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21.12.2009 12:34 Uhr

René Rydlewicz: „2010 holen wir mehr Punkte“

Am 1. März 2009 übernahm René Rydlewicz in Rostock die Funktion des Managers. Jetzt ist der einstige Bundesliga-Spieler und Publikums-Liebling des F.C. Hansa Rostock fast zehn Monate im Amt. Nach dem dramatischen Klassenerhalt und der 1. Halbserie 2009/2010 bat Hansa-Online den Chef der Lizenzspieler-Abteilung zum Jahres-Abschluss-Interview.


Herr Rydlewicz, Sie haben vor 18 Monaten den Arbeitsplatz getauscht. Statt Fußball-Profi sind Sie nun Manager. Juckt es manchmal noch, gegen den Ball zu treten?

René Rydlewicz: Ja, dieses Gefühl lässt mich nicht los. Bei der Fahrt vom Hotel ins Stadion ist diese Spannung immer noch da. Da juckt es tatsächlich in den Füßen. Ich denke, dass dieses Gefühl nie nachlässt.

Was fällt Ihnen zum Jahr 2009 ein?

René Rydlewicz: Ich bin froh, dass wir alles in halbwegs vernünftige Bahnen lenken konnten.

Sie haben im Prinzip ein völlig neues Kompetenz- bzw. Funktionsteam im Umfeld der Mannschaft installiert. Wie hat es sich bewährt?

René Rydlewicz: Wir setzen auf Leute, die viele Erfahrung in der Bundesliga gesammelt haben. Diese Erfahrung von Juri Schlünz, Axel Schulz, Andreas Zachhuber, Thomas Finck, Marco Kostmann oder auch Axel Rietentiet hat sich als sehr produktiv erwiesen.

Mit Andreas Zachhuber als Trainer haben Sie aber wohl ein besonders gutes Los gezogen. Was schätzen Sie an ihm?

René Rydlewicz: Geradlinigkeit, Kompetenz, Erfolgshunger, Menschlichkeit und Bodenständigkeit sind die Dinge, die Andreas Zachhuber ausmachen. Den Lohn dafür erntete er mit dem abermaligen Klassenerhalt und man merkt immer mehr Struktur in der Mannschaft.

Gemeinsam haben Sie sich als Saisonziel einen Platz zwischen Rang acht und zwölf gesetzt. Viele empfanden das als zu tief gestapelt.

René Rydlewicz: Rang 13 und 22 Punkte entsprechen unserer Situation. Wir waren Realisten und die Realität hat uns bestätigt.

Haben Sie auch mit 22 Punkten gerechnet. Oder blieben Sie, was die Punktzahl anbelangt, unter den Erwartungen?

René Rydlewicz: Ich hatte schon mit einigen Punkten mehr gerechnet. Aber bei der Unerfahrenheit unserer Spieler, muss man auch immer wieder mit Rückschritten und Lehrgeld, das zu bezahlen ist, rechnen.

Wo hat die Mannschaft das gezeigt, was Sie von ihr erwarten?

René Rydlewicz: Unsere spielerischen Leistungen bewegen sich eigentlich seit dem Spiel gegen Augsburg in einem positiven Rahmen. Was fehlte, waren Punkte und Tore. Wir müssen uns noch mehr Chancen erarbeiten und effizienter vor dem Tor sein. Dies ist ein Manko momentan, was uns einen besseren Platz kostet. Aber zehn Punkte aus den vergangenen Spielen waren in Ordnung. Und ein Spiel wie gegen Greuther Fürth wünschte ich mir öfter.

Welche Wünsche blieben in dieser Halbserie für Sie offen?

René Rydlewicz: Wir haben einfach zu wenig getroffen. Aber das ist ein Manko der ganzen Mannschaft. Auch Verteidiger und Mittelfeldspieler sind hier aufgerufen, effektiver zu sein.

Was trauen Sie Ihrer Truppe in der Rückrunde zu?

René Rydlewicz: Mehr Punkte als in der Hinrunde, also mehr als 22 Zähler. Ich glaube, dass ist auch wiederum realistisch, denn noch einmal sollten wir nicht so viele Punkte liegen lassen.

Sie haben auf viele junge Spieler gesetzt. Wie lautet da Ihr Urteil?

René Rydlewicz: Was mit Tobias Jänicke, Kevin Pannewitz auch René Lange passiert ist, lässt mich hoffnungsfroh in die Zukunft schauen. Es ist das, was wir wollen: ausbilden, fordern, fördern und die jungen Spieler ins Profiteam integrieren. Mit den Jungs ist uns das gut gelungen.

Sie holten in der Sommerpause sieben neue Spieler. Sind Sie mit der Effektivität dieser Jungs zufrieden?

René Rydlewicz: Alexander Walke, Tim Sebastian oder Oliver Schröder haben komplett überzeugt, sind Leistungsträger ohne Wenn und Aber geworden. Das ist sehr positiv. Ich sage aber auch, mit Kevin Schlitte und Enrico Neitzel, die beide lange verletzt waren, oder dem leidenschaftlichen Marcel Schied haben wir keinen Fehler gemacht.

Mit Andreas Dahlén haben Sie den ersten Neuzugang verpflichtet. Ist das schon ein Vorgriff auf die neue Saison?

René Rydlewicz: Ja, mit diesem Schweden haben wir auf die Zukunft gesetzt, damit haben wir schon jetzt Konkurrenz für Bradley Carnell, Bastian Oczipka oder Mario Fillinger.

