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20.04.2009 15:13 Uhr

Wie Andreas Zachhuber Stephan Gusche in den Bundesliga-Zug berief

Wahrscheinlich hängt das Hemd mit dem "Adler" noch immer über dem Bett von
Stephan Gusche in der Fußball-Akademie des F.C. Hansa Rostock. Es ist das
Trikot aus der Zeit des "Sommermärchens", ein Jersey der deutschen
Nationalelf aus dem WM-Jahr 2006.
Der Traum von Stephan Gusche: Einmal für Deutschland spielen!
Stephan und sein Bruder Gerald begannen im Alter von 5 bzw. 6 Jahren in
Schwerin mit dem Fußballspielen, Beide gingen dort später aufs
Sportgymnasium. Die Trainer, die Stephan das Fußball-ABC beigebracht und
dabei die immer an ihn geglaubt haben, sind u.a. Herr Schonscheck, Herr
Stamer und Herr Schmandt.
Gerald wechselte dann 2003 zum F.C. Hansa nach Rostock, Stephan folgte 2004.
Beide wohnten zeitweilig zusammen in der Hansa-Akademie. Gerald musste
jedoch auf Grund einer Tinitus-Erkrankung seine leistungssportliche Laufbahn
in Rostock leider beenden. Stephan machte Karriere als DFB-Talent. Er begann
eine Ausbildung zum Industriekaufmann, kann derzeit noch in der
A-Junioren-Bundesliga bei Michael Hartmann spielen.

Mit dem Trainerwechsel von Dieter Eilts auf Andreas Zachhuber kam für
Stephan plötzlich die große Überraschung - und das passierte dann so:
"Ich habe das Funkeln in den Augen der Spieler gesehen. Die Mannschaft ist
bereit für drei Monate harte Arbeit", sagte der neue Cheftrainer Andreas
Zachhuber an seinem ersten Arbeitstag. Und das Gesicht von Stephan (19) strahlte an jenem Montag sogar mit der Sonne um die Wette!
Er hatte gerade ein total verrücktes, beinahe unwirkliches Wochenende hinter
sich. Am Sonnabend noch kickte der Schweriner in der Junioren-Bundesliga von
Michael Hartmann gegen den 1. FC Union nach monatelanger Verletzungspause
endlich wieder schmerzfrei, spielte mit Thomas Götzl in der
Innenverteidigung, konnte die 0:1-Niederlage im Volksstadion allerdings
nicht vermeiden.
Nach dem Auslaufen am Sonntag hatte Gusche ein kleines Schläfchen geplant.
Plötzlich aber klingelte sein Handy, der neue Co-Trainer, sein bisheriger
Amateurtrainer, Thomas Finck bestellte ihn unverzüglich zur Geschäftsstelle.
Dort sollte er sich bei Andreas Zachhuber vorstellen. "Zachers" kurze Ansage: "Montag früh kommst Du bitte mit deinen Klamotten zu den Profis."
Stephan wusste gar nicht wie ihm geschah und dachte daran, dass der 1. April
ja doch noch nicht wäre. Antwortete auf die Frage: "Oder willst Du nicht?"
mit "Doch, doch".
In diesem Moment, so gestand das DFB-Talent, "wusste ich gar nicht was los
ist, was ich sagen sollte, mir kam das alles noch so unwirklich vor."
Pünktlich am Montagmorgen erschien Stephan, dessen Mutter ganz großen Wert
auf das "ph" im Namen legt, im Stadion. Statt zwischen Kevin Müller und
Thomas Götzl in den Junioren, statt zwischen Pett und Lange bei den "Amas",
saß er nun in der Kabine zwischen Retov, Lisztes und Dorn.
Wie hatte Andreas Zachhuber doch noch gesagt: "Jetzt fährt der Zug los,
jeder Spieler kann aufspringen. Wer es nicht tut, wird im Abstiegskampf
nicht gebraucht."
Plötzlich hatte also auch Stephan Gusche eine Fahrkarte vom neuen Trainer
für dessen "Express Abstiegskampf" in der Hand.

Die Überraschung gab es dann gleich im ersten Trainingsspiel. In einem 2x
20-Minuten Auftakt-Match spielte Gusche in der Mannschaft "blau" volle
Pulle - einsatzstark, willensstark, kampfstark, mit Übersicht und
Selbstvertrauen, sogar taktisch klug und lautstark, seine Gegner der
Franzose Regis Dorn und der Finne Henri Myntti.
Was da passierte, wie sich der bescheidene Schweriner anbot, erstaunte sogar
den neuen Trainer. "Wie der Bursche sich verkauft hat, war absolut stark. Er
hat ein sehr gutes Zweikampfverhalten und ein gutes Kopfballspiel. Von ihm
bin ich positiv überrascht."
Auch die Kiebitze und Journalisten staunten nicht schlecht, mussten sich
erst einmal informieren, wer da eigentlich der lange Kerl mit dem großen
Tatendrang auf dem Platz war, der Myntti pausenlos "auf die Füße" trat und
laufend die Kopfbälle gewann.
Als die erste Trainingseinheit vorbei war, gab es auch Lob von Trainer
Finck. Noch auf dem Platz gab es gleich eine kleine Auswertung.
"Ich habe jetzt eine große Chance, ganz klar, die will ich nutzen. Seit über
einem Jahr, nach einer Reise mit der Jugendnationalmannschaft nach Katar,
hatte ich nur Verletzungspech mit meiner Leiste, durfte mich zuletzt noch im
Winter in München bei Dr. Müller-Wohlfahrt mehrfach vorstellen. Dank seiner
Hilfe, der des Vereins und wesentlich auch der durch Herrn Kroos, ist jetzt
alles wieder gut und ich bin heiß, die Chance zu nutzen, die ich vom Trainer
bekomme."
Stephan Gusche ist damit zusammen mit Felix Kroos einer von zwei
Hansa-Bubis, die praktisch eigentlich für die Junioren, für die Amateure und
bei den Profis spielen können.
Vieles erinnerte an diesem ersten Trainingstag von Stephan Gusche an den
ehemaligen Hansa-Spieler Marcel Schied. Den hatte Andreas Zachhuber als
Verfechter von Hansa-Talenten vor über zehn Jahren auch an die Hand in den
Profifußball genommen.
"Zacher" hat damit für Gusche das Signal auf "grün" gestellt. Im
Premieren-Spiel von Trainer Zachhuber saß der Abwehrspieler nach fünf harten
Trainingstagen bei den Profis im Match gegen Ingolstadt (1:1) immerhin schon
mal auf der Bank als Reservist. Wohin die Reise geht, bestimmt Stephan nun
ganz allein!

 

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