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05.11.2009 16:15 Uhr

Stellungnahme des F.C. Hansa Rostock zum Spiel gegen St. Pauli

Liebe Mitglieder, liebe Fans,

wir, der F.C. Hansa Rostock, möchten zum Spiel am vergangenen Montag gegen den FC St. Pauli Stellung beziehen. Zu allererst wünschen wir allen Verletzen, egal ob Zuschauer, Ordner oder Polizisten, gute Besserung. Zudem möchten wir den 99 Prozent der Zuschauer danken, die sich friedlich verhalten haben. Diesen Fans sollte unsere Aufmerksamkeit gelten.

Doch leider ist es immer wieder das gleiche Bild: Wenige Chaoten und Gewalttäter ziehen mit ihren Handlungen das  Vereinsimage in den Dreck. Hier dürfen wir jedoch unsere Augen nicht verschließen. Ja, es gibt gewaltbereite Fans auf beiden Seiten. Und ja, dieses Spiel lockt immer wieder Personen an, die die vermeintlich politische Einstellung der Anhängerschaft als Vorwand für ihre Gewalt nutzen. Wir dürfen aber jetzt nicht den Fehler machen, vor diesen Personen zu kapitulieren. Vielmehr müssen wir die Arbeit mit den Fanclubs und Fanprojekten verstärken und somit den 99 Prozent unserer friedlichen Anhänger den Rücken stärken.

Wir, der F.C. Hansa Rostock, haben nach dem Spiel am Montag entschieden, dass wir keine voreilige Stellungnahme abgeben werden. Wir haben in den vergangenen Tagen begonnen, die Vorfälle vor, während und nach dem Spiel aufzuarbeiten. Dabei haben wir mit vielen Beteiligten gesprochen, um uns ein möglichst objektives Bild zu verschaffen.

In den vergangenen Tagen haben uns viele Telefonate, Briefe und E-Mails erreicht. Nachfolgend möchten wir gezielt auf einige Punkte eingehen:

1. Einlass für die Südtribüne

Hier möchten wir beispielhaft einen Auszug aus einer E-Mail geben:

„Um 19.15 Uhr traf ich am Stadion ein, aus den Medien hatte ich von den Sperrungen in der Südstadt gehört und näherte mich deshalb von West. Doch vor der Eishalle ging nichts mehr. Die Polizei hatte den Eingang dicht gemacht und eine Menschentraube bildete sich.

Das Ganze wirkte doch stark wie eine Provokation und es verwunderte mich nicht, dass die Fans sauer wurden und erste Feuerwerkskörper flogen.

Als dann die Polizei anfing gegen die Fans vorzurücken, wurde mir doch etwas mulmig und ich zog mich weiter zurück.

Da kein Vorwärtskommen in Sicht war, fragte ich einen Ordner, dieser empfahl, das Spiel zu Hause zu sehen.

Meine Frage nun an Sie, wie können Sie es ruhigen Gewissen verantworten, treue Fans des FCH einer solchen Gefahrensituation auszusetzen?“

Zu allererst entschuldigen wir uns bei unseren Anhängern und Fans, dass sie so lange auf den Einlass ins Stadion warten mussten. Auf der Pressekonferenz der Polizei am Dienstag wurde eingeräumt, dass diese Sperrung so nicht geplant war. Vielmehr sollten die Anhänger des FC St. Pauli bereits frühzeitig im Block stehen, so dass die Hansa-Fans ohne Probleme das Stadion betreten können. Da sich der zweite Sonderzug aus Hamburg jedoch um eine halbe Stunde verspätete, wurde der ursprüngliche Plan geändert und so kam es zu dieser Sperrung.

Um es hier noch einmal zu sagen: Wir als F.C. Hansa Rostock haben im Vorfeld alles unternommen, um deeskalierend auf dieses Spiel einzuwirken. Es hat sich jedoch wieder einmal gezeigt, dass manche Sachen nicht planbar sind und zu Ärger und Zorn führen. Dafür entschuldigen wir uns. Dass - trotz allen Unmuts und Ärgers über die Einlasssituation -  Flaschen und Feuerwerkskörper auf die Polizei geworfen werden, kann der F.C. Hansa Rostock jedoch nicht akzeptieren.

2. Angriff auf Polizisten nach dem Spiel

Das Spiel F.C. Hansa Rostock gegen den FC St. Pauli ist unbestritten ein brisantes Derby. Es ist aber nur ein Fußballpiel – nicht mehr und nicht weniger. Und beim Fußball hat Gewalt keinen Platz.

Es wird mit Hochdruck an der Aufklärung gearbeitet, um die Gewalttäter zu ermitteln, die nach Abpfiff der Partie für Ausschreitungen sorgten. 

Um es noch einmal ganz deutlich zu sagen: Der F.C. Hansa Rostock distanziert sich von jeglicher Gewalt und Diskriminierung.

3. Angriff auf einen Rollstuhlfahrer

Der F.C. Hansa Rostock erhielt zudem eine E-Mail eines Rollstuhlfahrer, der St. Pauli Fan ist. Der Rollstuhlfahrer sei nach eigenen Aussagen tätlich durch Rostocker angegriffen und beleidigt worden. Der F.C. Hansa Rostock entschuldigt sich in aller Form dafür. Das, was der St. Pauli-Fan am Montag erleben musste, ist nicht akzeptabel. Wir, der F.C. Hansa Rostock, werden alles unternehmen, um den Vorfall aufzuklären und die nötigen Konsequenzen zu ziehen.

Nicht verschweigen möchten wir abschließend, dass sich auch einige St. Pauli-Anhänger am Montag daneben benommen haben. Das Abbrennen von Feuerwerk, das Zünden von Böllern und vor allem das Werfen von Pyrotechnik in den Rostocker Fan-Block sind beschämend und nicht hinnehmbar. Vier Ordner wurden bei diesen Aktionen verletzt. Wir wünschen Ihnen gute Besserung.

Nun mit dem Finger auf die Hamburger zu zeigen, mit der Intention, St. Pauli hätte angefangen, entspräche jedoch unterstem Niveau. Wir sind überzeugt, dass der FC St. Pauli entsprechende Maßnahmen veranlasst und entsprechende Konsequenzen zieht.

Wir müssen vielmehr auf uns schauen, sehen, dass es uns gelingt, die 99 Prozent der friedlichen Fans in den Fokus zu rücken.

Und noch eins: Wir haben vor dem Spiel in unserer Außenkommunikation den Fußball in den Mittelpunkt gestellt. Von diesem Weg werden wir uns nicht abbringen lassen.

Der F.C. Hansa Rostock ist ein freundlicher, offener und toleranter Fußballverein. Lassen Sie uns alle dieses Image in die Öffentlichkeit tragen. Jeder auf seine Weise.


 

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