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05.10.2007 11:58 Uhr

Strandspaziergang mit Victor Agali

Der Nigerianer Victor Agali (28) in Rostock. Zum zweiten Mal in seiner Karriere ist er in Rostock. Vor zehn Jahren kam erst als Nachwuchsspieler, heute ist er hier als Star. Aber der Star hat keine Allüren. Kurz nach dem Saisonbeginn kam der groß gewachsene Nigerianer nach zwei Jahren Türkei und sieben Monate ohne Lohn und Arbeit aus der Türkei. Trainer Frank Pagelsdorf bat ihn zum Probetraining und Manager Herbert Maronen verpflichtete ihn auf ein Jahr. Victor war sofort Stammspieler. Agali zeigt eine absolute Profieinstellung, lebt für den Fußball. Cheftrainer Pagelsdorf sagt über Victor: „Wir brauchen Agali als Anspielstation. Jedes Spiel hilft ihm, seinen Rhythmus wieder zu finden.“ Agalis Frau Nasia lebt mit Töchterchen Eva, die schon in die Schule geht, in Nizza, Victor direkt am Strand vor der Ostsee in Warnemünde. Abseits vom Trubel. Bei einem Strandspaziergang interviewten wir Victor, der offenen und ehrlich seine Meinung sagte.

 

Victor, haben Sie alles richtig gemacht, mit dem zweiten Engagement beim F.C. Hansa?
Victor Agali: Ja, ja. Alles. Ich bin im Fußball zurück. Die schwere Zeit in der Türkei ist vorbei. Ich kann wieder spielen, ich komme immer besser ins Spiel. Ich habe den richtigen Verein gefunden und einen Trainer, der mir Kraft und Unterstützung gibt.

 

Was schätzen Sie an Trainer Pagelsdorf?
Victor Agali: Er hat mir sofort vertraut und eine Chance gegeben, obwohl er wusste, wie es um mich steht. Er hat mich sofort spielen lassen und er hat für mich ein extra Trainingsprogramm gemacht. Das habe ich absolviert, als andere manchmal frei hatten.

 

Trotzdem wechselt der Trainer Sie schon mal aus?
Victor Agali: Der Trainer weiß genau, wo mein Limit ist. Wenn er sieht, dass es für mich besser ist, einen frischen Mann zu bringen, dann tut er es. Da bin ich nicht böse.

 

Wie war der Einstieg in Rostock?
Victor Agali: Es war erst nicht so leicht. Aber die Leute hier sind sehr nett zu mir, dieser Zuspruch hilft mir. Ich hatte sieben Monate ja nicht gespielt und viele haben mit mir sofort den Erfolg gefordert. Aber wir haben fünf Mal verloren. Das war verdammt brutal.

 

Warum?
Victor Agali. Also, wer verliert schon gerne – und dann fünf Mal. Kein Punkt!  Ehrlich, ich bin ein ganz schlechter Verlierer, ich kann gar nicht verlieren. Dann bin ich sehr, sehr traurig, ziehe mich zurück, rede wenig und bin wirklich total traurig. Aber trotz dieser Niederlagen habe ich ein Potential in der Mannschaft gesehen.

 

Wann denn?
Victor Agali: Es war die Niederlage gegen Borussisa Dortmund. Das Spiel mussten wir gewinnen. Da war Substanz zu sehen. Und die haben wir dann ab dem Duisburg-Spiel auch gezeigt.

 

Wie erklären Sie die drei Siege gegen Duisburg, Hertha und Stuttgart am Stück?
Victor Agali: Die Jungs sind in Ordnung, wir haben Qualität. In der Psyche haben wir einen Sprung gemacht. Mit dem ersten Sieg haben wir praktisch die Hemmungen abgelegt und unser wahres Gesicht gezeigt. Die drei Spiele lief es perfekt. 100 Prozent, phantastisch. Unsere Mannschaft wird eine gute Zukunft bekommen.

 

Wie wichtig war das für Sie?
Victor Agali: Total wichtig. Ich hatte anfangs den Eindruck, alles lastet auf mir. Alle schauen auf mich als Hoffnungsträger. Aber ich bin doch nur ein Teil, ein kleines Detail im Rad des Teams. Durch die Siege hat sich die Qualität der Mannschaft, jedes Spiel erhöht. Ich bin nicht mehr so wichtig, ich bin einer von elf Spielern. Aber jetzt ist es leichter für mich, weil nicht mehr alle nur auf mich zeigen. Ich finde jetzt immer besser meinen Rhythmus, meine Spielfitness. Die englische Woche war schon kein Probleme mehr für mich. Die Kraft war auch da.

 

BILD schrieb, Sie ackern wie ein Arbeitspferd?
Victor Agali: Ich arbeite und ackere für die Mannschaft. Nur das ist wichtig. Tore sind für mich zweitrangig. Ich denke nur daran, wie ich dem Team nützen kann. Aber ich bin sicher, auch mein Tag kommt.

 

Können  Sie Ihr Spiel erklären?
Victor Agali: Ich versuche wie eine Wand da zu stehen. Bälle sichern, ablegen und weiter verwerten. Das ist mein Job.

 

Berti Vogts ist in Nigeria Nationaltrainer. Glauben Sie noch an ein Comeback in der Nationalmannschaft?
Victor: Mein Job ist hier. Hier gebe ich alles. Wenn  es hier gut geht, wird man auf mich zu kommen. Spieler der Nationalmannschaft zu werden, ist in Nigeria nicht leicht. Wir haben 50 und mehr Top-Spieler. Aber jede Nominierung für Nigeria ist wie ein Probetraining. Bist Du nicht bei 100 Prozent, bist du nicht gut, fliegst Du sofort wieder aus dem Team. Und: Ich sagte schon, ich bin ein schlechter Verlierer. Aber ich sage nicht, ich spiele nie mehr für Nigeria. Ich bin stolz, wenn ich das grün-weiße Trikot tragen darf.

 

Am 20. Oktober spielen Sie in der DKB-Arena gegen Schalke 04. Freuen Sie sich auf das Wiedersehen?
Victor Agali: Yes! Schalke ist ein Top-Team, eine Spitzen-Mannschaft. Ich habe noch immer viele Freunde und gute Kollegen dort. Asamoah, Kobiaschwili, Varela. Mein bester Freund Emil Mpensa ist unterdessen leider nicht mehr da. Aber ich werde an diesem Tag viel Spaß an diesem Spiel haben...

 

Welchen Platz wird Hansa am Ende belegen?
Victor Agali: Wir werden nicht absteigen!

 

 

 


 

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