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15.05.2006 09:36 Uhr

Pageldorf "Es gibt kein zu früh, es gibt nur ein zu spät"

Mit Trainer Frank Pagelsdorf war das anfangs der Saison schier Unmögliche auf einmal greifbar nah. Am Ende langte es aber doch nicht für den sofortigen Wiederaufstieg des FC Hansa. Zu Ursachen, Fehlern und Perspektiven äußerte sich der Rostocker Coach im Gespräch mit der SVZ.  Herr Pagelsdorf, stimmen Sie der Aussage zu, dass die Saison im Endeffekt für den FC Hansa enttäuschend war?

Ja. Enttäuschend letztendlich für mich, weil wir doch relativ viele Chancen besaßen, um oben anzuschließen. Nicht enttäuschend aber, dass es die Mannschaft ganz am Anfang unserer Zusammenarbeit – als es wirklich wahnsinnig schwer war, nicht noch weiter nach unten abzudriften – schaffte, mit einer geschlossenen Leistung unten rauszukommen. Da wurde der Kontakt zum Mittelfeld in der Tabelle hergestellt. Das war okay. Wir hatten da wirklich eine Phase, wo fast kontinuierlich eine gute Besetzung zur Verfügung stand, da spielten wir ziemlich konstant. Aber wenn man die zweite Halbserie nimmt, verpassten wir eine Menge Möglichkeiten, Anschluss an die Spitzengruppe herzustellen. Immer, wenn es diese Situation gab, verpassten wir sie. Und das ist natürlich komplett gesehen enttäuschend.

Jeder, der Sie kennt, weiß, dass Sie mit hohen Vorstellungen nach Rostock gekommen sind…

Die erste Aufgabe bestand für mich darin, dass wir bis zur Winterpause in jedem Fall versuchen sollten, den Kontakt zum Tabellen-Mittelfeld zu kriegen. Insofern gab es bei mir nicht von Anfang an die Erwartungshaltung, dass wir durchstarten. Es ging darum, in ein sicheres Fahrwasser zu kommen. Doch im weiteren Verlauf boten sich wie erwähnt die Gelegenheiten in Sachen Aufstieg. Klar anzusprechen ist, dass der Umbruch der Mannschaft ziemlich groß war. Scheinbar so umfangreich, dass die nötige Konstanz nicht mehr vorhanden war. So gelang es letztendlich nicht, die sogenannten Big Points zu machen.

Die fehlende Konstanz ist also eine Ursache für das unbefriedigende Abschneiden. Welche wesentlichen sehen Sie noch?

Es gab mehrere Sachen. Ein Punkt war ohne Frage auch, dass wir zu einem Zeitpunkt viele Verletzungen bekamen, wo wir dabei waren, uns nach vorn heranzuschleichen. In den ersten beiden Partien nach der Winterpause holten wir sechs Punkte. Doch dann machte sich die Verletzung von Gledson für die Stabilität der Abwehr negativ bemerkbar. Wir bekamen weitere Ausfälle mit Tim Sebastian und Kai Bülow, Rade Prica dazu. Man merkte, dass die Mannschaft keineswegs in der Lage war, die vielen Ausfälle zu verkraften.

Gab es für Sie Positives in der zurückliegenden Saison, auf das sich aufbauen lässt?

Es ist absolut erfreulich, dass wir die Möglichkeit hatten, junge Spieler einzubauen. Welcher Verein schafft es schon, innerhalb so kurzer Zeit aus dem eigenen Nachwuchsbereich fünf Spieler mit nach oben zu ziehen, wo dann zwei oder drei tatsächlich einschlagen.

Umbruch während der Saison – das ist, wie Sie selbst erklärten, eine schwierige Sache. Warum wurde dieser Weg beschritten?

Er war nötig aus mehreren Gründen. Zunächst macht eine Verjüngung der Mannschaft Sinn. Zweitens sagten wir strategisch, dass wir den Anteil an deutschen Spielern in unserem Kader erhöhen müssen. Zudem gab es vom Verein die Vorgabe, dass wir mit 20 Feldspielern und drei Torhütern in die neue Saison gehen. Da musste es automatisch einen Schnitt geben, sprich, die Trennung von Akteuren war vorprogrammiert. Aufgrund unserer wirtschaftlichen Situation ist klar, dass wir für Ablöse summen nicht so viele Mittel zur Verfügung haben.

Warum die Ausrichtung auf deutsche Spieler?

Ich glaube, dass die Identifikation in diesem Verein eine ganz elementare Rolle spielt. Es wird immer so sein, dass man ausländische Spieler verpflichtet. Hansa machte ja sehr gute Erfahrungen mit Fußballern aus Schweden. Das wird auch in Zukunft so sein, nur unser Hauptaugenmerk liegt auf eigenen Talenten aus Deutschland.

Was halten Sie von der Aussage: Der Aufstieg für Hansa wäre zu früh gekommen?

Es gibt kein zu früh, es gibt nur ein zu spät. Wenn es denn eingetreten wäre, hätte sich eine ganz andere Situation eröffnet. Die Spieler, die wir holen, verpflichten wir ja unter dem Gesichtspunkt, dass wir ihnen die 1. Liga zutrauen.

Damit ist der Anspruch für die kommende Spielserie ja schon formuliert. Worauf können sich die in den zurückliegenden Monaten oft arg gebeutelten Fans freuen?

Auf weitere talentierte Spieler, die vielleicht noch nicht so bekannt sind, aber den Ehrgeiz besitzen, nach oben zu kommen. Dann auf einen Stefan Beinlich, der die Führungsrolle innerhalb der Mannschaft einnehmen wird. Er besitzt eine sehr große Erfahrung und große Identifikation mit dem FC Hansa. Insofern gibt es viele positive Ansätze für die neue Saison. Es wird ja auch so sein, dass die jungen Spieler, die in dieser Serie zum Einsatz kamen, eine gewisse Entwicklung durchmachten, also wesentlich konstanter spielen werden. Wir werden in der neuen Saison eine sehr veränderte, starke Mannschaft haben.

Die das Ziel hat?

Wenn wir uns realistisch einschätzen, ist die Einordnung ganz klar: Wenn man die drei Absteiger aus der 1. Liga nimmt, was die für einen Etat haben, der deutlich höher sein wird als unser – dass die sicherlich zunächst einmal vor einem rangieren, kann passieren. Dann bleiben ja noch die drei Vertretungen, die jetzt knapp nicht Dritter wurden. Neben diesen Clubs sind es vielleicht zwei Mannschaften, die um den Aufstieg mitspielen. Da sollten wir dazugehören.

Was halten Sie von der Prognose, dass es in der neuen Saison in Sachen Aufstieg viel schwieriger wird als in der zurückliegenden?

Das ist Quatsch, denn keiner weiß, ob beispielsweise Duisburg stärker ist als Aachen und Bochum.

Sie sprachen davon, dass sich das Bild der Mannschaft ändern wird. Da geht es um Personen, aber auch um Hierarchien?! Bestimmen Sie vielleicht einen neuen Kapitän?

Das wird eine Mischform. Die Spieler werden ihren fünfköpfigen Mannschaftsrat wählen. Aus diesem Personenkreis lege ich die Reihenfolge fest, also wer erster und zweiter Spielführer ist.

Welche Neuzugänge sind noch zu erwarten?

Auf jeden Fall machen wir etwas im offensiven Bereich, um die Mannschaft zu verstärken. Da liegt momentan der Schwerpunkt.


Quelle: Schweriner Volkszeitung, Dietmar Tahn, 15.05.2006


 

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