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04.11.2005 13:21 Uhr

Ralf Gawlack "Die Marke Hansa boomt"

Am 28. Dezember 2005 feiert der F.C. Hansa Rostock sein 40. Jubiläum. So bitter der Abstieg des Vereins nach 10 Jahren Bundesliga auch war, die Marke Hansa boomt in der 2. Liga wie nie.
Hansa-Online sprach darüber mit Ralf Gawlack, Vorstand Marketing des F.C. Hansa.


Herr Gawlack, die Mitgliederzahl des Vereins ist seit dem Abstieg der Profimannschaft von 2000 auf 2700 Mitglieder angewachsen. Wie erklären Sie sich das?
Gawlack:
Der Zuwachs von 35 Prozent erklärt sich zweifelsfrei daraus, dass die Menschen in der Region ein feines Gespür für die Situation haben. Viele wollen ihr Herz für Hansa zeigen, weil sie möchten, dass der Verein wieder erstklassig wird. Die Leute sehen, dass gerade jetzt ein neuer Zusammenhalt notwendig ist. Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen Verein, Mannschaft und Fans ist natürlich toll. Hansa war seit der Wende immer ein beliebter Verein, lag bei entsprechenden Umfragen immer zwischen Platz Vier und Sieben. Aber mit dieser Entwicklung haben auch wir so nicht gerechnet.

Die Medienagentur Sport und Markt hat in ihrer jüngsten Umfrage zur Popularität der 36 Bundesliga-Vereine festgestellt, dass Hansa in der Beliebtheit in Deutschland immerhin Rang 13 einnimmt ...
Gawlack:
Tatsächlich, wir haben da als Zweitligist toll abgeschnitten und immerhin sechs Bundesligisten hinter uns gelassen. Wir liegen in der Popularität gleichauf mit Hertha BSC und sind bester Zweitligist, haben sowohl den SC Freiburg, aber auch die beiden ostdeutschen Konkurrenten aus Cottbus und Dresden um 2 Prozent Marktanteil hinter uns gelassen. Dies bedeutet: Die Liebe zum F.C. Hansa ist ungebrochen. Die Leute wollen uns sehen und unterstützen, sich mit uns freuen und sie leiden mit uns, wenn es mal nicht so läuft.

Dieses Phänomen zeigt sich dann auch in den Zuschauerzahlen, oder?
Gawlack:
Genau! In der Bundesliga hatten wir einen Zuschauerschnitt von 17.000. Unsere Kalkulation lag für die 2. Liga bei 10.000 Zuschauern. Momentan liegen wir bei über 17.000 Fans im eigenen Stadion. Unglaublich, wir haben also auch als Zweitligist keinen Zuschauerschwund! Wir haben das Gefühl, dass die Menschen emotional engagierter sind als je zuvor. Sie merken, der Verein, die Mannschaft, die Spieler brauchen sie jetzt. Unsere Fans sind ein enormer Rückhalt, unterstützen uns mit einfallsreichen Choreographien auf den Tribünen und sind stimmungsvoller als früher. Vor der Partie gegen Aue haben wir an drei hintereinander folgenden Tagen unseren Bestwert aus Bundesligazeiten beim Tageskarten-Verkauf im Fanshop übertroffen. Gegen Unterhaching haben wir am Spieltag 10.000 Karten an den Stadionkassen verkauft. Das gab es auch noch nie.

Gibt es noch andere Beispiele?
Gawlack:
Schon der erste Spieltag gegen Kickers Offenbach zeigte diese positive Tendenz. Da hatten wir gegen Offenbach, unseren nächsten Pokal-Gegner, 26.000 Zuschauer im Ostseestadion. Also genau so viele Menschen wie am 4. August 2001 zur Stadioneröffnung gegen Bayer Leverkusen. Nochmals, ich glaube, die Fans haben nach dem Abstieg der Mannschaft erkannt, was ihnen fehlt: die Bundesliga …

Spürt man das nur auf den billigen Plätzen?
Gawlack:
Nein, nein. Einstweilen haben wir in der 2. Liga drei Logen mehr verkauft als in der Bundesliga. Im Business-Club haben wir 10 Prozent mehr Karten abgesetzt …

Hansa hat die Saison mit einem Etat von 13 Millionen Euro kalkuliert. Haben Sie die Zahlen zu niedrig angesetzt?
Gawlack:
Im Gegenteil, wir haben schon ehrgeizige Ziele angestrebt. Unerwartete Ausgaben für Trainerwechsel oder neue Spieler haben auch zusätzliche Ausgabenpositionen geschaffen, die wir durch die positive wirtschaftliche Entwicklung nun schnell auffüllen müssen. Aber der Trainer wünscht sich in der 2. Halbserie vielleicht noch ein oder zwei Verstärkungen. Die wollen ja auch erwirtschaftet sein …

Hansa hat außer auf den Stehplätzen überall zu Saisonbeginn die Preise entsprechend der Infrastruktur in Mecklenburg-Vorpommern gesenkt. Insofern ist ja die wirtschaftliche Entwicklung im Spieljahr 2004/2005 schon erstaunlich …
Gawlack:
Natürlich wissen wir, dass in der Region 20 Prozent Arbeitslosigkeit herrscht, die Benzinpreise gestiegen sind usw. So haben wir zur Zeit tatsächlich sehr zuschauerfreundliche Preise. Im Klartext, nur in Burghausen kann man noch billiger 2. Liga schauen. Und vergessen Sie nicht: Unser Einzugsgebiet Mecklenburg-Vorpommern ist nur so groß wie das der Stadt Köln.

