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06.05.2008 08:50 Uhr

Schiedsrichterbetreuer Peter Riebe - 13 schöne und aufregende Jahre

FIFA-Präsident Sir Stanley Rous hat einmal gesagt: Der beste Schiedsrichter ist der, über den nach einem Spiel kein Wort verloren wird…“
Der Referee das Neutrum des Fußballs. Für die Bundesliga werden die Referees 48 Stunden vor einem Spieltag vom DFB für die Begegnungen der DFL angesetzt. In der Bundesliga sind das vier Unparteiische und ein Schiri-Beobachter bzw. Schiri-Manager, in der 2. Liga ist es ein Trio. Die Reisekosten und Honorare werden vom Verband bezahlt. Die Männer in schwarz, gelb, grün oder rot reisen einen Tag vor dem Anpfiff selbständig via Flug, Bahn oder Auto an. Am Spielort stellt jeder Verein für den Schiedsrichter und seine Assistenten einen Schiedsrichter-Betreuer. Der Mann, der die Unparteiischen in der Hansestadt Rostock alle kennt ist Peter Riebe (70).

Der Pensionär und Witwer ist seit 13 Jahren für den F.C. Hansa Rostock „Gastgeber“ und Ansprechpartner zwischen Veranstalter und Vereinen sowie dem Referee-Kollektiv. In einem Gästebuch hat Peter Riebe fein säuberlich jeden Besuch registriert. Datum, Spielpaarung, Besonderheiten. Nicht ohne stolz sagt der Vater eines Kfz-Meister: „Ich habe als Schiedsrichterbetreuer seit meinem ersten Spiel im Jahre 1995 kein einziges Heimspiel des F.C. Hansa in dieser Funktion verpasst. Sogar unsere Spiele gegen Frankfurt und Düsseldorf habe ich die Referees bei den Ausweich-Ansetzungen in Berlin betreut!“

Am 33. Spieltag wird Riebe zum Spiel F.C. Hansa gegen Bayer Leverkusen Abschied als Schiedsrichter-Betreuer nehmen. So war es geplant, so wird’s gemacht. Dann wird Peter dahin zurückkehren wo alles mal angefangen hat. Auf einem Platz im Stadion. Als Anhänger des F.C. Hansa. Der Mann, der 13 Jahre loyal die Arbeit als Schiedsrichter-Betreuer für Hansa übernommen hat, wird dann wieder Fan sein können. In seiner Funktion jetzt ist er mehr oder weniger im diplomatischen Fußballdienst.

Der gebürtige Rostocker Peter Riebe gehört zu jener Generation Menschen, die nach dem 2. Weltkrieg in den fünfziger Jahren das damalige Ostseestadion zwischen 1953 und 1956 gebaut haben. „Mit der Schippe in der Hand sind wir in die Kopernikusstraße marschiert und haben den Wall für die Welle geschaffen. Für ein Paar NAW-Marken. Einige glückliche bekamen am Ende eine Schiffsreise spendiert. Ich war nicht dabei.“
Peter Riebe war damals auch kein Fußballer. Er spielte Handball, stand im Tor. Riebe lernte damals den Beruf eines Fach-Drogisten und sattelte mit 30 Jahren in die Gastronomie um. Mancher kennt ihn vielleicht noch aus der Zeit des Grand-Hotel Graal-Müritz. Dort war der einstige Hansa-Sponsor Henning Seitz Direktor, er Wirtschaftsleiter.

„Als die politische Wende vollzogen war und Hansa sich als NOFV-Meister- und Pokalsieger für die Bundesliga qualifiziert hatte, haben wir uns bei Präsident Robert Pischke um die Bewirtschaftung des VIP-Raumes im Stadion beworben. So kam ich zu Hansa, so war meine zweite Begegnung mit dem Ostseestadion.“
Als Riebe 1995 in den Ruhestand ging, fragte Hansa-Geschäftsführer Dr. Helmut Hergesell bei dem Gastronomen an, ob er sich  vorstellen könnte, zukünftig an den Heimspielen die Schiedsrichter zu betreuen. Peter konnte, Peter tat es. Peter war 13 Jahre nicht wegzudenken.
Anfangs, so erinnert sich der Pensionär heute, übernahmen wir für die Referees noch den gesamten Ablauf des ca. 48-h-Aufenthalts. Seit drei Jahren beschränkt sich Peters Arbeit auf den Transfer der Unparteiischen bzw. auf die operative Hilfe für die Jungs mit der Pfeife und der Fahne. Penibel wird auf Unabhängigkeit geachtet!

