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11.12.2006 14:09 Uhr

Paule & Rydle: Wir haben noch Reserven

Stefan Beinlich und Renè Rydlewicz -  der Kapitän und sein „Vize“. Zwei Fußballer – ein Stück F.C. Hansa Rostock. „Paule“ Beinlich steht für den zweiten Aufstieg der Hanseaten in die Beletage des deutschen Fußballs und kehrte zu Saisonbeginn an die Küste zurück. „Rydle“ kam 2000 nach Rostock, ist heute der dienstälteste Profi bei Hansa. Beide Spieler haben ihre Wurzeln in Berlin-Brandenburg. Stefan ist echter Berliner, Renè Lausitzer. Beide spielten beim BFC Dynamo vor der Wende vier Jahre in Jugendteams. Beide kickten nach der Wende auch mal bei Bayer Leverkusen. Beide sind heute Führungsspieler im Team von Frank Pagelsdorf. Stefan Beinlich blickt am letzten Heimspiel-Tag gegen den TSV 1860 München auf 279 Bundesliga Spiele (56 Tore) zurück, absolvierte in der 2. Liga 46 Spiele (15 Tore). Renè Rydlewicz bestritt 273 Bundesliga-Begegnungen (29 Tore), absolvierte 73 Zweitliga-Spiele (7 Tore). Die Hansa-Redaktion traf sich am Ende des Spieljahres 2006/2007 zu einer Bestandsaufnahme mit den beiden dienstältesten Fußballern zum Kreuzverhör in den Katakomben des Ostseestadions.

 

Was wünschen Sie sich für das Jahr 2007?

Stefan Beinlich: Gesundheit und nochmals Gesundheit für meine Familie. Aber ich wünsche mir auch, dass sich alle Menschen mit viel mehr Respekt einander gegenübertreten!

René Rydlewicz: Gesundheit! Wenn man gesund ist, dann regelt sich alles andere doch von selbst.

 

Was war für Sie das Verrückteste im WM-Jahr 2006?

Stefan Beinlich: Verrückt war unser Auftritt beim Punktspiel in Karlsruhe, als wir aus einem 0:3 und 1:4 noch ein 4:4 gemacht haben.

René Rydlewicz: Wir haben mal in der Bundesliga in Bremen bis zur 85. Minute 2:1 geführt und 2:3 verloren. Das 4:4 von Karlsruhe war sicherlich auch total irre, für uns und für die Fans.

 

Sie sind im Herbst Ihrer Profi-Karriere, wie lange möchten Sie noch Fußball spielen?

Stefan Beinlich: Wer sagt so etwas? Ich bin doch schon im Winter meiner Karriere…

René Rydlewicz: Ich möchte – wie Paule – erst einmal den Winter der Karriere erreichen. Aber ich fühle mich in meinem Alter total fit, möchte schon noch einige Jahre kicken. Wie Stefan habe ich ja auch einen Vertrag bis 2008 bei Hansa…

 

Gibt es schon eine Vorstellung von Ihrer Zukunft nach dem Fußball?

Stefan Beinlich: Nein, konkret habe ich noch keine Vorstellungen, wie es nach der Karriere weiter geht. Aber ich denke, ich werde dem Fußball nicht verloren gehen…

René Rydlewicz: Ja, ich würde schon gerne Trainer oder Manager werden.

 

Was wären Sie geworden, wenn Sie nicht Fußballprofi geworden wären?

Stefan Beinlich: Gute Frage. Ich habe ja Elektriker gelernt, ich denke, in dem Beruf würde ich dann wohl noch heute arbeiten.

René Rydlewicz: Dann wäre es schlecht um mich bestellt gewesen. Aber im Ernst: Ich wollte schon mit vier Jahren immer nur Profifußballer werden.

Wem verdanken Sie Ihre Karriere?

