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01.08.2016 18:00 Uhr

RÜCKPASS: HANSA-GESCHICHTE(n): Lattenhorchers Motivationskünste

Hansas Auswahl-Ikone Gerd Kische macht sich vor 40 Jahren als Zweitligaspieler unentbehrlich für die DDR-Fußballnationalmannschaft, die in Montreal 1976 Olympiasieger wird.

Dass sich Gerd Kische mit Hansa in der Ligasaison 1975/76 an Gegnern wie Lok Bergen, Nord Torgelow oder Einheit Grevesmühlen abplagen muss, interessiert doch den Auswahltrainer nicht. Georg Buschner, der eloquente Sturkopf, nominiert unbekümmert den Rostocker an den aufgeregten Bedenkenträgern im Funktionärsfrack vorbei immer wieder. Kisches Auswahlkarriere fällt auch nicht den drei Ligasaisons (75/76, 77/78 und 79/80) zum Opfer. Der Grund leuchtet ein: Buschner braucht für Europas schnellste Hackengas-Geber im Fußball den besseren Antipoden. Also Kische. So auch bei Olympia 1976. Im entscheidenden Qualifikationsspiel zur Endrunde, am 7. April 1976 in Leipzig gegen den späteren Europameister CSSR, reicht ein 0:0. Auch Dank Kisches, der den gewitzten Linksaußen-Pfeil Zdenek Nehoda stumpf werden lässt.

Die DDR-Auswahl kurvt mit den anderen Olympioniken übern großen Teich nach Kanada. Das Turnier beginnt. Im Glutkessel des Versity-Stadions von Toronto müht sich die DDR zu einem gruseligen 0:0 gegen Brasilien und hat kurz darauf einen Termin zur phonetisch übersteuerten Agitation beim DTSB-Boss Manfred Ewald. Der schnaubt von Schande und Beleidigung. „Lasst diese Lattenhorcher nur quatschen“, lautet Buschners ruhige Replik an seine Schützlinge. Die sind auch im zweiten Spiel gegen Spanien (1:0) nicht viel besser drauf. Dann kommen ihnen die Franzosen mit ihrem Laisser- faire auf die Wiese. Prompt kriegen die Gallier (immerhin mit Platini, Fernandez und Battiston) die Bude voll. Ihr Nervenkostüm ist zerfleddert und wird mit zwei Platzverweisen des resoluten italienischen Referees Michelotti auch noch illustiert. Am Ende steht es 4:0 für die DDR und Frankreichs Außenstürmerhoffnung Amisse hat gegen Kische keinen Stich gemacht.

Nun aber! Halbfinale gegen den „großen Bruder“ UdSSR! Hochklassiger Fußball, den die DDR darbietet, den der Rivale nur in Spurenelementen zeigt, weil das renommierte Stürmer-Duo Onistschenko und vor allem Blochin kein Land sieht. Wo der Weltklassestürmer Oleg Blochin auch hin will – Gerd Kische ist schon da. Ein logischer Aspekt einer letztlich mit 2:1 triumphierenden DDR-Auswahl. „Schorsch“ Buschners Intimfeind Ewald will vor dem Finale noch ein paar markige Worte an die Kicker richten. Buschner lehnt das Ansinnen rigoros ab. Statt Dummschwätzerei braucht es der Analyse. Polen steht ante portas. Der WM-Dritte von 1974 ist der Favorit und WM-Torschützenkönig Lato (7 Treffer) der Star. Auf dem regendurchtränkten Rasen von Montreal heißt es am 31. Juli nach 14 Minuten schon 2:0 für die DDR. Schade und Hoffmann treffen. Die Polen drängen. Szarmach und Lato werden von Weise und Kische erst abgekocht, dann weichgespült. Latos Anschlusstreffer torpediert Dresdens Stilist Reinhard Häfner zum 3:1. Olympiasieg 1976 für die DDR-Elf – mit Gerd Kische als einen ihrer Aktivposten.

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