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31.03.2008 10:03 Uhr

Tim Sebastian: So habe ich es zum Profi geschafft

Fußball. Schönste Nebensache der Welt! Profi am Ball. Welcher Junge träumt nicht davon? Wer träumt nicht von großen Stadien und spannenden Spielen, von tollen Stars und großen Siegen. Wer möchte nicht einmal gegen Oliver Kahn aufs Tor schießen, Frank Ribery oder Diego den Ball vom Fuß nehmen, gegen Luca Toni einen Kopfball gewinnen, Bundesliga spielen, Meister- und Pokalsieger, Europameister oder Weltmeister werden.

Natürlich, viele Kinder träumen von der großen Fußball-Karriere, träumen von der Bundesliga.
Ich habe den Traumjob. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Ich bin Fußballprofi. Ich spiele beim F.C. Hansa Rostock. Ich spiele in der Bundesliga. Aber ganz ehrlich: Es war ein harter Kampf. Lebensmotto: „Niemals aufgeben!“
Viele glauben, ich sei Mecklenburger. Das ist ein Irrtum. Ich bin Sachse.
Tatsächlich bin ich in Leipzig geboren. Ich vertrug aber damals die raue Braunkohlen-Luft um die Messestadt nicht. Die Ärzte hatten unserer Familie aus medizinischer Sicht ein besseres Klima empfohlen…

Mit zweieinhalb Jahren kam ich so mit meinen Eltern aus Sachsen an die Ostsee, die als Lehrer hier auch schnell neue Jobs fanden.
Es ist auch ein Irrtum, ich sei schon immer Fußballer gewesen.
In Wolgast schwankte ich als Sportler zwischen Judo und Fußball, war auch Leichtathlet, was, wie sich später herausstellte, meiner körperlicher Ausbildung zugute kam.
Das war zwischen 1990 und 1996. Ich brachte es damals auf der Matte bis zum orangefarbenen Gürtel. Noch heute steht mein Landesrekord im Weitsprung als 10-Jähriger bei 4,55m. Mit zehn Jahren allerdings wollte ich tatsächlich nur noch Fußball spielen und zu Hansa.
Der ehemalige Nachwuchs-Manager Jürgen Heinsch hat mich im Sommer 1999 geholt. Zuvor beobachtete er mich von 1993 bis 1996 bei Motor Wolgast und von 1996 bis 1999 beim Greifswalder SC langfristig.

Mit 15 Jahren wechselte ich also aus Greifswald in das Internat des F.C. Hansa und streifte bei den B-Junioren unter Trainer Bernd Ziemer das Trikot mit der Kogge über.
Ich erinnere mich: Ich habe damals vor lauter Stolz sogar in Hansa-Bettwäsche geschlafen. Nur die Wechselwäsche war von Bayern München…
Aber ich gebe ehrlich zu, dass es anfänglich auch wirklich nicht einfach war, von zu Hause weg zu sein. Aber ich kämpfte mich durch.
Lebensmotto: „Niemals aufgeben!“

Mein Lohn: Ich spielte als Hanseat erstmals im Jahre 2000 bei DFB-Trainer Klaus Sammer für die U15 des DFB. Das war in Portugal und die Mannschaft verlor gegen Dänemark 1:2. In jener Truppe standen damals auch schon Jungs wie Odonkor, Schweinsteiger und Huth, also heutige Nationalspieler. Für mich reichte es in der Folgezeit aber nur zu jeweils einem weiteren Junioren-Länderspiel in jeweils einem Jahr. Also zu  fünf Begegnungen im Trikot des DFB! Die anderen Jungs haben sich besser durchgesetzt als ich.
Mein Talent wurde in Rostock jedoch trotzdem anerkannt und gefördert, so dass ich bereits als jüngerer Spieler bei den A-Junioren zum Einsatz kam und als A-Jugendlicher sogar schon zum Stammspieler in der Amateurmannschaft avancierte. So war es dann wohl auch nur eine Frage der Zeit, bis mir der erste Profivertrag winkte.

