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14.01.2008 10:33 Uhr

Willkommen Gledi beim F.C. Hansa Rostock

Der Arbeitsnachweis des Brasilianers Gledson aus dem letzten halben Jahr beim Deutschen Fußballmeister VfB Stuttgart ist sehr übersichtlich: Kein Einsatz in der Champions League, kein Bundesliga-Spiel, ein Pokalspiel, 13 Einsätze in der Regionalliga.
Der Wechsel vom Aufsteiger F.C. Hansa zum Meister nach Schwaben erwies sich eher als ein Missverständnis. Der Knackpunkt: Beim 2:1 in Wehen flog der Brasilianer wegen einer Tätlichkeit vom Platz. Eine Undiszipliniertheit, mit der er vieles zerstörte. Vor allem das Vertrauen des Trainers Armin Veh. „Ich habe wirklich Mist gebaut", sagte Gledson damals gegenüber dem „kicker“ zu seinem Aussetzer, ein Nachtreten gegen Wehens Atem.

Die Folge: Gledson war in Stuttgart nur eine Randerscheinung, bei Veh und auch bei den Amateuren. Veh setzte keine Minute mehr auf den bulligen Abwehrhünen. Er bevorzugte vielmehr Spieler wie Serdar Tasci und Sami Khedira, vertraute Jungs wie Andreas Beck. In der Regionalliga musste sich Gledson sogar mit Talenten wie Marco Pischorn (21) oder David Pisot (20) messen.

 

Aber damit ist das Kapitel Gledson und Stuttgart auch schon geschlossen. Jetzt wird das Missverständnis zum Glück des Trainers Frank Pagelsdorf. Denn der Rostocker Fußballlehrer hat seinen verlorenen Sohn wieder, zum dritten Mal.
„Pagel“ betreute Gledson schon einmal in Osnabrück. Der Brasilianer war von 2005 bis 2007 beim F.C. Hansa auch einer der wichtigsten Spieler beim Projekt „Bundesliga-Rückkehr“ und nun soll der Südamerikaner beim Klassenerhalt des Bundesliga-Aufsteigers helfen.
Sein Referenzen an der Ostsee sind erstklassig: In 50 Zweitligaspielen machte der Abwehrrecke sechs Tore.

Insgesamt kommt „Gledi“ mit der Erfahrung von 105 Zweitliga-Spielen und acht Treffern zurück.
Die Rückkehr nach Rostock dürfte mit Sicherheit mit seinem ersten Bundesliga-Einsatz verbunden sein. Die Premiere könnte schon am 1. Februar gegen den FC Bayern München erfolgen.


 

 

Das Porträt

 

Ein „deutscher Brasilianer“

 

Das Trikot mit seinem Namen ging im Hansa-Fanshop in den letzten Jahren so oft über den Laden-Tisch wie kaum ein anderes Jersey eines Rostocker Fußballers: Gledson! Der erste und berühmteste Brasilianer der Hanseaten ist ein wahrer Publikums-Liebling an der Ostsee geworden.

Im Reisepass des Südamerikaners steht sein offizieller Geburtsname so: Gledson da Silva Menezes. Im deutschen Fußball aber reduziert sich seine Name nur auf Gledson. Der Brasilianer ist kein Ballartist vom Zuckerhut. Gledson  stammt auch nicht aus den Favelas wie viele andere Fußballer. Er hatte mehr Glück als viele der 187 Millionen Brasilianer. Gledson ist Sohn eines bekannten Politikers und sollte auch nicht Kicker werden.

„Gledi“ wurde am 4. September 1979 in Felipe Guerra (20.000 Einwohner) geboren. Das liegt vier Stunden von Natal entfernt. Dies ist die Hauptstadt des Bundesstaates Rio Grande do Norte. Hier in Felipe Guerra lebt Vater Francisco Canide da Silva Menezes mit seiner Frau Maria, hier leben die Schwester Luisa und die Halbgeschwister Larissa und Vanessa.
Gledson sagt heute, er hatte eine schöne Kindheit. Er hat früher viel lieber Ferngesehen als Fußball gespielt, zum Beispiel die populäre Kindersendung Xuxa. Gledson hat auch elf Jahre die Schule besucht. Im Schnitt bekam er Noten zwischen 6 und 7. Die beste Zensur ist in Brasilien die 10…

