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08.11.2006 08:48 Uhr

Thomas Finck vom F.C. Hansa II: Mit Leidenschaft Richtung Spitze

Während die Profis des F.C. Hansa Rostock unter Frank Pagelsdorf zu ganz neuen Höhenflügen ansetzen und unmittelbar zu jenen acht Mannschaften zählen, die sich Hoffnung auf einen der drei Aufstiegsplätze in die Bundesliga machen dürfen, übersieht man nahezu, dass sich die Amateure des Küstenklubs heimlich, still und leise in ganz ähnlichen Regionen in Liga 4 befinden. Die „Amas“, deren Grundformation ein Durchschnittsalter von 20,5 Jahren hat, stabilisierten sich nach einem durchschnittlichen Saisonbeginn (1:9 im DFB-Pokal gegen den FC Schalke) und sind in der Oberliga Nordost hinter dem Spitzenreiter SV Babelsberg (1:2 im direkten Vergleich!) härtester Konkurrent des Aufstiegskandidaten. Die Ausbildungsmannschaft von Trainer Thomas Finck schippert also weiter auf dem erfolgreichen Kurs der letzten beiden Jahre (mit zwei Pokalsiegen in Mecklenburg-Vorpommern und Oberliga-Spitzenplätzen.) Diese Truppe ist mittlerweile ein gesuchter Hafen für Profis auf dem Weg zurück in die Stamm-Mannschaft, eine Oase für talentierte, hungrige Fußballer aus dem Norden Deutschlands und ein wirkliches Sprungbrett für die „jungen, wilden Kerle“ aus dem eigenen Nachwuchs. Das Ergebnis ist einstweilen ein zweiter Platz in der vierthöchsten Spielklasse. Wir sprachen mit Trainer Thomas Finck über das erste Drittel der Saison.

 

Herr Finck, haben Sie mit diesem Höhenflug gerechnet?
Finck: Nein, nicht wirklich. Aber wir freuen uns natürlich enorm, wie gute Leistungen in einen guten Tabellenplatz mündeten.

Es ist ja für Sie nicht einfach, den goldenen Mittelweg für dieses Team zu finden. Schließlich wissen Sie nie, wen Sie am Wochenende im Kader haben…?
Finck: Das ist richtig und doch ist alles klar: Gibt es bei Cheftrainer Frank Pagelsdorf einen Spieler, der Spielpraxis braucht, so spielt er bei uns. Das war jetzt so mit Patric Klandt, mit Maik Wagefeld, mit Michael Hartmann, Kevin Hansen oder mit Martin Pohl oder Zafer Yelen. Natürlich geht das mitunter aufs Gemüt der ganz jungen Spieler, die beispielsweise im Pokal wie in Greifswald, ein 3:2 errangen. Aber eines ist doch klar: Die Profimannschaft hat in jeder Form Priorität.

Demotiviert das nicht einige Spieler?
Finck: Klar wollen alle spielen, klar sitzt keiner gerne auf der Bank. Aber die Situation ist den Jungs zu Beginn jeder Saison bekannt. Bei dem einen oder anderen weckt das den Ehrgeiz, den Konkurrenzkampf schneller und intensiver anzunehmen.

Aber nehmen da nicht doch die Profis Amateuren die Spielpraxis?
Finck: Es geht in erster Linie um den Verein und da zählen nun einmal keine Einzelschicksale. Auf den ersten Blick sieht das so aus, als würden Talente gebremst werden. Schaut man genauer hin, ist das schon anders: Also drei 23jährige dürfen wir ja ohnehin einsetzen. Im Pokal sind keine Profis spielberechtigt. Es ist doch so: Wir haben ein Stammteam von 20,5 Jahren. Das sind wirklich hungrige, ehrgeizige Jungs, die für wenig Geld mit viel Herz und Leidenschaft ihre Chance in den Profifußball suchen. Aber das allein genügt nicht. Solche Spieler müssen ja auch geführt und geleitet werden. Insofern ist es schon gut, wenn von oben mal der eine oder andere die jungen Kerle auf dem Platz stützen kann. So mancher wächst dann auch an der Seite eines ehemaligen Nationalspielers wie Michael Hartmann oder eines ehemaligen Nachwuchs-Auswahlspielers wie Maik Wagefeld.

Mal ein Beispiel…?
Finck: Im Prozess der Leistungsentwicklung hat beispielsweise ein Zafer Yelen in unserer Mannschaft unheimlich an Selbstwertgefühl und Erfahrung an der Seite älterer Spieler gewonnen. Dies kommt der Profimannschaft jetzt ebenso zu Gute wie Spieler, die über uns wieder an die Profis rangeführt werden.

