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31.10.2017 09:00 Uhr

RÜCKPASS: HANSA-GESCHICHTE(n): Von der Volkswerft ins San Siro!

Er gehörte zu jener legendären Hansa-Elf, die im November 1969 im Messe-Cup das weltberühmte Inter Mailand mit 2:1 bezwang. Heute feiert Helmut Schühler den 75. Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch!

Der feucht-fröhliche Saisonabschluss mit dem späten Intonieren magyarischer Liedkunst war dem neuen Trainer Dr. Horst Saß mindestens suspekt. Argwöhnisch blickte er auf seinen Gegenüber. Soff der Schühler vielleicht zu viel? Der sich gerade anschickte Ende der 1960er Jahre im Oberligakollektiv des F.C. Hansa Fuß zu fassen? Saß setzte künftig auf Askese bei Einsätzen des blonden Helmut. Anders, so Schühler, könne er sich nicht erklären, warum er, der zu Saisonbeginn 1967 nach Rostock gekommene Fußballer, zunächst als Gelegenheits-Kicker tingelte. Dabei war Schühler schon Mitte 20, arbeitete auf der Stralsunder Volkswerft und trug die Kapitänsbinde der BSG Motor Stralsund als ihn Hansa-Funktionäre nach Rostock lotsten. Gemeinsam mit Dieter Bartels und Günter Bräsel „quasi von der Arbeit geholt“, wie sich Helmut Schühler heute erinnert.

Erstes Spiel auf dem Stendaler „Hölzchen“ (3:2) am 12. August 1967, erstes Punktspieltor beim 1:1 in Halle am 27. März 1970. Dazwischen eine überschaubare Bilanz von 19 Einsätzen in drei Jahren, die sich erst verschönte, nachdem Kurt Zapf, der Trainer der Hansa-Zweiten, seinem Chefcoach die Dienste eines zweikampf- und laufstarken Spielers einflüsterte. Dr. Saß brachte Schühler im Herbst 1968 in die Mannschaft und dann auf den Rasen zurück. Messe-Cup! Europas Fußballwelt stand Kopf und die italienischen Gazetten implodierten förmlich in ihrer wuchtig-ätzenden Berichterstattung als Internazionale Mailand mit den berühmten Boninsegna und Mazzola an der Spitze im Ostseestadion 1:2 verloren. „Volksfeststimmung, ausverkauftes Haus, ein Sackritz-Siegtor wie ein Hieb – das vergisst man nie“, blickt Helmut Schühler auf jenen 12. November 1969 zurück. Dass Hansa zwei Wochen später in Mailand vor Dorfkulisse (3.000 Zuschauer) verlor, konnte das Erlebnis nicht tangieren: „Einmal im San Siro-Stadion zu spielen war großartig“, so Helmut Schühler.

176 Pflichtspiele für Hansa (und damit in den Top 60 aller Spieler!) zwischen 1967 und 1976. Ein Wanderer zwischen Mittelfeld und Abwehr und wieder zurück. Ein Hallenser Programmheft pries den damals 33-Jährigen als „ewiges Talent“. Zum Saisonauftakt 1976, als Hansa eine Tortur durch die DDR-Liga erfolgreich hinter sich brachte, wurde Helmut Schühler vor großer Kulisse und in stilvollem Rahmen von der aktiven Laufbahn verabschiedet. Danach nahm er als Trainer junge Talente unter seine Fittiche bis es ihn Anfang der 1990er-Jahre ins ostfriesische Aurich verschlug, wo er heute, immer noch kernig und fit, seinen Lebensmittelpunkt hat. Aber er sagt: „Einmal Hansa, immer Hansa!“

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