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29.05.2007 08:31 Uhr

Stefan Beinlich: Das war die härteste Saison meines Lebens

Während Djordjije Cetkovic in wenigen Tagen vor seinem ersten Länderspiel in Montenegro steht und Kai Bülow bzw. Zafer Yelen für Deutschland und die Türkei noch U-21-Auswahlspiele bestreiten, haben sich die anderen Hansa-Helden nach dem Aufstieg in die Beletage des deutschen Fußballs bis zum 1. Juli 2007 (Trainingsbeginn Sonntag 15 Uhr) in den wohlverdienten Sommer-Urlaub verabschiedet. Am letzten Arbeitstag trafen wir uns mit Hansa-Mannschafts-Kapitän Stefan Beinlich zum Saison-Abschluss-Interview.

 

Herr Beinlich, wann waren Sie sicher, der F.C. Hansa würde den Aufstieg in die Bundesliga schaffen?

Stefan Beinlich: Am letzten Spieltag, als Christian Rahn das 3:1 gegen Unterhaching gemacht hat.

 

Damit ist Ihre Prognose eingetroffen…

Stefan Beinlich: Richtig, ich hatte am vierten Spieltag gesagt, Hansa steigt spätestens am 34. Spieltag auf.

 

Damit wiederum haben Sie ja auch Ihr persönliches Saisonziel erreicht…

Stefan Beinlich: Richtig. Ich kam vom HSV, um mit Hansa aufzusteigen. Ich habe nie gezweifelt, dass wir es schaffen würden.

 

Was gab Ihnen den Mut, eine solche positive Prognose aufzustellen?

Stefan Beinlich: Ich habe schnell den Charakter und das Potenzial der Mannschaft erkannt. Und ich hatte viele Parallelen zu 1995 gesehen, die mir diesen Optimismus vermittelt haben.

 

Sie hatten zu Saisonbeginn ja auch Ihren drei Kindern versprochen, wenn Hansa aufsteigt, mit ihnen auf dem Rasen Party im Ostseestadion zu feiern…

Stefan Beinlich: Und genau das haben wir getan. Ich habe mein Versprechen am letzten Spieltag eingehalten und die drei Mädels hatten viel Freude.

 

Die Truppe war in der ersten Halbserie im Profifußball als einzige Mannschaft ungeschlagen. Warum lief es danach nicht so weiter?

Stefan Beinlich: Mir war immer klar, so optimal kann es über eine ganze Saison nicht weiter laufen. Ich hatte die Hänger eingeplant – wir haben sie am Ende überspielt. Ich habe auch nie gesagt oder geglaubt, Hansa steigt schon sechs Spieltage vor Saisonende auf. So vermessen war auch gar keiner von uns. Ein Aufstieg ist eine komplexe Geschichte.

 

Welche Rolle spielt diese Saison für Sie persönlich?

Stefan Beinlich: Es war die größte Herausforderung meines Lebens. Es war das härteste Jahr als Profi für mich. Ich kam nach zwei nicht ganz unkomplizierten Schambein-Operationen bei Dr. Krüger in Berlin an die Küste. Ich musste wieder in den Spiel-Rhythmus finden. Ich musste mich manchmal richtig quälen. Aber alle Mühe ist belohnt worden.

 

Sie sind schon einmal vor zwölf Jahren mit Frank Pagelsdorf aufgestiegen. Welcher Aufstieg war bewegender?

Stefan Beinlich: Bewegt haben mich beide. Jetzt fand ich die Party im Stadion mit fast 30000 Menschen und die Fete mit den 10 000 Fans auf dem Markt noch etwas emotionaler.

 

Hat sich Frank Pagelsdorf seit damals verändert?

Stefan Beinlich: Nein, er hat sich nicht groß verändert. Er hat seine Art, er ist in fast jeder Lage sehr ruhig und besonnen und er macht ein sehr abwechslungsreiches Training.

 

Wie ist Ihr persönliches Verhältnis als Kapitän zum Trainer?

Stefan Beinlich: Wir haben über Jahre wirklich ein offenes, vertrauensvolles und ehrliches Verhältnis, wir akzeptieren und respektieren uns. Und: Er hat großen Anteil am Aufstieg.

 

Auffällig war nach dem Aufstieg, dass Sie auf kaum einem Bild in der Kabine zu sehen waren…

Stefan Beinlich: Richtig: Gefeiert habe ich vor zwölf Jahren, diesmal habe ich alles mehr in Stille genossen. Abseits, beim Zeugwart in der Kammer. Mit zwei, drei Kollegen. Insgesamt gehört dieser Aufstieg für mich aber in eine Kategorie mit meinen Länderspielen, dem ersten Aufstieg und einigen Champions-League-Spielen. Man sagt ansonsten ja: Meine Titel sind die Aufstiege. Das ist wohl richtig.

 

Was war für Sie die emotionalste Minute der Saison?

Stefan Beinlich: Sie dauerte eigentlich 13 Minuten. Es war die Zeit vom 1:4 bis zum 4:4 in Karlsruhe. So was hatte ich noch nie miterlebt.

 

Wo verbringen Sie jetzt Ihren Urlaub?

Stefan Beinlich: Ich will mit meiner Frau und den drei Kindern mal richtig Rostock, die Umgebung und die Ostsee kennen lernen.

 

Danke für das Gespräch und schönen Urlaub!

 

 

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