Trotzdem wird natürlich die Attraktivität eines Vereins vom Erfolg bestimmt?
Gawlack:
Natürlich! Unser Anspruch bleibt, auf Jahre den Profifußball in Mecklenburg-Vorpommern zu erhalten. Natürlich wollen wir auch in die Bundesliga zurück und wissen, wenn unsere Mannschaft konstant erfolgreich spielt, würde der Boom bei uns noch deutlicher erkennbar werden. Wir halten es da mit den Worten unseres Trainers Frank Pagelsdorf: Der hat ja gesagt, erst aus dem Keller, bis zum Jahresende ins Mittelfeld und danach oben angreifen …

Am 24. November ist Jahreshauptversammlung. Wo liegen da die Schwerpunkte?
Gawlack:
Wir werden eine selbstkritische, ehrliche Auswertung der vergangenen Saison vornehmen. Aber wir werden an diesem Tag unseren Mitgliedern auch ein neues Programm präsentieren.

Einer der erfreulichsten Aspekte des letzten Jahres war die erfolgreiche Jugendarbeit im Verein …
Gawlack:
Ganz klar. Die Amateure wurden Meister und Pokalsieger. Aus dieser Mannschaft haben mit Sebastian, Bülow, Pohl, Müller, Shapourzadeh und  Stein sechs Spieler den Weg zu den Profis gefunden. Die Junioren Clemens Lange und Zafer Yelen schafften dies kurz nach Saisonbeginn. Im Nachwuchsbereich haben wir neun Kandidaten für DFB-Jugendauswahlmannschaften. Die B-Junioren wurden deutscher Vizemeister, die A-Junioren Dritter der Bundesliga-Nordost. Auch jetzt bestimmen unsere Jugendteams das Niveau in ihren Ligen. Wir sind also dank der guten Arbeit von Bernd Ziemer und seinen Mitstreitern im Amateur-und Nachwuchsbereich für die Zukunft gerüstet.

Das Interesse am F.C. Hansa spürt man auch an der hauseigenen Homepage.
Gawlack:
Tatsächlich haben wir über drei Millionen Seitenzugriffe im Monat. Zum Vergleich: Damit liegen wir auch in diesem Bereich immer noch im Tabellenmittelfeld der 1. Bundesliga!


Wie ist die Tendenz bei der Vermarktung der Hansa-Fanartikel?
Gawlack:
Wir hatten uns auf einen Marktrückgang um 50 Prozent eingestellt. Aber tatsächlich haben wir bis jetzt nur einen Rückgang von 20 Prozent zu verzeichnen. Unser Ziel ist es, auch diesen Rückgang noch zu kompensieren. Unser Anspruch ist es, dass der Kunde, der Zuschauer König ist. Im Verkaufsbereich haben wir auch eine Retrojacke und zwei Retroshirts aufgelegt, die absolute Renner sind. Auch die beflockten Trikots von Marcel Schied und dem Brasilianer Gledson sind momentan sehr begehrt.

Werden Sie auch im Weihnachtsgechäft den Fans etwas auf die Gabentische legen?
Gawlack:
Im November erscheint zum 40. Jahrestag das Hansa-Jubiläumsbuch „Immer hart am Wind“ für 24,90 Euro. Es hat 240 Seiten und ist farbig. Außerdem gibt es unser gelbes Auswärtstrikot für nur 49 Euro als Sonder-Edition!

In der jüngsten Sonderausgabe der Sport-BILD kam der F.C. Hansa Rostock auch als sehr kundenfreundlich weg …
Gawlack:
Natürlich versuchen wir immer, kundenfreundlich zu sein. Im Vorjahr belegten wir in der Bundesliga Rang 1. In dieser Saison sind wir nach der Fan-Untersuchung auf Rang 3 der 2. Liga. Unser Koeffizient ist so gut wie Rang 3 von Borussia Dortmund in der Bundesliga. Wir liegen also in der Kundenfreundlichkeit gemeinsam auf Platz 5. Wir sind offensichtlich auf den Boom unserer Fans gut eingestellt, auch dank der tollen Anregungen aus unserer Fangemeinde.

Vielen Dank für dieses ausführliche Interview.

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