Offizielle Website des F.C. Hansa Rostock - Unsinkbar seit 1965

22.01.2010 15:24 Uhr

Transfers sind Vorgriffe auf die neue Saison

Der Winter 2010 in Mecklenburg-Vorpommern – ziemlich kalt, ziemlich nass und ziemlich hart. Nur einer fühlt sich in diesen Tagen richtig wohl und zufrieden: Hansa-Manager René Rydlewicz. Kurz vor seinem einjährigen Jubiläum im Februar packt der einstige Publikums-Liebling bei den Hanseaten noch einmal richtig zu. Erst verabschiedete er einige Spieler aus dem Verein (u.a. Henri Myntti, Tobias Rathgeb, Sebastian Albert, Bastian Oczipka), jetzt arbeitet er weiter am Neuaufbau einer schlagkräftigen Profimannschaft für die Zukunft.
 
Allein in den vergangenen 14 Tagen verpflichtete René Rydlewicz vier neue Spieler für die Mannschaft seines Trainers Andreas Zachhuber. Als erster unterschrieb Linksverteidiger Andreas Dahlén (Gefle IF), dann Rechtsverteidiger Florian Grossert von Türkiyemspor Berlin und schließlich holte er in dieser Woche zum „isländischen Doppelschlag“ aus. Mit dem defensiven Mittelfeldspieler Helgi Valur Danielsson (Elfsborg Boras) und dem hochgewachsenen Stürmer Gardar Jóhannsson (vereinslos) kommen zwei aktuelle Nationalspieler ihres Landes an die Ostsee. Zur Transferpolitik des F.C. Hansa Rostock traf Hansa-Online René Rydlewicz zum Gespräch.

Herr Rydlewicz, am letzten Spieltag der Hinrunde sagten Sie, es gibt keine großen Veränderungen. Hat Hansa eine neue Geldquelle aufgetan?
René Rydlewicz: Nein. Wir halten uns an die strengen Vorgaben der DFL und messen uns an unseren eigenen Möglichkeiten. Wir haben im Prinzip ja auch nur unseren Kader etwas verändert. Natürlich haben wir hier am Standtort Mecklenburg-Vorpommern einen wirtschaftlichen Nachteil und einen engeren finanziellen Rahmen als anderswo. Aber wir liegen deshalb auch nicht auf der faulen Haut. Unsere Trainer und Funktionäre sind alle unterwegs, beobachten den Markt – und von Fall zu Fall reagieren wir. Wie jetzt.

Ist das alles im Prinzip schon ein Vorgriff auf die neue Saison?
René Rydlewicz: Genau, so sehen wir es. Die Jungs haben die Möglichkeit, sich in einer Mannschaft, die sich jetzt gefunden hat und stabil ist, zu integrieren. Wir können den Spielern Zeit geben, ihre persönlichen Dinge zu erledigen, sich einzugewöhnen, die Sprache zu lernen, den Stil der Liga zu erkennen und sich darauf einzustellen. Je schneller sie bei uns heimisch sind, umso besser.

Auffällig war die hohe Zahl der Probespieler in den vergangenen Monaten…
René Rydlewicz: Mal ganz ehrlich, ich mag diesen Begriff des Probespieler gar nicht. Er wirkt mir heute sehr negativ besetzt. Es ist aber in der Praxis so, dass einem durch Berater viele Spieler angeboten werden. Andreas Zachhuber und ich haben uns entschieden, wenn wir einen Profi interessant finden, ihn mal zu einem Besuch zum Kennenlernen zu uns einzuladen und das haben wir dann auch mehrmals gemacht.

Mit Dahlén und Jóhannsson spielten sogar Nationalspieler für zwei bzw. fünf Tage in Rostock vor?
René Rydlewicz: Das zeigt eben den guten Charakter dieser Spieler. Die sind sich nicht zu schade, hier mal vorbeizuschauen, die Gegebenheiten kennenzulernen. In Spiel und Gesprächen haben wir so auch eine gemeinsame Sprache gefunden.

Apropos Sprache. Wird jetzt nicht etwas zu viel Englisch in der Kabine gesprochen?
René Rydlewicz: Also ich habe meine Erfahrung mit den Skandinavier: Nach zwei Monaten haben hier viele ganz schnell die deutsche Sprache gelernt. Außerdem können unsere Spieler mal wieder ihre Englisch-Kenntnisse aus der Schule aufbessern…

Florian Grossert haben Sie aus der Regionalliga in den Kader geholt…
Rydlewicz: Florian Grossert haben wir schon lange durch unseren Scout beobachten lassen. Der Junge hat in dieser Saison in 15 Spielen acht Treffer gemacht, fünf davon per Elfmeter. Wer jetzt sagt, aber der spielte bislang nur in der 4. Liga, dem sage ich mal: Meistermacher Felix Magath hat gerade einen Spieler aus der 6. Liga verpflichtet. Bei der medizinischen Untersuchung hat Florian absolute athletische Top-Werte gezeigt. Im Training hat er sich auch als ein robuster Spieler auf dem Platz erwiesen. Wir haben ihn verpflichtet, da die Trainer und ich der Meinung sind, der Junge kann uns helfen und den Konkurrenz-Kampf auf der rechten Verteidiger-Position um Kevin Schönberg ankurbelt.

