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05.05.2006 11:03 Uhr

Stefan Beinlich "Ich komme für den Aufstieg!"

Der F.C. Hansa und die Mittdreißiger! Der Rostocker Lizenzchef Herbert Maronn holte einst Martin Max vom TSV 1860 München. Hansa wurde Neunter und Max Torschützenkönig. Ein Jahr später zauberte Maronn den Weltstar Jari Litmanen, der bei Ajax Amsterdam trainierte, aus dem Hut. Die Mannschaft bekam im Abstiegskampf neues Profil.

Jetzt der dritte Hammer des Managers: Hansa engagierte für zwei Jahre Stefan Beinlich (34) vom Hamburger SV. Das Ziel von Beinlich: „Ich komme, um mit Hansa aufzusteigen.“ Für Hansa-Online gab „Paule“ ein Exklusiv-Interview zu diesem Wechsel.

Hansa-Online: Stefan, man trifft sich im Leben offensichtlich wirklich immer zweimal. Wie 1994 kommen Sie nun ab 1. Juli 2006 noch einmal zum F.C. Hansa zurück…

Beinlich: Ja, und ich freue mich riesig auf diese zwei Jahre.

Hansa-Online: Aufstieg in die Bundesliga, ist das momentan für Hansa nicht ein hoher Anspruch?

Beinlich: Ich weiß, die Mannschaft wird in der Saison 2006/2007 sehr jung sein. Wenn du eine junge Mannschaft hast, fehlt es oft an Konstanz. Aber die wollen wir ja reinbringen und ich will dabei helfen. Ich werde meinen  Anteil bringen.

Hansa-Online: Was macht Sie so sicher?

Beinlich: Ich erinnere mich an die  Zeit von damals. Auch da hatten wir eine junge Truppe, mindestens zehn neue, relativ unbekannte Leute. Und wir haben es auch gepackt. Dies muss man den jungen Spielern vor Augen halten. Die Köpfe müssen aus den Schultern, die Brust muss raus. Schritt für Schritt müssen wir Erfolgserlebnisse sammeln.

Hansa-Online: Wann haben Sie sich denn das erste Mal mit einem Wechsel nach Rostock beschäftigt?

Beinlich: Ich habe mich immer wieder mal mit einem Wechsel nach Rostock beschäftigt. Der Verein war doch seit meiner Jugendzeit als Profi immer etwas Besonderes. Es stand für meine Familie und mich nur die Frage, Hansa oder Ausland.

Hansa-Online: Sie haben sich dann gegen den Schweizer Erstligisten FC Luzern und die amerikanische Profiliga entschieden. Warum?

Beinlich: Das hat was mit der Nähe zum F.C. Hansa zu tun. Ich habe meine Freunde in Rostock nicht aus den Augen verloren und sie stets besucht. Mannschaftsarzt Dr. Frank Bartel wurde zu einem  wirklichen Freund, meine Schuheinlagen lasse ich in Rostock seit Jahren von der Firma Paul Rothe machen, mit Manager Herbert Maronn, meinen ehemaligen Mitspielern Perry Bräutigam, Timo Lange, Heiko März und Hilmar Weilandt bin ich bis heute eng verbunden, auch mit Zeugwart Andreas Thiem. Und: Frank Pagelsdorf ist hier wie einst wieder Trainer. Es ist doch so, als komme ich nach Hause.

Hansa-Online: Apropos zu Hause. In Berlin haben Sie seit Hertha-Zeiten Ihr Haus?

Beinlich: Das ist zwar richtig. Aber ich ziehe mit meiner Familie, mit meiner Frau Katrin, den Zwillingen Nancy und Noira (9) und unserer Kira (4) auf jeden Fall an die Ostsee. Ich bin kein Legionär. Ich brauche als Profi und Mensch meine Familie um mich. Das ist sehr wichtig für ein gutes Lebensgefühl.

Hansa-Online: Wie wichtig war denn die Tatsache, dass Frank Pagelsdorf jetzt Trainer in Rostock ist?

