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25.05.2010 09:19 Uhr

Porträt des neuen Vorstandsvorsitzenden Bernd Hofmann

Sonne über Brandenburg. Hier an der A24 liegt Velten im Landkreis Oberhavel. Eine Stadt im Speckgürtel von Berlin. Ein Ort zwischen Birkenwerder und Oberkrämer. 11 640 Einwohner leben hier. Mittendrin ein Mann, der für die Schönheit der Jahreszeit kaum einen Blick hat. Während die Nachbarn Pfingsten feiern, düst Diplom-Sportökonom Bernd Hofmann (41) derzeit mit seinem schwarzen Familienauto von Brandenburg aus durch Deutschland.

Der neue Vorstandsvorsitzende des F.C. Hansa Rostock, der das Amt am 20. Mai 2010 übernahm, soll den Verein sanieren, der in 45 Jahren nur in der Beletage des deutschen Fußballs bzw. in der 2. Liga spielte. Hofmann, der 16. Chef bzw. Präsident oder Vorsitzender seit 1954, plant einen Schnitt und sucht nach Schnittstellen, wie die Herkules-Aufgabe zu bewältigen ist.

Hofmanns Ziel: Rückkehr in die Erfolgsspur. Hofmann ist vom ersten Tage seiner Amtsübernahme auf der Suche nach neuen, erfolgreichen schlanken Vereinsstrukturen, nach einem hungrigen, jungen hauptamtlichen Manager, nach zwei ehrenamtlichen Vorständen, nach einem Trainer für die bevorstehende 3. Liga, der den Markt kennt und der erfolgsorientiert ist. Er soll fachlich in der Lage sein, ein neues Team zu finden - in kurzer Zeit den einstigen Leuchtturm des Nordens, die Marke Hansa, wieder „unter Strom“ zu setzen, um den sportlichen Aufbau und den finanziellen Abbau der vorhandenen Verbindlichkeiten zu realisieren.

Bernd Hofmann ist Brandenburger, genauer Bernd Hofmann ist am 26. Dezember 1968 in Hennigsdorf bei Berlin geboren. Sternzeichen Steinbock.

Vom Steinbock als Chef sagt man dies: Streng und gerecht. Wenn da nicht seine überdimensionalen Anforderungen stehen würden. Das, was er von sich verlangt, verlangt er auch von anderen. Vor allem Tugenden wie Fleiß, Ehrgeiz, und Pflichtgefühl finden seine Anerkennung. Mit Genialität und Kreativität kann er weniger gut umgehen. Er ist aber ein Chef, der sich um seine Angestellten kümmert, der sie zu Fortbildungen ermuntert und ihnen Aufstiegschancen ermöglicht. Findet er aber ein „Faultier“ unter seinen Mitarbeitern, findet dieser schnell den Ausgang.

Mit sieben Jahren meldete sich Bernd Hofmann als kleiner Steppke bei der BSG Motor Hennigsdorf als rechter Läufer bzw. Mittelfeldspieler an. Das war damals Fußball auf Kreis- und Bezirksebene, immerhin schaffte er es mit dem damaligen Bezirk Potsdam bis zur Kinder- und Jugendspartakiade. Das erste Hindernis: Ein Kreuzbandriss.

Seine Armeezeit verbrachte Hofmann in der DDR bei der NVA in Laage bei Rostock. Mit Traktor Laage spielte er in der Bezirksliga. Das zweite Hindernis: Ein Kreuzbandriss. Am Ende war es ein Knorpelschaden - Ende mit Leistungssport.

Dem aktiven sportlichen Ende folgte die neue berufliche Orientierung: Sport. Sport bedeutete Leipzig, Sport bedeutet DHfK. Hofmann: „In der DDR habe ich die typische Schulbildung durchlaufen und dann von 1990 bis 1994 in Leipzig Sportmarketing und Sportmanagement studiert. Meine erste Tätigkeit bei einem Sportverein war von 1994 bis 1998 als Geschäftsführer des OSC Berlin, einem großen Sportverein mit leistungssportlicher Ausrichtung im Bereich Leichtathletik.“

Aber die Liebe zum Fußball führte Hofmann zurück zum runden Leder. Union-Präsident Heiner Bertram bestellte Hofmann zum Geschäftsführer an die „Alte Försterei“. „Ich habe so also von 1998 bis 2003 beim 1. FC Union Berlin gearbeitet“, sagt Bernd Hofmann.

Unter seiner Führung stieg der Verein 2001 in die 2. Liga auf und erreichte das DFB-Pokalfinale. Nach seinem Rücktritt (wegen Präsidiums-Umbesetzung) arbeitete er mit seiner Agentur „Hofmann & Partner“ als selbständiger Vermarkter von Sportveranstaltungen ein Jahr lang für Vereine und Unternehmen und vermarktete u.a. den Business-Bereich des Berliner Leichtathletik-Sportfestes ISTAF. Dieser Kontrakt ist mittlerweile ausgelaufen.

Danach holte ihn FCM-Präsident Volker Rehboldt an die Elbe, zum ersten und einzigen DDR-Europapokalsieger. „So habe ich von 2005 bis 2009 beim 1. FC Magdeburg gearbeitet“, erklärt Bernd Hofmann.

