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28.08.2007 13:33 Uhr

Rückkehrer Victor Agali im Hansa-Interview

Nach etwas mehr als sechs Jahren ist Victor Agali wieder dort angekommen, wo einst seine Profi-Karriere begann. Am kommenden Sonnabend gegen Borussia Dortmund gibt er sein Comeback im Trikot mit der Kogge. Nach den ersten Trainingseinheiten fühlt er sich bereits wieder wie zu Hause.

 

Frage: Hast Du nach so langer Zeit noch vieles wiedererkannt hier in Rostock?

Agali: So lange ist es ja noch gar nicht her, dass ich zum letzten Mal in Rostock war. Ich hatte ja immer Kontakt mit Herbert Maronn, wir haben häufiger miteinander telefoniert. Und so war ich im vergangenen Frühjahr ja auch einmal bei einem Heimspiel zu Gast im Stadion.

 

Frage: Du hast einen Vertrag nur für ein Jahr unterschrieben. Warum?

Agali: Das wollten eigentlich beide Seiten so. Es ging ja in erster Linie darum, dass wir uns schnell einigen. Und dann kann man während der Saison immer noch schauen, wie es weiter geht.

 

Frage: Bleiben Nasia und die gemeinsame Tochter Lea weiter in Nizza wohnen?

Agali: Ja. Unsere Tochter geht ja inzwischen zur Schule, lernt dort französisch und englisch. Weitere Sprachen und immer eine neue Umgebung wollten wir ihr nicht zumuten.

 

Frage: Heißt das, Du bleibst das ganze Jahr im Hotel wohnen?

Agali: Nein, ich beziehe demnächst eine eigene Wohnung. Und es ist ja natürlich auch nicht so, dass ich meine Familie die ganze Zeit nicht sehe. Wir werden uns, so oft es geht, besuchen. Schön wäre es, wenn es alle 14 Tage klappen könnte.

 

Frage: Warst du auch ohne Deine Familie in der Türkei?

Agali: Ja. Deshalb habe ich dort ja auch nach einem Jahr den Verein gewechselt. In Kayseri hatte ich sportlich eine sehr schöne Zeit, doch die Stadt war verkehrsmäßig sehr ungünstig gelegen. Deshalb bin ich dann ja nach Ankara gewechselt, von wo es direkte Flüge nach Hause gab. Doch dort lief es im Verein nicht so gut, zumal es dort finanzielle Probleme gab.

 

Frage: Hast Du es im Nachhinein einmal bereut, den F.C. Hansa damals verlassen zu haben?

Agali: Nein, bereut nicht. Ich wollte mich sportlich weiterentwickeln und das ist mir gelungen. Bei Schalke konnte ich immerhin international spielen.

 


Frage: Aber den Platz in der nigerianischen Nationalmannschaft hast Du dennoch verloren...

Agali: Ja, das war dann aber in jener Phase, als ich sehr lange verletzt war. In der Zwischenzeit hatte der Nationaltrainer auf andere Spieler gesetzt.

 

Frage: Im Sommer 2004 wurdest Du als Nachfolger von Martin Max gehandelt. Warum hat die Rückkehr zum F.C. Hansa seinerzeit noch nicht geklappt?

Agali: Ich war damals noch in der Reha, die ich erst einmal in Frankreich beenden musste. Dann wurde die Zeit knapp und mit Hansa hatte es zunächst nur lose Gespräche gegeben. Die Franzosen dagegen standen mit einem unterschriftsreifen Vertrag in der Klinik. Ja, so läuft es eben manchmal.

 

Frage: Welche Erinnerungen hast Du noch an Deine erste Zeit in Rostock?

Agali: Sehr, sehr viele. Aber eines der bleibensten Erinnerungen ist natürlich der letzte Spieltag im Mai 1999 in Bochum. Wir haben nach einem 1:2 Rückstand noch 3:2 gewonnen und ich habe das Tor zum 2:2 gemacht.

 

Frage: Dein erstes Spiel von Beginn an hast Du erst am 24.Spieltag in Bremen absolviert. Lag es am Trainerwechsel von Ewald Lienen zu Andreas Zachhuber?

Agali: Sicherlich auch. Aber ich hatte auch Verständnis dafür, dass Ewald Lienen zunächst auf die erfahrenen Stürmer gesetzt hat. Ich war schließlich erst 19 Jahre und beim F.C. Hansa spielten Neuville, Pamic, Majak und so weiter. Ich habe Geduld bewahrt und auf meine Chance gewartet.

 

Frage: Kannst Du Dich noch an Dein erste Bundesliga-Tor erinnern?

Agali: Natürlich, so was vergisst man nicht. Das war noch in der Hinrunde in Nürnberg, als ich erst kurz vor dem Ende eingewechselt wurde und noch den 2:2 Ausgleich gemacht habe.

 

Frage: Kommen wir zurück zur Gegenwart. Vor der Saison standest Du auf der Wunschliste von Carl Zeiss Jena. Stimmt das?

Agali: Ja, die wollten mich haben. Ich habe mich dann auch mit dem Trainer getroffen, den ich ja noch sehr gut kannte, weil er ja schon in Schalke mein Trainer war. Aber in die 2.Liga wollte ich nicht wechseln.

 

Frage: Hattest Du nach Deiner Rückkehr aus der Türkei keine anderen Angebote?

Agali: Doch, sogar sehr viele. Aber nach den schlechten Erfahrungen in der Türkei wollte ich nicht wieder irgendwohin gehen, wo man nicht weiß, was einem dort erwartet.

 

Frage: Und in Frankreich, zu Hause bei der Familie?

Agali: Da hatte ich sogar ein Angebot aus der 1.Liga, aber zu dem Verein wollte ich auch nicht.

 

Frage: Wann kam denn zuletzt der konkrete Kontakt mit dem F.C. Hansa zu Stande?

Agali: Das war genau zehn Tage, bevor ich den Vertrag unterschrieben habe. Und dann ging ja alles sehr schnell.

 

Frage: Hast Du Dich schon gut in die Mannschaft integrieren können und welchen Eindruck hast Du von ihr?

Agali: Auch das ging sehr schnell. Wir haben eine sehr junge Mannschaft mit viel Potential, das allerdings noch herausgekitzelt werden muss.

 

Frage: Siehst Du Dich mit Deinen 28 Jahren in der Rolle eines Führungsspielers?

Agali: Sicherlich habe ich schon viel mehr Erfahrungen sammeln können als die meisten meiner Mitspieler. Und die will ich natürlich auch vermitteln. Aber Führungsspieler sind natürlich in erster Linie Kapitän Stefan Beinlich oder langjährige Spieler wie Rene Rydlewicz.

 

Frage: Nach null Punkten aus drei Spielen erwartet der F.C. Hansa am Sonnabend Borussia Dortmund. Was dürfen die Fans dort erwarten?

Agali: Eine Mannschaft, die alles daran setzen wird, sich für die schwächeren Leistungen gegen Nürnberg und in Frankfurt zu rehabilitieren.

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