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19.07.2017 09:00 Uhr

RÜCKPASS: HANSA-GESCHICHTE(n): Ein Mann mit Torjäger-Navigation - Alles Gute Manfred „Manni“ Scharon

Seine Karriere beim F.C. Hansa endete noch ehe sie so richtig begann. Dabei war Manfred „Manni“ Scharon einer der Verheißungsvollsten aus dem Talente-Born des Vereins. Aber einmal Kicker, immer Fußballer. Heute wird er 65.

Ist denn das quasi mit Fakten untersetzt, dass da einer war der wusste, wo der Platzwart die Netze zwischen die Torpfosten knüpfte? Jawohl! Am 29. August 1971, zum Auftakt der DDR-Ligasaison, traf Scharon viermal beim 5:2 (nach 0:2-Rückstand!) der Hansa-Zweiten gegen Veritas Wittenberge. Ein knappes Jahr später, wieder zum Liga-Auftakt, schoss „Manni“ beim 8:1 in Waren drei Tore. Nicht zu vergessen die Zwischenrunde im FDGB-Pokal am 26. August 1972, als Hansas Zweite bei der Reserve der TSG Wismar ebenfalls mit 8:1 gewann und Scharon gleich sechsmal erfolgreich war…

Also die Torjäger-Navigation hatte Scharon schon immer besessen. Ur-Rostocker, Borwinianer, KTV, Straßenfußballer. Mit sechs Jahren begann er bei Einheit. Klein, trickreich, in seinem Jahrgang nicht aufzuhalten. Also dribbelte sich der „laufende Meter“ immer an den Älteren vorbei und stand prompt bei Empor unterm Okular. „Ich genoss die Hansa-Schule. Sie war sehr breit und gut aufgestellt“. Und der Manni-Jahrgang auch: „Mit Dietrich Kehl, Eckhard Märzke oder Bernd Jakubowski wurden wir dreimal DDR-Schülermeister“, erinnert sich Scharon.

Sein Debüt in der DDR-Oberliga (0:3 in Jena am 31. März 1973) taugt nicht zur Erinnerung. Aber bereits im folgenden Heimspiel gegen Magdeburg (2:2) traf „Manni“ das Tor. Doch um mehr als 19 Oberligaspiele (2 Treffer) zu bestreiten hätte Scharon zwei Leute verdrängen müssen: Erstens Achim Streich, den letztlich besten DDR-Torjäger auf Ewigkeit, und zweitens sich selbst. Seine Hinwendung zu einem gefestigten Leistungssportler mit allen Facetten besaß nur temporäre Züge. „Ich war eine faule Sau!“ Oder so.

Als die Hansa-Kogge 1975 in einer Art taumelnder Fassungslosigkeit in die Liga abdriftete, suchte man im Verein nach Bauernopfer und fand eins in Manfred Scharon. Das war zwar absurd, hatte aber Methode. Fürsorglich schürzten die Funktionäre schon die neue Bühne für „Mannis“ Übersteiger-Tricks („Den kann er noch im gesetzten Alter“, freute es vor ein paar Jahren Trainerlegende Heinz Werner): NVA-Ehrendienst, im gut durchgewirkten Trikot bei Vorwärts/Motor Teltow in der Bezirksliga Potsdam. „Ich hab da alles aufgemischt“, sinniert Scharon. In der Tat: 21 Treffer, Torschützenkönig!

Auch wenn Scharons Laufbahn bei Hansa eher unrühmlich zu Ende ging, so war er doch immer (zuerst bei Schifffahrt/Hafen, ab 1978 bei der TSG Bau, mit der er sogar um den Oberligaaufstieg spielte) im Rostocker Fußball präsent. Ein Kultkicker, der immer noch die Töppen schnürt. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag! 

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