Stefan Beinlich: Da gibt es viele Leute. Aber im Prinzip sind es doch immer die Menschen, die einem ganz nah sind, die einen lieben und schätzen, die einen im Leben begleitet haben. Für meine Kindheit muss ich unbedingt meine Eltern nennen. Später meine Freundin und jetzige Frau, meine drei Kinder. In meiner Karriere habe ich aber auch Dr. Frank Bartel sehr viel zu verdanken, er hat mich immer wieder fit bekommen. In meiner bisherigen Laufbahn hat mich auch jeder Trainer geprägt.

René Rydlewicz: Mein Vater hat die Liebe zum Fußball in mir geweckt, meine Mutter mich zum Verein gebracht. Mein erster Trainer Klaus Rademacher hat sich fürsorglich um mich bemüht. Energie-Trainer Ulrich Nikolinski hat sich in Cottbus sehr um mich gekümmert. Werner Lorant hat mich in München und Friedhelm Funkel in Rostock gefordert und gefördert.

 

Welches war das beste Spiel Ihrer Laufbahn?

Stefan Beinlich: So etwas gibt es eigentlich nicht. Jedes Spiel hatte seine Individualität. Jeder Sieg ist etwas Tolles. Alle Erfolge im Leben sind schön. Wenn ich dennoch etwas heraushebe, dann nach der Wende in Deutschland das Probetraining in der Reserve von Aston Villa, welches ich damals in England absolvierte und das im Endeffekt meinen Weg bestimmte.

René Rydlewicz: Ich habe als Kind mal in Döbern 26:0 gegen Groß-Kölzig gewonnen und 15 Tore gemacht!

 

An welches Spiel erinnern Sie sich überhaupt nicht gerne?

Stefan Beinlich: Als wir mit Bayer Leverkusen 1999/2000 in Unterhaching die Deutsche Meisterschaft am letzten Spieltag verschenkt haben!

René Rydlewicz: Das 0:6 im November 2004  in der Bundesliga gegen den HSV mit Stefan Beinlich und der anschließende Abschied von Juri Schlünz als Trainer waren für mich ganz bitter.

 

Wie sehen Sie die Entwicklung Ihrer jetzigen Mannschaft?

Stefan Beinlich: Wir befinden uns auf einem richtig guten Weg, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

René Rydlewicz: Unsere Rekordserie an ungeschlagenen Spielen spricht ja für sich. Jedes Spiel ist ein Fortschritt.

 

Wo haben Sie als Mannschaft die größten Fortschritte gemacht?

Stefan Beinlich: Im spielerischen und taktischen Verhalten sehe ich bei uns die auffälligste Entwicklung.

René Rydlewicz: Im Abwehrverhalten.

 

Wo liegen die größten Reserven?

Stefan Beinlich: Das Spiel der Mannschaft in der Offensive, das Spiel mit dem Ball nach vorne wird sich von Spiel zu Spiel noch verbessern. Ich wage die Prognose: Viele von den Jungs wissen noch gar nicht wirklich, was in ihnen steckt, was sie alles können, wozu sie in der Lage sind. Viele von uns stehen doch erst am Anfang ihrer Karriere.

René Rydlewicz: Wir haben in jedem Bereich noch Reserven.

 

Sie kennen beide den F.C. Hansa Rostock schon über viele Jahre hautnah. Was schätzen Sie an diesem Verein?

Stefan Beinlich: Es ist das familiäre Umfeld, was mir hier so imponiert. Hier herrscht immer Ruhe und große Sachlichkeit.

René Rydlewicz: Hier stimmt alles. Vom Zeugwart bis zum Trainer, von der Kabine bis zum Spielfeld. Das Umfeld ist ideal für eine gute Mannschaft mit gutem Fußball.

 

Können  Sie sich eine Zukunft auch nach der Karriere in Rostock vorstellen?

Stefan Beinlich: Natürlich kann ich mir das gut vorstellen. Aber es ist noch nicht so weit. Vielleicht gibt es ja noch mehrere Frühlinge…

René Rydlewicz: Mit meinem Wechsel habe ich 2000 meinen Lebensmittelpunkt nach Rostock verlegt, hier gebaut, hier geheiratet. Hier möchte ich gar nicht mehr weg. Hier an der Küste ist die Lebensqualität einfach einmalig, hier sind die Menschen einfach toll, wirklich sehr, sehr herzlich.

