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29.01.2010 10:47 Uhr

Oliver Schröder: „Wir müssen besser in die Zweikämpfe kommen“ - Mit Audio

Mit bislang 15 Einsätzen scheint er praktisch schon zur Stammbesetzung im Kader des F.C. Hansa Rostock zu gehören. Nach seiner überstandenen Verletzung zu Saisonbeginn überzeugte Oliver Schröder vor allem durch seine starke Einsatzbereitschaft und den nötigen Überblick im Spiel. Nicht zuletzt sein Tor gegen Arminia Bielefeld zeigte, wie er im entscheidenden Moment das Ruder noch einmal herumreißen kann.

Vor dem Heimspiel am Sonnabend (DKB-Arena / 13.00 Uhr) gegen den 1. FC Union Berlin traf Hansa-Online den gebürtigen Berliner zum Gespräch.

Hansa-Online: Du als waschechter Berliner, was sagst Du zur Berliner Fußballlandschaft?

Oliver Schröder: Berlin hat unendlich viele Vereine. Es ist schön, dass mit dem 1. FC Union Berlin jetzt ein zweiter Verein im bezahlten Fußball abgekommen ist. Inwieweit sie sich dort oben etablieren können, muss man mal sehen. Vor ein paar Jahren waren sie ja schon einmal in der 2. Liga, sind dann aber wieder relativ schnell in der Versenkung verschwunden. Ich finde es gut, dass neben Hertha BSC noch ein anderer Berliner Verein in der Bundesliga spielt.

Hansa-Online: Für welchen Verein blühte in deiner Jugend dein Herz?

Oliver Schröder: Naja, ich hab in der Jugend bei Hertha gespielt und deswegen natürlich für Hertha BSC.

Hansa-Online: Hertha ist das Stichwort. Du warst selber Spieler dort, was sagst Du zur aktuellen Situation?

Oliver Schröder: Man bekommt das alles schon mit. Ich finde es auch schade, dass sie jetzt, gerade nachdem sie sich die letzten zehn Jahre recht gut gehalten haben und nach dem letzten guten Jahr, so einen Einbruch haben. Ich verfolge das und war auch bei ihren Spielen. Dann treffe ich natürlich auch ehemalige Mannschaftskollegen von mir und unterhalte mich mit ihnen über die Lage. Es ist halt schade. Aber gut, so ist der Sport ganz einfach.

Hansa-Online: Schafft Hertha den Klassenverbleib?

Oliver Schröder: Das ist schon sehr optimistisch und es wird ein ganz schöner Kraftakt. Es wird jetzt schwer für sie. Sie müssen das nächste Spiel gewinnen und dann haben sie vielleicht noch eine Chance. Aber davon ausgehen, dass sie die Klasse erhalten, kann man nicht.

Hansa-Online: Man hat es ja auch bei Hertha gesehen – sinken die Leistungen einer Mannschaft, wird schnell der Trainer entlassen. Würdest Du sagen, dass es immer unbedingt am Trainer liegt?

Oliver Schröder: Es ist nun einmal im Fußball leider so – beim Trainer fängt man als ersten an. Aber in der Regel glaube ich, dass es nicht so ist. Allerdings hat man ja auch schon oft gesehen, dass es etwas gebracht hat, wenn es einen Trainerwechsel gab. Also muss ein Fünkchen Wahrheit ja doch dran sein. Ich denke, meist sind es aber nur die ersten Ausreden, die man sucht. Und der Normalfall sollte es nicht sein.

Hansa-Online: Du hattest in der laufenden Saison bislang 15 Einsätze, genießt das Vertrauen des Trainers. Stimmt Dich das zuversichtlich für die nächsten Spiele?

Oliver Schröder: Ich bin natürlich froh, dass ich mir diesen Platz in der Mannschaft erkämpft habe. Aber das Wichtigste ist, dass wir als Team wieder die Kurve kriegen und nach oben kommen. Da muss sich jeder Einzelne auch ein bisschen zurücknehmen. Ich denke, die Mannschaft steht über allem. Ich will natürlich weiter probieren, Leistung zu bringen und es dem Trainer schwer zu machen, an mir vorbei zu kommen. Wenn es doch einmal der Fall sein sollte, muss man sich einfach wieder heran kämpfen. Aber ich versuche, im Training und in den Spielen immer mein Bestes zu geben, da möchte ich weiter dranbleiben. Und wichtig ist natürlich, dass wir jetzt mehr Punkte holen.

