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05.02.2007 09:47 Uhr

Portrait Gledson - ein „deutscher“ Brasilianer

Das Trikot mit seinem Namen geht im Hansa-Fanshop so oft über den Laden-Tisch wie kaum ein anderes Jersey eines Rostocker Fußballers: Gledson! Der erste und berühmteste Brasilianer der Hanseaten ist ein wahrer Publikums-Liebling an der Ostsee geworden.
Im Reisepass des Südamerikaners steht sein offizieller Geburtsname so: Gledson da Silva Menezes. Im deutschen Fußball aber reduziert sich sein Name nur auf Gledson. Der Brasilianer ist kein Ballartist vom Zuckerhut. Gledson  stammt auch nicht aus den Favelas. Er hatte mehr Glück als viele der 187 Millionen Brasilianer. Gledson ist Sohn eines bekannten Politikers, hatte keinen Fußball in der Wiege und sollte auch nicht Kicker werden.

 

„Gledi“ wurde am 4. September 1979 in Felipe Guerra (20.000 Einwohner) geboren. Das liegt vier Stunden von Natal entfernt. Dies ist die Hauptstadt des Bundesstaates Rio Grande do Norte. Hier in Felipe Guerra lebt Vater Francisco Canide da Silva Menezes mit seiner Maria, hier leben die Schwester Luisa und die Halbgeschwister Larissa und Vanessa.
Gledson sagt heute, er hatte eine schöne Kindheit. Er hat früher viel lieber Fern gesehen als Fußball gespielt, zum Beispiel die populäre Kindersendung Xuxa. Gledson hat auch elf Jahre die Schule besucht. Im Schnitt bekam er Noten zwischen 6 und 7. Die beste Zensur ist in Brasilien die 10…

Den ersten Fußball, so erzählt Gledson heute, habe er erst mit 14 Jahren von seinem Onkel Eleno geschenkt bekommen. Gledson lacht heute darüber: „Weder Vater noch Mutter waren davon begeistert!“ Vater Francisco schickte seinen Sohn mit 16 Jahren lieber auf die höhere Schule nach Natal, dort sollte er ein Politstudium absolvieren.
Aber: Er lernte Kumpels kennen, die nahmen ihn mit zum Fußball. Als ihn die Trainer dort sahen, verpflichteten sie den Jungen sofort. So wurde Gledson Profi des Zweitligisten FC ABC Natal. „Von diesem Tag an war Fußball meine Liebe, mein Leben, mein Job.“ Bei der „Copa Sao Paulo“ schnappte sich Corinthians den Burschen. Aber schon nach sechs Monaten war Gledson wieder in Natal. Auch ein Test bei Vitoria Perabucano dauerte kein halbes Jahr, also ging er zum FC Turabao. Aber dort entdeckte ihn Fritz Fuchs vor sechs Jahren für Deutschland und Sohn Uwe Fuchs holte ihn nach Köln.

 

Im ersten Jahr kickte der Innenverteidiger für Fortuna, bestritt 13 Regionalliga-Spiele. In der zweiten Saison absolvierte er für den LR Ahlen kein Match. Damals litt er unter einem Fußbruch. Im dritten Jahr absolvierte er 27 Spiele unter dem damaligen Trainer Frank Pagelsdorf für den VfL Osnabrück. In der vierten Saison bestritt er für LR Ahlen 28 Begegnungen und kassierte seinen  einzigen Platzverweis. In 55 Zweitliga-Spielen kam Gledson bis zum Sommer 2005 in Deutschland auf zwei Treffer.

Arminia Bielefeld, der 1. FC Köln, Eintracht Frankfurt, MSV Duisburg und Alemannia Aachen warben damals um Gledson. Aber der und sein Berater Uli Ferber entschieden sich lieber für den F.C. Hansa. Der Grund: Hier hatte gerade die zweite Amtszeit von Frank Pagelsdorf begonnen, hier fühlte sich „Goleo“ - wie ihn Kollegen in Anlehnung an das WM-Maskottchen wegen seines strubbeligen Haares oft scherzhaft rufen – am besten aufgehoben. „Frank Pagelsdorf ist in Deutschland die wichtigste Bezugsperson für mich geworden. Er vertraute mir. Hier bin ich von Tag zu Tag besser geworden.“
Der Südamerikaner ist körperlich ein „Fußball-Riese“ - 1,90 m groß und 90 kg schwer, hat Schuhgröße 43. Sein Spiel ist dynamisch und wuchtig, er erinnert an Weltmeister Lucio. Er ist ein typischer Abräumer in der Abwehr und im gegnerischen Strafraum eine „Walze“. Gledson über Gledson: „Im Spiel bin ich kein Brasilianer. Ich spiele deutsch…!“
Hansa-Trainer Timo Lange, einst selbst Abwehrspieler sagt es so: „Stimmt, Gledi hat die deutsche Spielweise verinnerlicht. Er agiert sehr aggressiv, ist ausgesprochen gut im Zweikampf- und Kopfballspiel. Sein Körpereinsatz, seine Sprungkraft, seine Sprintfähigkeit sind unglaublich. Er hat aber trotzdem eine ordentliche Technik, wie mancher Fallrückzieher zeigt. Er besitzt ein gutes Passspiel und beherrscht auch sonst den Ball. Sein Manko ist allein sein etwas risikofreudiges Spiel.“

Heute ist Gledson einer der besten Abwehrspieler der 2. Liga. Gledson nennt zwei Gründe: „Trainer Frank Pagelsdorf vertraut mir im sportlichen Bereich. Privat habe ich in Rostock ein Zuhause gefunden.“
Gledson verrät erstmals: „Seit einem Jahr habe ich Familienanschluss, liebe meine Freundin Serina Pakul, die halb Deutsche, halb Polin ist. Sie ist 31 Jahre und hat eine achtjährige Tochter, die Elisa heißt. Ich habe sie in einem großen Rostocker Schmuckgeschäft beim Einkauf kennen gelernt.“
Der sportliche Effekt dieser Liebe: Gledson spricht so gut deutsch wie noch nie, gibt als Abwehrspieler jetzt deutsche Kommandos. Und: Erstmals ist der Hansa-Star zum Jahreswechsel nicht nach Brasilien gedüst. Deutschland ist seine Heimat geworden.


 

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