Heute ist Hansa wirklich ein Stück meines Lebens. Hansa wurde für mich eine Zeit der kontinuierlichen Vorwärtsentwicklung. Ich habe in der B-Jugend angefangen und bin jetzt Profi. Ich hatte ja das Glück, als einer der ersten jungen Spieler die Vorzüge des neuen Internats zu genießen und die Vorteile der Synergie von Sport und Schule mitzunehmen. Meine Idole waren damals Beinlich, Rehmer, Barbarez, Neuville, Pamic und Akpoborie. Ich stahl am Anfang auch viel mit den Augen bei den älteren Spielern.
Den Sprung ins Bundesliga-Team schaffte ich unter dem damaligen Hansa-Coach Juri Schlünz. In Stuttgart gab ich damals unter dem heutigen Nachwuchs-Vorstand als 20-Jähriger mein Debüt.

Am 7. November 2003 bot ich im defensiven Mittelfeld zwar eine ordentliche Leistung, doch am Ende stand eine 0:4-Niederlage zu Buche. Eine Woche später wurden nach dem Trainerwechsel die Karten neu gemischt. Unter Juri Schlünz wurde ich sehr gefördert. Dann kam Jörg Berger und der hat im Abstiegskampf erst einmal lieber auf die erfahrenen Akteure zurückgegriffen.
Nach dem Trainerwechsel musste ich mich also wieder hinten anstellen. In der Schlussphase der Abstiegs-Saison kam ich aber im defensiven Mittelfeld noch zu sieben Einsätzen.
Bevor Jörg Berger dann schließlich in Rostock ging, bekam ich von ihm noch einen „Lehrsatz“ mit auf den Weg: „Junge, Profi bis du nicht mit zehn Spielen, Profi bist du erst mit 50 oder 60 Spielen.“ Diese Zeit ist angebrochen.

Wir sind wieder aufgestiegen, wir sind zum dritten Mal in der Bundesliga zurück. Ich bin hier mittlerweile Stammspieler, als Innenverteidiger im Team von Trainer Frank Pagelsdorf. Meine Freundin Tini, eine ehemalige Turnier-Tänzerin, glaubt den Grund zu wissen: Sie sagt immer, ich sei zielstrebig, superehrgeizig und selbstkritisch. Vom ersten Tag, seit wir uns kennen, sei ich immer Schritt für Schritt vorgegangen und hätte so auch immer meine Ziele erreicht.
Tini muss es ja wissen, denn wir kennen uns schon seit der Schulzeit vom Rostocker Christophorus-Gymnasium. Nach einer Klassenfahrt nach Dänemark sind wir ein unzertrennliches Paar geworden und wohnen heute gemeinsam im Herzen von Rostock. Insofern hat mir der Fußball auch hier viel Glück geschenkt.

Oft werde ich gefragt: Was bedeutet dir der F.C. Hansa? Ich sage dann: Eine Menge. Immerhin habe ich in diesem Verein die letzten Jahre verbracht. Das ist ein Stück meines Lebens. Als junge Spieler hatten und haben wir immer gute Trainer gehabt, die uns einiges mit auf den Weg gaben. Ob einst bei Bernd Ziemer, bei Andreas Zachhuber, Juri Schlünz, Jörg Berger oder heute Frank Pagelsdorf, man hat von jedem Trainer etwas gelernt. Die Infrastruktur ist bei uns wirklich absolut erstklassig. Wie gut diese Jugendarbeit ist, kann man heute an den vielen jungen Spielern im Profiteam sehen, die aus dem eigenen Haus kommen…
Was mich freilich immer ein wenig ärgert: Oft werden wir Bundesliga-Spieler als Wohlstands-Jünglinge dargestellt. Natürlich gehe ich mit offenen Augen durch unser Land, natürlich kenne ich die Arbeitslosenzahlen. Aber auch wir junge Spieler müssen uns alles hart erarbeiten. Doch wir haben natürlich schon einen Vorteil: Wir sind immer an der frischen Luft und haben aus unserem Hobby unseren nicht schlecht bezahlten Beruf gemacht. Wer kann das heute schon von sich sagen?

 

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