Unter Hofmanns Leitung brachte der Klub Ende 2006 seinen Stadion-Neubau zu Ende. Beim 1. FCM arbeitete er bis Ende 2009, ehe er selbst seinen Hut nahm. Zuletzt war er auch als Manager bei Dynamo Dresden und Red Bull Leipzig im Gespräch.

Seine Bilanz nennt Bernd Hofmann aus heutiger Sicht positiv: „Beide Vereine konnte ich erfolgreich sanieren und damit gleichzeitig einen sportlichen Aufschwung herbeiführen. Mit dem 1. FC Union sind wir in die 2. Bundesliga aufgestiegen und haben das DFB-Pokalfinale erreicht. In Magdeburg sind wir während der Sanierung bis in die Regionalliga und anschließend fast im Durchmarsch in die 2. Liga aufgestiegen, haben ein neues Stadion gebaut und erst am letzten Spieltag ganz knapp den Aufstieg in die 2. Bundesliga verpasst…“

Die 2. Liga ist jetzt auch das langfristige Ziel. Mit Interesse schaut Hofmann da nach Osnabrück: „Mit einer kleiner Mannschaft und dem totalen Umbruch haben Manager und Trainer dort in einem Jahr zurück in die Spur gefunden. Das war ein harter Weg. Das wird auch für uns ein harter, manchmal sicher auch ein steiniger, blutiger, tränenreicher Weg. Aber die Marke Hansa gehört in den deutschen Profifußball, in der Beliebtheit rangierte der Verein zu Bundesliga und Zweitliga-Zeiten schon unter den besten zehn Teams des Landes, in den neuen Bundesländer, so habe ich es immer als neutraler Fan gesehen, als Nummer 1. Zehn Jahre Bundesliga am Stück sind uns jetzt Verpflichtung.“

Hofmanns erste Kontakte mit dem F.C. Hansa liegen schon bis zum November 2009 zurück. Damals wurde er von Mitgliedern des Hansa-Aufsichtsrates angesprochen. Seither beschäftigte er sich hinter den Kulissen intensiv mit dem Verein, den Strukturen, mit der Mannschaft. Schon die erste Pressekonferenz zeigte, dass er bei Hansa auf Ballhöhe ist.

Also dreht Hofmann jetzt mit seiner neuen Führungsriege - sozial verträglich und gemessen an vergleichbaren Vereinen - jeden Stein in der DKB-Arena herum.

Das Vereinslogo hatte er schon bei der Präsentation am feinen Zwirn. Für die Fotografen posierte er am ersten Tag mit Fanschal und Klubball. Motto: „Wir sind der F.C. Hansa, wir gehören in den Profi-Fußball. Ich bin kein Heilsbringer. Aber ich werde die Ärmel hochkrempeln und mit Hilfe von Mitgliedern, Politik, Sponsoren, Mitarbeitern und Fans versuchen, die Kogge wieder aufzurichten“, sagte Hofmann, der einen „ambitionierten Neuanfang“ plant.

„Dabei gilt es, den Spagat hinzukriegen zwischen der Sanierung und der sportlichen Wettbewerbsfähigkeit, das heißt, eine schlagkräftige Mannschaft auf und neben dem Spielfeld aufzubauen“, betonte Bernd Hofmann.

Zu einem solchen Anspruch gehört auch ein bisschen Hansa-Herz. Hofmann: „Das Hansa-Herz kommt mit der neuen Arbeit ganz automatisch, ich spüre es sogar schon. Ich bin im Land Brandenburg aufgewachsen, wo es schon früher viele Hansa-Fans gab. Und auch ich war als kleiner Junge schon oft im Ostseestadion, um die Spiele zu sehen. Als ich dann bei den anderen Fußballvereinen tätig war, musste ich natürlich auch andere Prioritäten setzen. Doch dem F.C. Hansa als erfolgreichsten ostdeutschen Verein nach der Wende habe ich natürlich immer die Daumen gedrückt.“

Logische Folge: Bernd Hofmann sucht schon für sich an der Küste eine Wohnung, für sich und für die Familie. Die Familie, das sind seine Frau, die Marketingassistentin Olivera Oroz, eine ehemals bekannte Handball-Centerspielerin aus Kroatien, die mit Olimpia Ljubljana einst sogar den EHF-Pokal gewann. Dazu kommt Sohn Jan (9). Außerdem erwartet Familie Hofmann in den nächsten Wochen bzw. Tage ein Zwillings-Pärchen.

Was Wunder, wenn sich Bernd Hofmann über den Fußball hinaus für Handball sowie große Events der Leichtathletik oder im Eishockey interessiert. Als Freizeitsportler steht er unterdessen beim Badminton am Netz.

Aber Fußball bleibt Fußball. Bernd Hofmann drückte als Kind einst dem FC Liverpool die Daumen und bewunderte Zinedine Zidane. Seine Fußball-Philosophie ist „aus einer sicheren Abwehr schönen, erfolgreichen Fußball zu spielen.“

Derweil bestimmt derzeit die Uhr das Leben des Vorstandsvorsitzenden. Die Zeit drängt auch jetzt, Hofmann muss los, Manager-, Trainer-, Spielersuche. Die nächsten Wochen lassen dem neuen Mann in Rostock keine Zeit. Es sind Tage der Entscheidungen. „Wir dürfen keine großen Fehler machen, die Entscheidungen, die wir treffen, müssen sitzen. Wir haben keine Zeit zu verlieren.“

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