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01.06.2006 07:51 Uhr

Urlaub für die Hansa-Profis – was verlangt der Trainer?

Sommerpause. Die Spieler des F.C. Hansa sind seit einer Woche in Urlaub. Was gibt der Trainer seinen Jungs mit auf den Weg, was erwartet sie in der neuen Saisonvorbereitung? Der Cheftrainer des F.C. Hansa Rostock Frank Pagelsdorf hat den Fans kurz vor der Abreise in seinen Urlaub einmal einen interessanten Einblick ins Profigeschäft der Bundesliga gewährt! Am 2. Juli geht es dann ab 15 Uhr wieder los…

Von Frank Pagelsdorf

Urlaub für die Profis - Ich unterscheide da zwischen Winter- und Sommerurlaub.

Das konkrete Beispiel im letzten Winter: Die Spieler hatten diesmal nach der Vorrunde nur ca. 13 Tage frei. Da habe ich ihnen schon ein Programm mitgegeben und sie hatten zwischen Weihnachten und Neujahr auch Pulsuhren dabei.

Aber das hatte einen einfachen Grund: Die Zeit der Vorbereitung vom ersten Trainingstag bis zum ersten Pflichtspiel war verdammt kurz. Es waren keine zwei Wochen. Also mussten wir die Tage der Erholung und Anspannung, also der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung, sehr intensiv durchleben.

Diesmal wird das im Sommer anders sein. Die Mannschaft hat fünf Wochen Urlaub und ich habe als Trainer anschließend sechs Wochen Zeit, meine Spieler auf Vordermann zu bringen.

Meine klare Meinung: Wenn Du so eine lange Zeitspanne zur eigenen Arbeit hast, dann ist es auch mal richtig, die Profis an der langen Leine zu lassen.

Wie ist denn die Praxis? Unsere Spitzenspieler absolvieren heute zwischen 60 und 80 Pflichtspiele. Sie sind höchstem physischen und psychischen Stress ausgesetzt. Schaut man auf Oliver Kahn oder Michael Ballack, ist das enorm, was diese Profis über eine Saison aushalten müssen.

In der Bundesliga hat sich der Stress-Faktor mit den Jahren enorm erhöht. Also entlädt sich der Akku eines Spielers auch über die Saison schneller.

Wer da im Kopf „nicht mitspielt“, der ist in dieser Phase auch viel anfälliger für Verletzungen. Davor muss ich meine Spieler schützen.

Ich bin der Meinung, nach solch einer Saison wie jetzt ist der Akku irgendwann wirklich leer und die Batterien sollten ganz langsam aufgeladen werden. Dann halten sie auch wieder länger.

Ich halte es deshalb so: Meine Spieler sollen sich die ersten vier Wochen des Urlaubs mal komplett erholen, nicht an Fußball denken und auch nicht allein trainieren. Das ist falscher Ehrgeiz.

Natürlich hat sowieso jeder Spieler ein inneres Bedürfnis, sich zu bewegen. Die Jungs fahren Fahrrad, die spielen Tennis, die spielen Volleyball oder marschieren mit ihren Familien am Strand oder in den Bergen. Sie sollen also nicht anspannen, sie sollen entspannen. Das ist mir ganz wichtig.

In der fünften Urlaubs-Woche macht dann schon jeder Spieler individuell etwas für sich, da die Jungs schon wissen, dass es ihnen leichter fällt, wenn sie gut vorbereitet ins neue Spieljahr kommen.

Ja, ich will, dass meine Spieler wirklich bei Null anfangen, dass die Köpfe ganz  frei sind. Dass der Körper entspannt und ausgeruht ist.

Am ersten Trainingstag gebe ich dann wieder den Ton an. In der ersten und letzten Trainingswoche gibt es für meine Jungs kein Spiel.

Die erste Woche steht nur Ausdauer auf dem Programm. Dann machen wir eineinhalb Wochen Kraft und Ausdauer. Die nächste Phase wird vom Schnelligkeits-Ausdauertraining bestimmt. In der sechsten Woche steht das spezifische Schnelligkeitstraining auf dem Programm.

Mitten in dieses Aufbauprogramm für die Saison streue ich natürlich Spielformen und technisch-taktisches Training ein.

In dieser Zeit erwarte ich eine hohe Trainingsintensität, ein leidenschaftliches Engagement und eine hohe geistige und körperliche Mobilität. Denn mit dem ersten Anpfiff muss man heute in der Bundesliga topfit in eine neue Saison gehen. Was am Saisonbeginn versäumt wurde, ist später nicht mehr aufzuholen…

 

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