Den ersten Fußball, so erzählt Gledson heute, habe er erst mit 14 Jahren von seinem Onkel Eleno geschenkt bekommen. Gledson lacht heute darüber: „Weder Vater noch Mutter waren davon begeistert!“ Vater Francisco schickte so seinen Sohn mit 16 Jahren lieber auf die höhere Schule nach Natal, dort sollte er ein Politstudium absolvieren.
Aber: Er lernte Kumpels kennen, die nahmen ihn mit zum Fußball. Als ihn die Trainer dort sahen, verpflichteten sie den Jungen sofort. So wurde Gledson Profi beim Zweitligisten FC ABC Natal. „Von diesem Tag an war Fußball meine Liebe, mein Leben, mein Job.“ Bei der „Copa Sao Paulo“ schnappte sich Corinthians den Burschen. Aber schon nach sechs Monaten war Gledson wieder in Natal. Auch ein Test bei Vitoria Perabucano dauerte kein halbes Jahr, also ging er zum FC Turabao. Aber dort entdeckte ihn Fritz Fuchs vor sechs Jahren für Deutschland und Sohn Uwe Fuchs holte ihn nach Köln.

Im ersten Jahr kickte der Innenverteidiger für Fortuna, bestritt 13 Regionalliga-Spiele. In der zweiten Saison absolvierte er für den LR Ahlen kein Match. Damals litt er unter einem Fußbruch. Im dritten Jahr absolvierte er 27 Spiele unter dem damaligen Fußball-Lehrer Frank Pagelsdorf für den VfL Osnabrück. In der vierten Saison bestritt er für LR Ahlen 28 Begegnungen. In 55 Zweitliga-Spielen kam Gledson bis zum Sommer 2005 in Deutschland auf zwei Treffer.
Arminia Bielefeld, der 1. FC Köln, Eintracht Frankfurt, der MSV Duisburg und Alemannia Aachen warben damals um Gledson. Aber der entschied sich lieber für den F.C. Hansa. Der Grund: Hier hatte gerade die zweite Amtszeit von Frank Pagelsdorf begonnen, hier fühlte sich Gledson am besten aufgehoben. „Frank Pagelsdorf wurde in Deutschland die wichtigste Bezugsperson für mich. Er vertraute mir. Bei ihm bin ich von Tag zu Tag besser geworden.“

Der Südamerikaner ist körperlich ein „Fußball-Riese“ - 1,90 m groß und 90 kg schwer, hat Schuhgröße 43. Sein Spiel ist dynamisch und wuchtig, er erinnert an Weltmeister Lucio. Er ist ein typischer Abräumer in der Abwehr und im gegnerischen Strafraum eine „Walze“. Gledson über Gledson: „Im Spiel bin ich kein Brasilianer. Ich spiele deutsch…!“

Hansa-Trainer Timo Lange, einst selbst Abwehrspieler sagt es so: „Stimmt, Gledi hat die deutsche Spielweise verinnerlicht. Er agiert sehr aggressiv, ist ausgesprochen gut im Zweikampf und im Kopfballspiel. Sein Körpereinsatz, seine Sprungkraft, seine Sprintfähigkeit sind unglaublich. Er hat aber trotzdem eine ordentliche Technik. Er besitzt ein gutes Passspiel und beherrscht auch sonst den Ball. Sein Manko ist allein sein etwas risikofreudiges Spiel.“
Gut für Hansa, gut für Gledson: Privat hatte Gledson in Rostock seine große Liebe gefunden.
Mit Freundin Serina Pakul, die halb Deutsche, halb Polin ist und mit Elisa eine achtjährige Tochter hat, hat er seit dem Sommer auch ein gemeinsames Kind. „Ich habe Serina in einem großen Rostocker Schmuckgeschäft beim Einkauf kennengelernt…“
Ein Nebeneffekt dieser Liebe: Gledson spricht so gut deutsch wie noch nie. Gibt als Abwehrspieler auch exakt deutsche Kommandos. Damit könnte er jetzt also auch die Kommunikation zwischen seinen Landsleuten Orestes und Diego Morais innerhalb der jungen Rostocker Mannschaft verbessern, die im letzten Jahr an der Ostsee das brasilianische Erbe antraten!

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