Besteht die Möglichkeit, noch andere neue Spieler zu holen?

René Rydlewicz: Momentan ist das kein Thema.

Was wird aus Spielern wie Wächter, Diego und Rathgeb, die den Verein ja verlassen könnten?

René Rydlewicz: An ihrem Status hat sich nichts geändert. Wir haben ihnen die Freigabe gegeben und sie können diese nutzen so wie das Henri Myntti getan hat.

Sie testen viele Spieler im Probetraining. Macht das Sinn?

René Rydlewicz: Es werden uns Tag für Tag Spieler angeboten. Wir vergeben uns nichts, wenn wir sie uns anschauen. Wir haben die Chance, auf diesem Weg uns ein ganz genaues Bild des Spielers zu machen. Bei Andreas Dahlén hat es zum Erfolg geführt. Wir werden diesen Weg weiter gehen.

Was muss sich im neuen Jahr verbessern?

René Rydlewicz: Wir müssen torgefährlicher und effizienter die Spiele bestreiten.

Macht Ihnen der 17. Platz der 2. Mannschaft Sorge?

René Rydlewicz: Natürlich mache ich mir Sorgen, dass wir eventuell das Saisonziel Klassenverbleib verpassen könnten. Aber dieser 17. Platz hat seine Ursachen. Wir haben bei den Profis viele Spieler eingebaut, die noch in der 4. Liga spielen könnten. Zudem haben einige Spieler durch die parallelen Ansetzungen der ersten und zweiten Mannschaft die Spielpraxis in der Regionalliga nicht nutzen können. Wenn Axel Rietentiet auf vier, fünf gute Leute verzichten muss, dann schwächt das natürlich die Mannschaft. Ohne konkret zu werden, kann ich aber sagen, wir tun da noch was, wir verstärken diese Mannschaft, wir wollen um den Klassenverbleib kämpfen. Diese Ausbildungsmannschaft ist uns schon wichtig und die Spiele gegen Wolfsburg und Oberneuland waren ein Schritt auf dem Weg zum Guten.

2014 wollen Sie einen Spieler mit Hansa-Hintergrund bei der WM sehen. Wer kommt aus Ihrer Sicht dafür in Frage?

René Rydlewicz: Aus meiner Sicht wird das einer schon 2010 schaffen – Toni Kroos. Das dürfte auf Spieler wie Tobias Jänicke oder René Lange, die in einer Mannschaft 2005 mit ihm standen und deutscher Vizemeister wurden, durchaus Ansporn sein.

Die Winterpause ist kurz. Was geben Sie den Spielern mit auf den Weg?

René Rydlewicz: Von den 14 freien Tagen haben die Jungs sieben Tage Urlaub und sieben Tage Hausaufgaben zu erledigen. Wir haben allen Spielern gesagt, dass es eine extrem kurze Pause ist. Ich hoffe, dies hat jeder mit in den Kurzurlaub genommen und jeder wird diszipliniert durch die Feiertage kommen.

Sie engagieren sich immer wieder für Projekte von gesundheitlich benachteiligten Menschen. Was ist Ihr Antrieb dafür?

René Rydlewicz: Die Gesundheit ist das höchste Gut des Menschen. Für mich sind solche Dinge deshalb das Normalste auf der Welt. So bin ich erzogen.

Wann geht es jetzt weiter?

René Rydlewicz: Am Montag den 4. Januar 2010 steigen wir wieder ins Training ein.

Sie haben Vertragsverlängerungen mit einigen Spielern in die Winterpause verlegt. Wann werden Sie Gespräche führen?

René Rydlewicz: Ja, gleich ab 4. Januar packe ich das Thema an.

Welche Testspiele sind geplant?

René Rydlewicz: Wir haben gerade das Heimspiel gegen den Bundesligsten 1. FC Köln am 9. Januar um 15 Uhr vereinbart. Ich freue mich als Manager total auf dieses Spiel. Denn mit diesem traditionsreichen Erstligisten holen wir Stars der WM wie Lukas Podolski, wie die Portugiesen Petit oder Maniche zu uns. Auch Leute, wie der einstige Hanseat Miso Brecko aus Slowenien oder Torjäger Novakovic sind natürlich Profis, die man gern mal live sieht. Wir werden also an diesem Tag tolle Bundesliga-Atmosphäre in der DKB-Arena haben und ich hoffe, viele Leute kommen, zumal die Eintrittspreise attraktiv sind. Ich denke auch, dies ist für Andreas Zachhuber eine gute Möglichkeit, die Mannschaft auf unser erstes Meisterschaftsspiel 2010 am 18. Januar gegen Arminia Bielefeld vorzubereiten.

Wann beginnt die Fußball-Saison 2010/2011 und wie überbrücken Sie in der Zeit der WM die dreieinhalb Monate ohne Meisterschaft?

René Rydlewicz: Die Planung ist noch nicht ganz abgeschlossen. Es geht am 3. Juli los. In jedem Fall werden wir die Zeit für zwei Trainingslager nutzen und wir werden unsere Fans an vielen Spielorten der Republik besuchen.

Wie verbringen Sie Weihnachten und Jahreswechsel?

René Rydlewicz: Vielleicht düse ich mal einige Tage in den Schnee.

Was wünschen Sie den Hansa-Fans?

René Rydlewicz: Glück und Gesundheit für alle Familien, viel Freude mit den Spielen des F.C. Hansa, Respekt vor dem Gegner und positive Schlagzeilen über unseren Verein.

Herr Rydlewicz, vielen Dank für das Gespräch.

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