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07.11.2006 14:48 Uhr

S&S machen die Abwehr stark

Tim Sebastian und Marc Stein – zwei Namen, zwei Profis, zwei Hoffnungen des F.C. Hansa Rostock. S&S – die Generation 2006 an der Ostsee. Zwei Fußballer, die in der Krise zwischen Bundesliga und 2. Liga als junge Talente in den Kader der Profi-Mannschaft wuchsen. Zwei Jungs aus Sachsen bzw. Berlin-Brandenburg, die als „junge Kerle“ vom Verein frühzeitig gescoutet wurden und mittlerweile unter Cheftrainer Frank Pagelsdorf zu Stammspielern heranwuchsen. Sebastian und Stein, zwei Abwehrspieler, die für den neuen F.C. Hansa, für die neue Generation von Hansa-Profis stehen, zwei Spieler, die unbekümmert, engagiert und leidenschaftlich den Kampf um die Stammplätze aufnahmen, den Konkurrenzkampf bestanden und mittlerweile aus dem Zweitliga-Team kaum noch wegzudenken sind. Wir haben uns mit den  beiden Verteidigern Tim Sebastian und Marc Stein, die maßgeblichen Anteil an der imponierenden Leistung der Mannschaft im ersten Drittel der Saison hatten, in den Katakomben des Ostseestadions zum Doppelinterview für die Kogge getroffen. Hier das Protokoll des Kreuzverhörs.


Was bedeutet euch der F.C. Hansa?

Tim Sebastian: Eine Menge. Immerhin habe ich in diesem Verein die letzten sieben Jahre verbracht. Das ist ein Stück meines Lebens. Es war eine Zeit der kontinuierlichen Vorwärtsentwicklung. Ich habe in der B-Jugend angefangen und bin jetzt Profi.
Marc Stein: Ich habe innerhalb der letzten drei Jahre den Weg vom Jugendfußballer zum Profi geschafft. Das ist der Traum vieler Jungs…

 

Wie beurteilt ihr die Jugendarbeit des Vereins?

Tim Sebastian: Die ist höchst professionell. Ich hatte ja das Glück, als einer der ersten jungen Spieler die Vorzüge des neuen Internats zu genießen und die Vorteile der Synergie von Sport und Schule mitzunehmen. Außerdem hatten und haben wir als junge Spieler immer gute Trainer gehabt, die uns einiges mit auf den Weg gaben. Zudem ist die Infrastruktur ist bei uns wirklich absolut bundesligareif. Wie gut diese Jugendarbeit ist, kann man heute an den vielen jungen Spielern im Profiteam sehen.
Marc Stein: Ich habe in Berlin in meiner Altersklasse oft gegen Hansa gespielt und die waren immer oben dran. In unserer Mannschaft stehen von denen heute sechs oder sieben in der Profi-Elf. Dies sagt schon alles, was die Qualität anbelangt.

 

Habt ihr früher mal in Hansa-Bettwäsche geschlafen?

Tim Sebastian: Ja, nur die Wechselwäsche war von Bayern München…
Marc Stein: Ich hatte immer neutrale Bettwäsche…

 

Welche Hansa-Spieler imponierten euch?

Tim Sebastian: Meine Idole waren damals Paule Beinlich, Marko Rehmer, Sergej Barbarez, Oliver Neuville, Igor Pamic und Jonathan Akpoborie.
Marc Stein: Als Berliner hat mir immer Paule Beinlich imponiert.

 

Von wem habt ihr an der Küste am meisten gelernt?

Tim Sebastian: Man „stiehlt“ viel mit den Augen bei den älteren Spielern. Zum Beispiel der Finne Jari Litmanen vor zwei Jahren war ein Weltstar, der sich erstaunlich viel um uns jüngere Spieler gekümmert hat. Auch heute sind die erfahrenen Spieler für uns da. Die sind dann auch mal laut, wenn es nicht läuft, oder „streicheln“ einen, wenn mal was schief ging. Es ist schon eine familiäre Stimmung bei uns im Team.
Marc Stein: Du lernst nie nur von einem, du schaust auf alle in der Mannschaft. Am Anfang waren es Rydle oder Hardy (Hartmann (d.R.) und Schobi, jetzt kamen Paule Beinlich und Enrico Kern dazu.