Peter Riebe betreute am 3. März 1995 erstmals die Referees in Rostock. Es war die Partie F.C. Hansa - FSV Mainz 05 (1:0). Schiedsrichter war Bernd Domurat. Erinnerungen an diesen Tag sind schwach.
Genauer weiß er dies: Am 23. September 1995 war Jansen zum Spiel Hansa gegen St. Pauli Gast im Stadion - Jansen zeigte trotz einiger fieser Nebelkerzen einiger Unverbesserlicher großen Durchblick und brachte das Spiel, in dem St.-Pauli-Keeper Thomforde „Augenschmerzen“ bekam, nach sechs Minuten Pause ordentlich zu Ende…
Kurios war auch dieses Spiel: Am 2. Dezember 1995 erlitt Georg Dardenne im Spiel Hansa gegen den 1. FC Kaiserslautern (3:0) einen Muskelfaserriss in der 2. Halbzeit. Linienrichter Josef Funken musste die Leitung übernehmen, der Taxifahrer Helmut Hübner aus Güstrow wurde von der Tribüne an die Linie beordert. Er hatte einen Schiedsrichterausweis.
Ungewöhnlich war auch diese Episode für Peter Riebe. Am 3.3. 2001 war Dr. Markus Merk für das Spiel Hansa gegen den FC Bayern angesetzt. Auf wem Weg von Frankfurt nach Berlin ging Merks Sporttasche verloren. Riebe und Hansa-Zeugwart suchten Ersatz für Hemd, Hose, Stutzen. Wieder einmal half Hübner – mit seinem Trikot.
Peter dazu: „Eine Stunde vor dem Anpfiff hatte Merk seine Sachen wieder. Unsere Mühe war umsonst. Aber wir waren für alle Eventualitäten gerüstet!“

Auch den Schuhbruch eines Schiedsrichterassistenten überspielte Riebe mit Thiem einmal.
Zwischen dem 27. Oktober 1995 und dem 10. November 2007 betreute Riebe mittlerweile einer der besten deutschen Schiedsrichter Markus Merk zehn Mal. FIFA-Schiedsrichter Hellmut Krug aus Gelsenkirchen betreute Riebe sogar 13mal. Unseren EM-Schiedsrichter Herbert Fandel begrüßte Priebe bis heute ebenfalls zehn Mal.

Das eiserne Prinzip  zwischen Betreuer und Referee: „Über Fußball wird vor dem Spiel nicht gesprochen. Es sei denn, der Schiedsrichter beginnt ein solches Gespräch…“
Gleichwohl fragt Peter Riebe schon, ob sich die Unparteiischen vor oder nach dem Match in der Stadt umschauen möchten, Hilfe benötigen oder Wünsche für Vermittlungen wie Restaurant-Bestellungen haben. Er gesteht, früher war der Umgang mit den Jungs noch lockerer, da bildeten sich mit den älteren Unparteiischen durch die Jahre der Zusammenarbeit auch Freundschaften. Spätestens nach Robert Hoyzer ist das seit drei Jahren anders, kühler, distanzierter.

Früher so erinnert sich Riebe auch, habe er den Leuten einen kleinen und einen großen Stadtbummel durch Rostock und Warnemünde angeboten. „Als Botschafter der Stadt Rostock konnte ich gerade nach der Wende so manchem Kollegen interessantes aus unserer Region erzählen. Leute wie Alfons Berg waren da dankbar, konnten nicht glauben, dass zum Beispiel in der Nikolai-Kirche Wohnungen gebaut wurden…“
Überhaupt, mit Unparteiischen der älteren Generation wie Merk, Fandel, Dr. Fleischer, auch Meyer und Kinhöfer, Dr. Brych und Gagelmann hat sich Riebe stets kollegial und problemlos verstanden.
Leute wie Heynemann, Gabor, Krug oder Strampe hat er erst als Schiedsrichter und nun als Referee-Manager erlebt. Auch ohne Probleme.
Mit dem Abstieg des F.C. Hansa in die 2. Liga lernte der Schiedsrichterbetreuer schließlich auch die junge Generation von DFB-Schiedsrichtern kennen.
Das absolute Tabu: Riebe redet nie über die Leistungen der Leute die er betreut. Eine Meinung hat er freilich schon. Das zweite Tabu: In der Vorbereitung und nach Spielschluss endet sein Job vor der Tür der Referees. Auch gemeinsame Essen mit den Unparteischen sind eher selten.
So schlecht kann Peter Riebe Arbeit in 13 Jahren nicht gewesen sein, denn selbst bei den Länderspielen der deutschen Mannschaft gegen die USA und Georgien war der Rostocker Co-Assistent von DFB-Mann Peter Gabor und den Kollektiven aus Österreich und England.

Auch zum heutigen Bundesliga-Spiel geht Peter Riebe gelassen an seinen Job. Zwei Stunden vor am Anstoß holt er sein Kollektiv mit einem Mercedes-Bus Vito oder einem Mercedes der neuen R-Klasse, welcher von der Mercedes Benz Niederlassung Rostock, einem langjährigen Partner des F.C. Hansa Rostock, gestellt wird, vom SAS-Hotel in der Lange Straße ab. 90 Minuten vor dem Anpfiff fährt er mit dem supermodernen, geräumigen Kleinbus mit dem großen Stern  in die DKB-Arena ein. Noch ein Mal. Dann ist Schluss. Dann ist er nur noch Hansa-Fan.
Aber eines ist sicher. Die Schiris werden ihn nicht vergessen. Mehr als 100 Ansichtskarten bekam er in all den Jahren schon von ihnen von internationalen Spielen. In Zukunft werden es sicherlich noch mehr…

 

 

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