Mit Danielsson haben Sie Ihren absoluten Wunschspieler verpflichtet, der eigentlich einen Vertrag bis 31. Dezember 2010 bei Elfsborg hatte…
René Rydlewicz: Genau. Peter Wibran gab den Tipp. Wir waren sofort angetan. Vertragslaufzeit und Ablöse sprachen bis jetzt gegen eine Liaison. Aber der Spieler wollte zu uns und wir wollten den Spieler. Auch hier hatten wir gute Gespräche mit den Vereinsverantwortlichen. 

Was können Sie uns über Danielsson noch sagen?
René Rydlewicz: Bei meiner Spielbeobachtung hat er jeden Zweikampf und jeden Kopfball gewonnen. Den einzigen Fehlpass, den er sich leistete, war auf einen Fehler seines Mitspielers zurückzuführen. Er ist ein robuster, aufmerksamer, technisch und taktisch gut ausgebildeter Spieler. Er ist ein hungriger Spieler mit Zielen.

Gardar Jóhannsson haben Sie auch zu einem so genannten „Freundschaftstreffen“, wie Sie es nennen, eingeladen… 
René Rydlewicz: Ja, genau. Wie bei Andreas Dahlén muss man auch bei Gardar Johannsson sagen, dies sind Erstliga-Spieler und Nationalspieler und scheuen den Weg zu einem solchen Kennlern-Treffen nicht. Das macht sie sympathisch und zeigt ihren aufgeschlossenen Charakter. Beide kamen her und haben sich reingehängt, waren wissbegierig und von den Möglichkeiten hier angetan.

Was unterscheidet Gardar Jóhannsson beispielsweise von einem Henri Myntti?
Rydlewicz: Ich verzichte auf solche Vergleiche. Aber Gardar Jóhannsson ist ein großer Spieler, der sehr Ball gewandt und kopfballstark ist. Ein Fels im Strafraum, aber auch sehr beweglich. Ich habe mich lange mit Uwe Rösler aus Leipzig, der ja viele Jahre als Trainer in Norwegen gearbeitet hat, unterhalten. Uwe, den ich aus alten Bundesliga-Tagen kenne, sagte sofort: Der wird Euch helfen. Vor zwei Jahren hatte er als Doppelspitze eine tolle Saison, wurde mit dem Verein Vizemeister. Im abgelaufenen Jahr hatte er einen neuen Trainer, der auf eine Spitze setze und dadurch hatte er nur noch halb so viele Einsätze und Tore wie im Vorjahr. In fünf Tagen gemeinsamen Trainings haben wir uns von den Vorteilen dieses Spielers überzeugt. Einen Jungen wie ihn haben wir mit diesen Gardemaßen momentan nicht. Deshalb haben wir hier zugegriffen. Wir haben ihm ein Angebot gemacht und er hat angenommen. Das finde ich sehr sympathisch.

Wie war es mit Andreas Dahlén von Gefle?
René Rydlewicz: Es ist ja bekannt, dass Peter Wibran als ehemaliger Spieler seit vergangenem Sommer den skandinavischen Markt beobachtet. Unser wirtschaftlicher Standort-Nachteil ist natürlich auch ein territorialer Standort-Vorteil. Wir schauen, wie einst, wieder verstärkt nach diesen charakterlich guten Jungs, die selbst hungrig nach Erfolg sind. Andreas Dahlén ist auch so ein Spieler. Er ist zweikampfstark, er ist schnell und flankt sauber und präzise. Da er in der linken Außenverteidigung genauso wie im Mittelfeld spielen kann, ist er für den Trainer auch noch ein sehr variabler Spieler.

Vor einer Woche hatte der F.C. Hansa Rostock mit Udoh Kingsley einen weiteren Probespieler zu Gast. Der 19-jährige Nigerianer steht derzeit beim westafrikanischen Verein Akwa United unter Vertrag. Was ist mit ihm?
René Rydlewicz: Wir wollten ihn schon im September sehen. Leider klappte das aus Pass-Gründen nicht. Er erinnerte mich in diesen Tagen in vielen Dingen an Razundara Tjikuzu. Jetzt kam er und wir hatten gerade Florian Grossert verpflichtet. Deshalb kamen wir nicht zusammen.

Mal zum Rückrunden-Start. Andreas Zachhuber war sehr unzufrieden gegen Bielefeld?
René Rydlewicz: Das Spiel stand insgesamt sicherlich nicht auf großem Niveau. Aber: Wir haben wie gegen St. Pauli und Kaiserslautern gegen einen Spitzenmannschaft mitgehalten. Das ist für mich positiv. Man muss auch bedenken, dass aus Witterungsgründen unser Test gegen den 1. FC Köln leider ausfiel. Ein Wettkampf ist in der Vorbereitung auch nicht mit einem internen Test zu kompensieren. Und ein Pflichtspiel hat noch andere Maßstäbe. Insofern ist das 1:1 nicht so schlecht. Aber ich erwarte schon eine Steigerung in München.

Zurück