Hansa-Online: Hat ein Fußballer einmal einen schlechten Tag, wird es in den Medien sofort breitgetreten. Setzt einen so etwas unter Druck oder geht man damit ganz gelassen um?

Oliver Schröder: Naja, das ist schon nicht immer ganz so einfach. Es kann alles immer relativ schnell umschwenken und die Presse schießt sich auf bestimmte Sachen ein. Aber irgendwo ist auch immer einen Fünkchen Wahrheit dran. Wenn einer super spielt, wird auch von der Presse nichts Negatives gesagt werden. Man sollte sich immer ein bisschen etwas davon herausnehmen, aber natürlich nicht davon unter Druck setzten lassen. Dass bringt keinem etwas, vor allem nicht dem Spieler und der Mannschaft.

Hansa-Online: Hast Du für Dich eine eigene Medienstrategie?

Oliver Schröder: Ich habe mich mittlerweile daran gewöhnt, spiele ja schon ein paar Jahre Fußball. Ich hatte gute und auch schlechte Phasen mit der Presse. Man sollte aber auch nicht zu sehr darauf achten, sonst kann man nicht mehr vernünftig Fußball spielen. Das ist einfach so und damit muss jeder umgehen.

Hansa-Online: In der Woche habt ihr sehr intensiv trainiert – da ist das Ziel für Samstag klar?

Oliver Schröder: Na klar, wir wollen hier zu Hause wieder Punkte holen. Wir haben in diesem Jahr noch nicht gewonnen und auch unsere spielerische Leistung war eher schlecht. Da kann man so ein Spiel nehmen, um einmal einen positiven Trend zu bekommen.

Hansa-Online: Wo würdest Du die momentanen Defizite sehen?

Oliver Schröder: Im Moment fehlt uns die Spielfreude, die ist uns über Weihnachten irgendwie abhanden gekommen. Wir kommen nicht richtig in die Zweikämpfe. Wir haben zwar Chancen, spielen aber nicht richtig gut nach vorn. Als Gesamtheit, als Mannschaft, spielen wir nicht nach vorn und stehen ein bisschen weit auseinander. Am wichtigsten ist, dass man über Zweikämpfe ins Spiel kommt, dann kommt der Rest von alleine.

Hansa-Online: Im Hansa-Forum wird sich dazu auch ausgetauscht. Ein Nutzer sieht die Schwäche im Fehlen eines Führungsspielers, der gerade den jungen Spielern Rückhalt und Sicherheit gibt. Würdest Du das so unterschreiben oder siehst Du es anders?

Oliver Schröder: Ich würde es nicht so unterschreiben, aber da hat natürlich jeder seine eigene Meinung und das ist auch völlig in Ordnung. Wir sind eine recht homogene Truppe, da ist keiner, der sich irgendwie aufspielt. Andersherum sind dort ältere Spieler, die den Jungen schon helfen, wenn sie das Gefühl haben, dass sie das brauchen. Ich denke doch, dass es so etwas in unserer Mannschaft gibt.

Hansa-Online: Mit Blick auf das Saisonende – wo siehst Du Hansa?

Oliver Schröder: Wir wollen auf jeden Fall nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Eher ein paar Punkte nach oben gutmachen.

Hansa-Online: Der DFB hat das Spiel gegen Union als Risikospiel eingestuft. Wie geht man als Spieler an solche Partien heran?

Oliver Schröder: Als Spieler bekommt man die Sachen, die außen herum stattfinden, wie etwa die Polizeipräsenz, nicht so richtig mit. Wir konzentrieren uns auf das, was auf dem Rasen ist und ansonsten hoffen wir, dass eine gute Stimmung herrscht. Alles andere können wir eh nicht beeinflussen, sonst machen wir uns nur ein Kopf über Sachen, die nicht in unserer Hand liegen. Es wäre natürlich schön, wenn es ein schönes Fußballspiel wird. Mit zwei Fangruppen, die alles geben für ihren Verein und einem glücklichen Ende für Hansa Rostock.

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