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18.10.2005 08:41 Uhr

Prica „Ich verstehe die Pfiffe nicht!“

Der F.C. Hansa und der Stufenplan des Fußball-Lehrers Frank Pagelsdorf. Nach fünf Spielen ohne Niederlage ist der Rostocker  Bundesliga-Absteiger in Liga 2 seit dem Spiel gegen FC Erzgebirge Aue (0:1) endlich von den Abstiegsplätzen runter.
Der Lohn: Platz 12 statt Rang 15.
Cheftrainer Frank Pagelsdorf sah man so am Sonntag nach dem Auslaufen im Ostseestadion entspannt mit seinen beiden Kindern liebevoll eine Sonderschicht einlegen. Seinen Spielern hatte er sogar dreieinhalb Tage Pause „verschrieben“.
Keiner nahm diese Offerte so gern an wie Stürmer Rade Prica. In der 22. Minute verwandelte er eine Flanke von Renè Rydlewicz. Nach einigen vergebenen Chancen pfiffen ihn die eigenen Fans dann aus. Nach dem Spiel verschwand Rade mit seiner Familie wortlos aus dem Stadion, buchte sofort ein Ticket nach Skandinavien in die Heimat.
Für Hansa-Online gab er in aller Eile noch ein Interview im leeren Ostseestadion.

Rade, was fühlt man, wenn einen die eigenen Fans auspfeifen?
Prica: Ich bin enttäuscht, ich verstehe das nicht. Wir haben gewonnen und einige so genannte Fans pfeifen mich oder meine Kollegen aus, obwohl wir uns permanent Chancen erarbeiten, zu Null spielen und gewinnen.

Sie haben keinerlei Kommentare nach dem Spiel gegeben?
Prica: Ja, ich war sauer. Jeder weiß, ich will immer gewinnen, ob beim Fußball oder beim Schach. Ich gebe immer alles, habe viel Arbeit auch im Mittelfeld geleistet. Ich bin doch selbst am meisten enttäuscht, wenn ich nicht treffe.

Kommen da drei Tage Pause gerade richtig?
Prica: Klar, ich brauche die Zeit meinen Akku aufzuladen. Nachzudenken. Ich war voller Ärger, einfach böse auf mich und dann auf die Reaktionen im Stadion. Ich hätte an dem Tag zwei, drei Tore mehr machen müssen. Natürlich. Aber so ist das eben bei mir – leider.

Immer wieder tauchen in den letzten Tagen Gerüchte auf, sie würden nach Norwegen wollen, in die 2. Liga, dort wo Joakim Persson und schon fünf Schweden spielen. Da feiert man den Aufstieg und da soll viel Geld sein…
Prica: Ich habe keinen Kontakt, kenne alles nur aus der Zeitung. Und mein Vertrag in Rostock läuft bis zum Sommer 2006. Mehr gibt es nicht zu sagen!

Wie reagierten die Mitspieler auf Rades Leistung?
Kapitän Renè Rydlewicz sprach gleich nach dem Spiel mit Rade Prica, machte ihm Mut, baute ihn auf.
Trainer Frank Pagelsdorf nahm ein weiteres graues Haar auf seinem Kopf in Kauf.
Fast trotzig meinte „Pagel“: Rade hat ein tolles Spiel gemacht. Läuferisch war er sehr stark. Mir ist es lieber, wenn einer sieben Chancen im Spiel hat als gar keine…“
Mit den Zuschauern wollte der Trainer freilich auch nicht böse sein. „Diese Zuschauer hier sind ja eine Sensation. 23 000 Zuschauer gegen Aue, sensationell. Bei meinem ersten Engagement hier in Rostock hatten wir manchmal nur zwischen 3000 oder 6000 Fans im Stadion und nun dies. Phantastisch! Aber die Leute sollten auch sehen, was die Jungs da unten leisten und da hat auch ein Stürmer wie Rade Prica gegen Aue sehr engagiert in der Defensive gearbeitet. Das sehen die Fans aber leider nicht, weil oft nur die Tore zählen…“
Eines lag Frank Pagelsdorf, der selbst schon wieder zur Spielbeobachtung aufbrach, doch noch am Herzen: „Ich habe mich über den Sieg gegen Aue sehr gefreut. Aber wir haben nichts erreicht. Wir arbeiten an unserem Stufenplan und müssen jetzt einmal einen Auswärtssieg landen, am besten in Karlsruhe am Sonntag.“


 

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