 

Welchen Anteil hat Trainer Frank Pagelsdorf an eurer persönlichen Entwicklung und der des Vereins?

Tim Sebastian: Der Trainer steht komplett für dieses neue Team. Es ist seine Mannschaft. Es sind seine Spieler. Da ist was zusammengewachsen. Frank Pagelsdorf ist fordernd und geduldig, mal laut, mal leise. Aber er fördert immer und hat als Verfechter für die Jugend ein Herz für junge Spieler, die kontinuierlich Leistung anbieten.
Marc Stein: Unter Jörg Berger habe ich mal bei den Profis reingerochen. Bei Frank Pagelsdorf bin ich Stammspieler geworden. Dazwischen hat mich Frank Pagelsdorf erst einmal für die Profis aufgebaut, oft mit mir gesprochen. Das war unheimlich hilfreich. Er zeigt mir auch jetzt immer noch, was mir fehlt oder wo ich mich verbessern muss.  Ich bin ja auch ein Typ, der selbst immer vorwärts will, nie so richtig zufrieden ist.

 

Ist Hansa der ideale Ausbildungsverein?

Tim Sebastian: Ja, weil in Rostock durch den Abstieg aus der Bundesliga ein Neuaufbau notwendig wurde, der auch Neuaufbau neue Strukturen in der Mannschaft hervorgebracht hat. Marc Stein: Für mich war es ideal. Meine Alternative wäre Jena gewesen. Aber ich bereue nichts, habe alles richtig gemacht. Und ich bin mit meiner Entwicklung längst nicht am Ende.

 

War der Abstieg nach zehn  Jahren Bundesliga euer Glück?

Tim Sebastian: Ein Abstieg ist nie ein Glück. Ich habe noch die sieben letzten Bundesliga-Spiele mitgemacht. Ich hätte auch gerne weiter in der obersten Fußball-Klasse gespielt. Aber durch den Neuaufbau nach dem Abstieg kamen viele junge Spieler aus den eigenen Reihen in die Mannschaft. In der Bundesliga hätte es so einen groben Schnitt damals sicherlich nicht gegeben.
Marc Stein: Fraglos hätten in der Bundesliga nicht so viele junge Spieler von den Amateuren den Weg wie in der 2. Liga geschafft.

 

Wir beurteilt ihr die „deutsche Welle“ im deutschen Fußball?

Tim Sebastian: Das Tief der EURO 2004, der Wechsel auf Klinsmann, die WM 2006 waren für uns junge Spieler ganz sicherlich wichtige Meilensteine für die Entwicklung. Es ist tatsächlich ein sehr fruchtbares Klima entstanden. Ich sehe am „Rostocker Weg“ bei uns auch den Bonus junger Spieler. Du hast im eigenen Umfeld mehr Chancen, aufzusteigen, dich zu profilieren. Ich hätte damals ja auch nach Berlin gehen können. Aber das Umfeld in Rostock war ideal. Training und Schule, ab 3. Stunde Unterricht, am Nachmittag wieder Training. Das war das gute alte KJS-System, das heute viele übernommen oder neu entdeckt haben.
Marc Stein: Jungs wie Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger haben unter Klinsmann sicherlich  für eine positive Entwicklung gesorgt. Das hat alle Vereine auch angestachelt. Aber das muss ein Anfang sein. Jetzt muss es in allen Ligen, bei allen Teams so positiv in der Entwicklung weitergehen.

 

Welche Ziele habt ihr persönlich?

