Vereins-Geschichte Meister und Pokalsieger. Das war irre und irre wichtig.

Wer waren Ihre engsten Weggefährten seither?
Andreas Thiem: Physiotherapeut Frank Scheller kam zur ersten Bundesliga-Saison dazu, unser Mannschaftsarzt Dr. Frank Bartel kam am 3. Spieltag ins Team.

Wie bewerten Sie die Aufstiege unter Frank Pagelsdorf?
Andreas Thiem: Für mich haben sie einen gemeinsamen Stellenwert. Was besonders wichtig ist zu erwähnen: Durch die Leistung dieses Trainers wurde bei dessen ersten Aufstieg hier ein Fundament in Rostock gelegt, das uns ein neues Stadion, ein neues Umfeld und zehn Jahre Bundesliga ermöglichte. Dies kann man nicht genug würdigen und leider wurde es oft schon vergessen oder als normal hingenommen. Aber das schmählert den dritten Aufstieg jetzt keineswegs. Auch diese Leistung ist einfach irre.

Was schätzen Sie am Cheftrainer?
Andreas Thiem: Seine Menschlichkeit über die Arbeit am Platz hinaus.

Welche Trainer schätzen Sie aus Ihrer Amtszeit noch besonders?
Andreas Thiem: Erich Rutemöller und Armin Veh. Aber deren andere Kollegen stehen dann kaum nach.

Wer ist heute noch von der zweiten Generation Aufstieg dabei?
Andreas Thiem: „Pagel“, klar, unser Kapitän „Paule“ Beinlich, Frank Scheller und Dr. Bartel. Kurz nach dem 2. Aufstieg kam dann ja auch noch Peter Meier als zweiter Physiotherapeut ins Team.

Welche Aufstieg war denn emotionaler der 1995 oder der jetzt?
Andreas Thiem: Die Atmosphäre im Stadion und auf dem Alten Markt war jetzt schon gigantisch. Aber damals war der Empfang, nach unserem Sieg in Nürnberg auf dem Flughafen in Laage auch überragend. Oder der Autocorso ins Volksstadion oder die Fete im Volksstadion selbst.

Welcher Augenblick war für Sie beim Aufstieg besonders emotional?
Andres Thiem: Als ich beim 3:1 gegen Unterhaching auf der Auswechselbank mit Paule Beinlich in den Armen lag und gemeinsam mit ihm vor Glück heulte. Anschließend kam Frank Pagelsdorf dazu und flennte mit…

Mit welchen Spielern pflegen Sie bis heute noch Kontakt?
Andreas Thiem: Daniel Hoffmann, Juri Schlünz, Axel Schulz von der ersten Generation, Christian Beeck, Steffen Baumgart, Hilmar Weilandt von der zweiten Generation. Na mit den heutigen Co-Trainern Perry Bräutigam und Timo Lange arbeite ich ja jetzt noch zusammen.

Welcher Spieler hat Sie in all den Jahren am meisten beeindruckt?
Andreas Thiem: Der Weltstar Jari Litmanen, auch wenn er nur ein halbes Jahre bei uns war.

Unterscheidet sich der Job des Zeugwarts von früher zu heute?
Andreas Thiem: Früher hatte jeder ein Paar Schuhe und einen Trainingsanzug. Da habe ich den Jungs noch die Schuhe geputzt. Heute ist das nicht mehr drin. Allein den Schuhbestand auf Vordermann zu bringen ist sehr aufwendig.

Wieso?
Andreas Thiem: Die Bestückung der Schuhe nehmen mein Kollege Peter Rodert von den „Rasenmähern“ und ich selber vor. Wir machen zum Beispiel aus Nockenschuhen in Handarbeit so Nocken- und Stollenschuhe. Für manchen Spieler ist das mit ihren Schuhen ja eine Religion. Aber: Es ist schließlich auch das Handwerkszeug der Jungs.

Wann sind Sie als Zeugwart froh?
Andreas Thiem: Bei jedem Sieg.

Was ist das Schlimmste am Job?
Andreas Thiem: Sechs Tage am Stück zu arbeiten und am Spieltag nur noch hilflos zu schauen zu können, was die Kerle unten am Platz machen.

Was ist in fast 20 Jahren am tiefsten hängen geblieben?
Andreas Thiem: Das “Nou Camp” in Barcelona. Eine irre Arena – dort haben wir ja als NOFV-Meister im Europapokal der Meister gespielt.

Was war die schlimmste Zeit?
Andreas Thiem: Jeder Abstieg war ein kleiner Tod.

Wie lange möchten Sie den Job machen?
Andreas Thiem: So lange es mein Körper zulässt. Mit dem Bremer Kollegen bin ich ja jetzt schon mit 42 Jahren und fast 20 Jahren Berufszeit der wohl dienstälteste Bundesliga-Zeugwart.

Welcher Spieler hatte die größten Marotten?
Andreas Thiem: Marco Zallmann, der hat nach dem Erwärmen noch mal die Stollen gewechselt und eigentlich keine Zeit dafür gehabt.

Wer hatte den größten Fuß?
Andreas Thiem: Marco Zallmann und Gernot Alms hatten eine Schuhgröße um die 46.

Und wer hatte Mini-Füße?
Andreas Thiem: In Fußballschuhen hatte Matthias Breitkreutz eine 3 ½ rechts bzw. eine 4 links.

„Matze“ hatte unterschiedliche Größen?
Andreas Thiem: Ja, das ist nicht selten. Auch jetzt haben Enrico Kern und Tobias Rathgeb unterschiedliche Größen.

Welche Spieler haben die meisten Schuhe?
Andreas Thiem: Enrico Kern, der hat für mehr als 10 Paar Schuhe als einziger ein Doppelfach in der Kabine. Auch Christian Rahn steht ihm in Sachen Schuhkult kaum nach. Er hat auf den Zungen der Schuhe sogar die Namen von Frau und Tochter eingraviert…

Welchen Platz belegt der F.C. Hansa in der Saison 2007/2008?
Andreas Thiem: Platz 15.

Wen wünschen Sie sich in der neuen Bundesliga als ersten Gegner?
Andreas Thiem: Den Deutschen Meister VfB Stuttgart mit unserem ehemaligen Trainer Armin Veh. Dann wissen die und wir gleich wo es in der neuen Saison lang geht…

Danke für das Gespräch und gute Reise nach Hawaii.

 

 

 


 

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