Beinlich: Pagelsdorf steht für mich als Symbol des ersten Aufstiegs in die Bundesliga. Als er aus Berlin kam, war Hansa wohl nur Elfter in der 2. Liga. Wir alle waren blutjung und eine Mannschaft, die so zehn neue Spieler hatte. Und was macht der Trainer: Er sagt, Jungs, unser Ziel ist der Aufstieg in die Bundesliga. Und dann verlieren wir 0:1 gegen Mannheim. Und was macht Pagel? Der sagt zu uns: Jungs, ich korrigiere das Ziel: Wir wollen nicht aufsteigen, wir wollen Erster werden und aufsteigen. Wir haben uns dann völlig ungläubig angeschaut und sind um unser Leben gerannt. Ein Glück war auch: Wir hatten unter Pagelsdorf kaum Verletzungen. Jeder hat Gas gegeben, alles aus sich herausgeholt. Natürlich wollten wir aufsteigen. Aber man musste das alles erst einmal auch im Kopf aufnehmen. Wir waren untereinander Konkurrenten, aber wir waren auch eine Mannschaft mit einem hohen Teamgeist. Wir haben auch außerhalb des Platzes viel gemacht. Was will ich sagen: Der Trainer Frank Pagelsdorf kann eine Mannschaft großartig motivieren. Ich hoffe, diese Geschichte wiederholt sich noch einmal. Zumal der Trainer technisch-taktisch auch große Stärken hat.

Hansa-Online: Haben Sie als 34-Jähriger nicht Angst, in der umkämpften 2. Liga unterzugehen?

Beinlich: Angst habe ich vor anderen Dingen. Im Sport kenne ich keine Angst. Da nehme ich jede Herausforderung an. Ich habe in England gespielt, ich habe ein Jahr zweite Liga gespielt. Da habe ich mich auch durchgesetzt. Das war genau so hart und auch diese Prüfung habe ich am Ende bestanden.

Hansa-Online: Sie haben von 1994 bis 1997 beim F.C. Hansa gespielt. Wie beurteilen Sie diese Zeit heute?

Beinlich: Mein Berater Jörg Neubauer hat mich damals an die Küste gebracht: Heute muss ich dafür dankbar sein: Hansa war mein wirklicher Einstieg in den Profifußball. Es war meine Lehrzeit. Nirgendwo ist es mir so schwer gefallen, weg zu gehen, wie damals aus Rostock. Ich habe da Herzblut gelassen. Dann kamen Gesellenzeit und Meisterprüfung in Leverkusen, bei Hertha und beim HSV. Um mich sportlich weiter zu entwickeln, musste ich gehen. Und: In Leverkusen angekommen, bin ich Nationalspieler geworden…

Hansa-Online: Kommen wir mal zum HSV? Wie sehen Sie diese Zeit?

Beinlich: Am Anfang habe ich damals mit dem Verein den Liga-Pokal gewonnen. Ich wurde sogar in den Mannschaftsrat gewählt. Aber tatsächlich hat mich nach Kurt Jara und Klaus Toppmöller erst Thomas Doll, ja auch ein ehemaliger Hansa-Spieler, so richtig aus dem Schatten geholt. Wer hat denn damals noch an mich wirklich geglaubt: Das waren meine Freunde, meine Familie und dann eben Thomas Doll. Und plötzlich kriege ich wieder Spielzeiten, Vertrauen und mache 16 Bundesliga-Spiele fast am Stück. Jetzt sage ich sogar: Vielleicht war es die beste Halbserie meiner Karriere. Wir haben Bayern und Bremen geschlagen, die Bayern über die Saison ständig attackiert. Fußball ist sicherlich ein Mannschaftssport und ich bin ein Mannschaftsspieler. Aber einen gewissen persönlichen Anteil an dieser Entwicklung rechne ich mir auch schon an. Ich habe gezeigt, dass man mit 34 Jahren noch auf sehr hohem Niveau spielen kann. Dies will ich nun auch in Rostock zeigen. Seitdem klar war, ich werde in Hamburg keinen Vertrag mehr unterschreiben, war auch Hansa für ein Thema für mich. Wenn es allein ums Geld gegangen wäre, hätte ich in Hamburg bleiben müssen. Aber das ist zweitrangig.

Hansa-Online: Und wie sieht das mit Ihrer Gesundheit aus?

Beinlich: Ich war an einem Punkt, da musste ich mich jetzt am Schambein und an den Leisten operieren lassen. Das habe ich in der Vitaklinik in Berlin bei Dr. Krüger im März gemacht. Eine solche Operation und die Wiederherstellung wie bei Lala aus Hannover dauert normal sechs Wochen. Dann kann man wieder 100 Prozent ran. Ich hoffe, ich bin am letzten Spieltag zu Hause gegen Werder Bremen nun sogar noch mal dabei und wir feiern am letzten Spieltag gegen Werder Bremen in der AOL-Arena noch den direkten Einzug in die Champions League.

Hansa-Online: Und dann…

Beinlich: Dann freue ich mich auf Hansa. Auch da habe ich ja Berührungspunkte. Mit Miso Brecko habe ich beim HSV gespielt, mit Kapitän Rene Rydlewicz, der wie ich vom BFC Dynamo kommt, habe ich zwei Jahre bei Bayer Leverkusen gekickt. Es stimmt schon irgendwo: Man trifft sich im Leben immer zweimal…

Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute in Rostock!

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