Tim Sebastian: Ich möchte aufsteigen, einen Stammplatz in der Bundesliga haben. Alles andere sollte man später bereden. Ich sehe meine Karriere, mein Leistungsvermögen selbstkritisch, ich stehe immer noch am Anfang und habe eigentlich alles noch vor mir.
Marc Stein: Ich will aufsteigen und ich will Hansa zurückgeben, was mir der Verein in den letzten drei Jahren an Möglichkeiten geboten hat. Im Moment läuft es wunderbar. Aber zufrieden bin ich noch lange nicht.

 

Träumt ihr schon vom Aufstieg?

Tim Sebastian: Jeder träumt vom Aufstieg. Träumen darf man ja auch. Aber so einen Aufstieg muss man sich schon erarbeiten.
Marc Stein: Ja, sicher. Aber vom Traum zur Wirklichkeit ist es ein langer Weg…

 

Sind deutsche Nachwuchsspieler heute wirklich Wohlstands-Jünglinge?

Tim Sebastian: Das sehe ich nicht so. Natürlich gehe ich mit offenen Augen durch unser Land, natürlich kenne ich die Arbeitslosenzahlen. Aber auch wir junge Spieler müssen uns alles hart erarbeiten. Doch wir haben natürlich schon einen Vorteil, denn wir konnten aus unserem

Hobby einen nicht schlecht bezahlten Beruf machen. Wer kann das heute schon von sich sagen?
Marc Stein: Man sieht oft nur den Spaß und das Geld. Das ist falsch. Ein Leistungssportler, der erfolgreich sein will, muss sich auch viel schinden und Opfer bringen, Entbehrungen auf sich nehmen. Da geht auch ein Stück Jugend verloren. Dies sollten solche Kritiker nicht vergessen.

 

Wer sind für euch die größten Aufstiegskandidaten?

Tim Sebastian: Es sind immer noch die, die es auch vor der Saison waren: Köln, Duisburg, Karlsruhe, Kaiserslautern. Auch Freiburg ist nicht so abgeschlagen. Fürth ist auch noch so ein Geheimtipp.
Marc Stein: MSV Duisburg, Hansa, Köln, KSC, Lautern, Freiburg. Und irgendwo her kommt noch ein Überraschungskandidat, mit dem im Moment noch keiner rechnet…

 

Wo seht ihr die größten Verbesserungen innerhalb der Mannschaft zum letzten Jahr?

Tim Sebastian: Wir sind als Mannschaft heute kompakter, stabiler, stehen in der Abwehr besser und haben uns spielerisch weiterentwickelt. Wir spielen nach vorne ahnsehnlichen Fußball, schlagen weniger lange Bälle. Unsere Konstanz ist unter Frank Pagelsdorf größer. Wir sind eine junge Mannschaft, die freilich – und da schließe ich mich ein – noch Schwankungen unterworfen ist. Aber das gleichen wir mit Team- und Kampfgeist schon ganz gut aus.
Marc Stein: Wir haben uns deutlich als Team verbessert. Jeder ackert, jeder hilft…

 

Wie seid ihr mit eurer eigenen Entwicklung innerhalb des Vereins zufrieden?

Tim Sebastian: Also ich weiß schon, was ich kann und was ich erreichen möchte. Aber ich bin ein Typ, der sich ständig auch hinterfragt, ob es nicht noch besser geht. Ich bin auf einem guten Weg und möchte mich trotzdem noch mehr in die Mannschaft einbringen.
Marc Stein: Ich fühle mich auch schon auf einem guten Weg. Aber meine Leistungen schwanken noch zu oft.

 

Ist die Jugend heute generell zu schnell zufrieden?

Tim Sebastian: Diesen Schuh ziehe ich mir nicht an. Wer was Tolles erreichen will, der muss dafür hart arbeiten. Selbstzufriedenheit ist der Tod der Leistungsentwicklung.
Marc Stein: Es mag Leute geben, die schnell zufrieden sind. Ich bin es nicht. Ich habe immer hohe Ziele, will lernen, mich weiterentwickeln, auch weiterbilden. Auf dem Feld und im Privatleben.

 

Danke für das interessante Gespräch.

 

 

 

 

 

 

 

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