Erstaunlich ist, wie Sie mal wieder junge, unbekannte Spieler aus niedrigen Spielklassen gefunden und für Hansa an Land gezogen haben? Wie geht man da eigentlich vor?
Finck: Neben dem normalen Trainingsprozess schaut man natürlich im Norden in allen Klassen der Junioren und Amateur-Teams, besucht die Lehrgänge der Landesverbände, schaut bei Spielbeobachtungen auf hungrige Burschen, die ein Sprungbrett bei uns in den bezahlten Fußball suchen könnten.

War das vor der Saison auch so?
Finck: Genau so. Unsere Junioren-Spieler waren uns natürlich alle bekannt. Also mussten wir draußen junge Kerle suchen. Das haben wir getan. Moritz Kessler von den Preußen in Berlin haben wir in Duisburg entdeckt. Der Junge macht hier seine Sache entsprechend ordentlich. Sebastian Müller war einst bei uns, der kam also von Neustrelitz zurück, kämpft nach wie vor verbissen, um eine Integration. Fabian Pieper wollte ich schon einmal als B-Junior zu uns holen, ehe wir ihn von Bremen übernommen haben, auch er befindet sich in diesem Integrationsprozess. Alexander Fogel aus Taschkent hat vor seinem Wechsel zu uns schon ein halbes Jahr bei uns trainiert. Er kam von SV Hafen Rostock aus der Verbandsliga, dort haben wir ihn im letzten Jahr mehrmals beobachtet. Er ist ein guter Fußballer, mit einem ordentlichen Schuss, dem es noch etwas an körperlicher Robustheit fehlt. Jetzt steht der Junge mit sechs Toren in elf Spielen da. Auffallend bei dem Jungen: Er kann beidfüssig schießen, ist gut im Zweikampfverhalten 1:1, klein und quirlig. Das hat sich für ihn ausgezahlt. Wenn er noch etwas robuster und kopfballstärker wird, kann er durchaus auch mehr in den Blickpunkt in der Oberliga rücken. Er hat sich jedenfalls für einen Verbandsliga-Spieler in der 4. Liga enorm akklimatisiert.

Aber den besten Griff haben Sie wohl mit Stürmer Robert Franke gemacht?
Finck: Robert hat ein großes Potential, kann gut Fußball spielen und ist sehr kopfballstark. Er kann hinter den Spitzen agieren, ebenso aber auch direkt als Angreifer fungieren. Ich verspreche mir ihm durchaus noch einiges. Robert wird aber auch noch einiges lernen und Erfahrung sammeln müssen. In acht Spielen machte er acht Treffer, ist damit einer der torgefährlichsten Stürmer der Oberliga. Er trainierte ja auch schon zweimal bei Frank Pagelsdorf, doch dann kam eben dieser unglückliche Wadenbeinbruch, der ihn mindestens vier Monate Pause kostet.

Kann Robert nach der Auskurierung seiner Verletzung auch noch einmal in den Blickpunkt rücken?
Finck: Davon gehe ich mal aus. Er hat eine gute Technik, ist groß und nicht langsam. Er muss aber auch robuster werden, wenn er ganz oben ankommen will.

Warum hat der Verein ihn eigentlich als Junior nach Bentwisch ziehen lassen?
Finck: Er war bis zur A-Jugend bei uns, spielte zusammen mit Tim Sebastian und Marcel Schied. Aber damals war er nicht sehr dominant, spielte nicht so oft. Er zog es dann vor, den Verein zu verlassen und sich einen Job als Immobilienkaufmann zu besorgen. Das war in seiner Situation sicherlich damals gut und richtig. In der letzten Saison habe ich ihn mir dann mehrfach angeschaut und ihn gefragt, ob er uns nicht helfen will. Er wollte…

Wo sehen Sie abschließend die Stärke Ihrer Mannschaft in dieser Saison?
Finck: Wir sind als Stammformation sehr ausgeglichen, eine feine Truppe. Und mit den Profis haben wir für diese Mannschaft dann immer noch einige Korsettstangen, die uns Halt und Stabilität geben, auch in der Oberliga weiterhin oben mit zu spielen. Nur so haben wir es praktisch auch verkraften können, mit Clemens Lange (z. Z. St. Pauli) und Robert Franke den zeitweiligen Verlust von zwei Stammspielern überspielen zu können.

Im nächsten Jahr gibt es neue Strukturen im Unterbau des deutschen Fußballs. Wie steht der Verein dazu?
Finck: Der Vorstand prüft, ob es möglich ist, sich auch dann für die 4. Liga mit dieser Mannschaft des Vereins zu qualifizieren, um sie auch weiterhin als Ausbildungsmannschaft nutzen zu können. Aber da spielt natürlich auch die Zukunft der Profis rein und das Geld eine große Rolle.

Danke für das Gespräch.

 

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