Offizielle Website des F.C. Hansa Rostock - Unsinkbar seit 1965

22.03.2010 08:32 Uhr

Portrait Marco Kostmann - Zurück an der Küste

In der Vereins-Geschichte hatten der SC Empor bzw. der F.C. Hansa bislang 27 Cheftrainer. Der erste war 1955 Oswald Pfau, der jüngste Fußball-Lehrer ist nun Marco Kostmann. Die Cheftrainer Jürgen Heinsch und Juri Schlünz hatten das Amt in jener Zeit gleich dreimal inne. Die Fußball-Lehrer Frank Pagelsdorf und Andreas Zachhuber waren je zwei Mal im Amt.
Was auffällig ist in der Liste der hanseatischen Fußball-Übungsleiter: Mit Jürgen Heinsch und Marco Kostmann gibt es nur zwei Fußballer, die in ihrer aktiven Laufbahn Torhüter waren.
 
Wer ist der Mann, der am 15. März 2010 beim DFB und der DFL offiziell als Cheftrainer des Zweitligisten F.C. Hansa Rostock gemeldet wurde?
 
Der gebürtige Rostocker Marco Kostmann ist das, was man einen „Dauerbrenner“ nennen kann. Marco kam im Sommer 2009 durch Manager René Rydlewicz als ausgebildeter Fußball-Lehrer der Kölner Sporthochschule und übernahm das Amt von Perry Bräutigam als Torwart-Trainer des gesamten Vereins.
 
Marco Kostmann trainierte bislang von der Profi- bis zur B-Jugend-Elf insgesamt acht Torhüter. Das ist ein Power-Job von 7.45 Uhr bis 19.00 Uhr in der Woche.
 
Nach der Beurlaubung von Andreas Zachhuber war er Co-Trainer von Thomas Finck. Der hat eine A-Lizenz. Da DFB und DFL in der 2. Liga aber seit kürzester Zeit keine Cheftrainer ohne Trainerschein dulden, übernahm nun also Marco Kostmann. An seiner Seite steht Thomas Finck, der nun die schnelle Ausbildung als Fußball-Lehrer anstrebt. Statt Finck/Kostmann heißt das Trainer-Duo also Kostmann/Finck. Gemeinsames Ziel: Klassenerhalt.
 
Kostmann? Der Name ist an der Ostseeküste kein unbeschriebenes Blatt: Gerd Kostmann war zu DDR-Zeiten immerhin zweimal Oberliga-Torschützenkönig. In der Saison 1967/68 und dem Spieljahr 1968/69 brachte es Gerd Kostmann auf 15 bzw. 18 Tore.
 
Marco Kostmann ist im DDR-Sportsystem groß geworden. Der einstige Torhüter wurde am 12. April 1966 geboren, hat Schiffsbauschlosser gelernt, ist mit einer Diplom-Ingenieurin von der Lufthansa verheiratet und hat zwei Kinder (Kenneth und Marty). Er ist 1,86 groß, 86 kg schwer, hat den Trainerschein an der Weisweiler-Sportschule in Köln gemacht.
 
Seine Karriere als Fußball-Torwart begann 1971 bei Dynamo Rostock-Mitte. Nach zehn Jahren wechselte der DDR-Junioren-Nationaltorwart 1981 mit 15 Jahren zum BFC Dynamo, wo er bis 1988 aktiv und u.a. in einem Jahrgang mit Thomas Doll und Andreas Thom war.
 
In der Saison 1988/89 gehörte er erstmals dem F.C. Hansa Rostock an. Anschließend wechselte er zum 1. FC Union Berlin. Für die Berliner bestritt er am 6. August 1989 sein erstes Spiel bei Chemie Velten (2:2). Insgesamt stehen 40 Union-Begegnungen in seiner Vita. Am 21. April 1991 machte Marco Kostmann mit der Begegnung MSV Post Neubrandenburg – 1. FC Union Berlin (3:2) sein letztes Spiel für die Hauptstädter.
 
Nach der politischen Wende ging Marco Kostmann in der Spielzeit 1991/92 zum 1. FC Saarbrücken, hier machte er sechs Spiele in der 2. Liga, stieg in die Bundesliga auf und absolvierte in der Saison 1992/93 sieben Begegnungen. Nach dem Abstieg war er noch mal in 28 Spielen in der 2. Liga aktiv. 1995/96 wechselte er zum Hamburger SV, konnte dort aber kein Spiel bestreiten. Damals wurde der HSV Fünfter in der Bundesliga.
 
Später spielte er noch für den 1. SC Norderstedt (1997/98) bzw. den SC Paderborn (1998 bis 2000), ehe er seine Karriere beendete.
 
Marco über seine Zeit als Fußballer: „Meine aktive Zeit ist ein Stück Laufbahn, zur Karriere fehlt mir was…“
 
Nach seiner „aktiven Zeit“, wie er sagt, war er immerhin schon einmal „ohne Lizenz“ kurzzeitig Trainer beim SC Paderborn, danach wurde er Nachwuchstrainer beim FC St. Pauli und bei Hansa Rostock, später übernahm er als Trainer den FC Union Tornesch (2000 bis 2003), schließlich wurde er Torwarttrainer im DFB-Nachwuchsbereich und DFB-Stützpunktkoordinator von Schleswig-Holstein.
 
Marco Kostmann erfüllt also wirklich alle Voraussetzungen eines Fußball-Lehrers. 2001 machte er die B-Lizenz, 2003 die A-Lizenz und 2006 schon die UEFA-Pro-Lizenz als Fußball-Lehrer.
 
Das Kuriosum dabei: „Ich wollte schon viel früher meine Karriere beenden und eigentlich Krankengymnast werden. Heribert Bruchhagen hat mir in Hamburg dann aber einen neuen Weg gezeigt. Also habe ich meine Fußballscheine gemacht und landete auf der Weisweiler-Akademie. Ich war damals in einem Lehrgang mit Bruno Labbadia, Petrick Sander, Marc Wilmots, Thomas von Heesen und Ede Becker.“
 
Sein bisheriges sportliches Highlight: Unter dem deutschen Coach Uli Stielicke war er Torwart-Trainer der Elfenbeinküste. „Diese Zeit war das oberste Regal meiner Karriere, Drogba und Demel von Angesicht zu Angesicht im Alltag zu erleben, war schon toll.“
 
Aber auch das gab es im Leben des Torhüters und Trainers: „Die Jugend-EM als Torwart mit Leuten wie Andreas Thom, Thomas Doll oder Olaf Marschall und Ulf Kirsten in Moskau; der Bundesliga-Aufstieg mit Saarbrücken und den EM-Titel mit der U19 mit Horst Hrubesch.“
 
Mit wem hat Marco Kostmann in der Vergangenheit in Rostock gespielt?
 
Marco Kostmann: „Es waren Leute wie Jens Kunath, Juri Schlünz oder Axel Schulz und Hilmar Weilandt sowie Heiko März.“
 
Mit welchen Leuten hat er schon zusammengearbeitet?
 
Marco Kostmann: „Da muss ich Peter Neururer in Saarbrücken nennen, Felix Magath bei den Hamburger Amateuren, ja bei den Amateuren damals, oder Benno Möhlmann bei den Profis. Als Manager hatte ich mit Heribert Bruchhagen in Hamburg Kontakt. Bei Union habe ich es mit Karsten Heine zu tun gehabt. Beim DFB mit Jörg Daniel und Horst Hrubesch. An der Elfenbeinküste eben erst mit Uli Stielike und dann mit dem Franzosen Gerard Gili.“

Zurück