 

Welche Rolle spielt der Trainer Frank Pagelsdorf für den F.C. Hansa?

Stefan Beinlich: Der Trainer ist eine wirklich große Identifikationsfigur des Vereins. Aus einer mittelmäßigen Zweitligamannschaft hat er seinerzeit mit Leidenschaft eine Bundesligaelf geformt. Er steht für die tolle Aufstiegszeit zwischen 1994 und 1997 und er steht jetzt für den Neuaufbau. Er war ein Grund, warum ich wieder in Rostock bin.

René Rydlewicz: Der Trainer ist der Baumeister des Erfolgs! Er hat damals aus namenlosen Jungs bekannte Fußballer gemacht: Beinlich, Barbarez, Schneider, Baumgart, Rehmer! Frank Pagelsdorf hat den Grundstein gelegt, dass hier zehn Jahre Bundesliga gespielt wurde und er bemüht sich gerade mit Engagement und Leidenschaft, dieses noch einmal zu wiederholen. Momentan hat er 26 Spieler, die ein Team bilden, wo jeder jeden ersetzen kann, wo die Struktur stimmt und ein Gesicht zu erkennen ist. Da steckt sehr harte Arbeit dahinter. Der Lohn ist ein schöner Tabellenplatz, der Hoffnung auf mehr macht.

 

Inwiefern hat das alte System der Kinder- und Jugendsportschule Ihnen in Ihrer Laufbahn geholfen?

Stefan Beinlich: Ich kenne die KJS vom BFC Dynamo, ich habe sie vier Jahre erlebt. Ich war zwei Klassen über René in der Klasse. Das war eine harte, eine gute Schule für Technik und Taktik, für Sport und Schule. Sie hat meine Kindheit geprägt. Ich habe mich damals bei der Einschulung gegen 500 andere Jungs durchgesetzt, war stolz, einer von sechs Burschen gewesen zu sein, die dann in die 7. Klasse eingeschult wurden. Wir haben die ganze Woche immer viel und hart das ABC des Fußballs gelernt.

René Rydlewicz: Wir haben damals schon sieben Mal die Woche zwei Mal am Tag trainiert oder gespielt. Der Sport war ebenso perfekt organisiert wie die Schule.

 

Ist das KJS-System heute auch auf den Profifußball anwendbar?

Stefan Beinlich: Die DFL und der DFB fordern es ja jetzt geradezu. Bei uns ist das Nachwuchssystem eine wunderbare Synergie zwischen Sport und Schule. Gut ist für den Verein, dass er sich im Gegensatz zu anderen Klubs auch nach der Wende nie ganz von diesem System der Sportförderung gelöst hat.

René Rydlewicz: Unser Verein hat es frühzeitig übernommen. Schauen Sie, Jungs wie Sebastian oder Bülow kommen aus dem Internat, 13 Jungs sind in den letzten beiden Jahren nach dem Abstieg von der eigenen Nachwuchsmannschaft in den Profifußball aufgestiegen.

 

Welchen Rat können Sie jungen Fußballern mit auf den Weg geben?

Stefan Beinlich: Entscheidend ist der Kopf. Was du erreichen willst, muss durch deine „Rübe“…

René Rydlewicz: Jeder muss seinen eigenen Weg gehen. Wichtig ist, nie aufzugeben und sich immer in Frage zu stellen.

 

Was ist schöner als ein Aufstieg in die Bundesliga?

Stefan Beinlich: Jede Stunde, jeder Tag mit meiner Familie.

René Rydlewicz: Meine Frau!

 

Wer werden die drei Mannschaften sein, die im Sommer 2007 in die Bundesliga aufsteigen?

Stefan Beinlich: Wenn wir dabei sind, ist mir das völlig egal.

René Rydlewicz: So sehe ich das auch.

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