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23.11.2011 14:04 Uhr

'Wir brauchen Hilfe von allen, denen Hansa am Herzen liegt'

Nach den jüngsten Vorkommnissen um das Nordderby am vergangenen Wochenende zwischen dem F.C. Hansa Rostock und dem FC St. Pauli ging ein (medialer) Aufschrei durch Deutschland. Die Faktenlage scheint erdrückend, der F.C. Hansa Rostock geht trotzdem - oder gerade deshalb -  in die Offensive.
In den Medien wurde die Thematik nur vereinzelt so beleuchtet, wie sie sich in der Realität widerspiegelt.
Anstatt die gängigen Klischees zu bedienen, populistische Überschriften und Übertreibungen zu bemühen, und somit den Verein und seine Fans zu stigmatisieren wäre eine sachliche und objektive Analyse durch die Vertreter der Medien wünschenswert gewesen.


fc-hansa.de hat mit dem Vorstandsvorsitzenden des F.C. Hansa Rostock, Bernd Hofmann, über die Faktenlage, die veröffentlichte Stellungnahme und das weitere Vorgehen des Vereins gesprochen.

fc-hansa.de: Herr Hofmann, vielen Dank, dass Sie sich in dieser Phase Zeit für uns nehmen. Viele E-Mails gehen derzeit in der Geschäftsstelle ein, viele Hansa-Fans sind besorgt. Es interessiert sie natürlich, was im Trotzenburger Weg 14 nach solch einem Wochenende passiert. Können Sie hier einen Einblick gewähren?

Bernd Hofmann: Natürlich können wir nach diesen schlimmen Vorfällen nicht einfach so zur Tagesordnung übergehen und verständlicherweise möchte die Öffentlichkeit nun wissen, wie es weitergeht. Unsere Medienabteilung koordiniert hier die zahlreichen Anfragen der Journalisten. Wir haben unsere Stellungnahme ja bewusst in diesem Wortlaut veröffentlicht. Wir sind an dem Punkt angelangt, wo wir ganz klar sagen: Wir brauchen Hilfe von der Gesellschaft.
Meine Vorstandskollegen und ich machen uns natürlich Gedanken wie es weitergehen soll, welche Optionen wir selbst noch haben und welche Folgen diese hätten. Wir machen uns die Entscheidung nicht leicht.
Wir brauchen Hilfe von allen, denen Hansa am Herzen liegt!

fc-hansa.de: Stichwort Optionen: Welche hat der Verein selbst, um der Situation Herr zu werden?

Bernd Hofmann: Wie werden den wirklich beklemmenden Sittenverfall nicht alleine lösen können. Leider ist diese Tendenz deutschlandweit zu erkennen. Deshalb wünschen wir uns Unterstützung durch die Polizei bei der Identifikation der Straftäter, und durch die Staatsanwaltschaft, die die Strafanträge stellt und letztlich durch die Rechtsprechung, die die bestehenden Gesetze schnell und  öffentlichkeitswirksam anwendet.
Auch muss jeder Einzelne reflektieren, wie er sich in einem Fußballstadion benimmt. Hier geht es um Normen, Werte, Vorbildcharakter. Unser Handeln hat immer eine Konsequenz, nicht nur für den Nachwuchs, der zu uns aufschaut. Die Situation ist ernst.

fc-hansa.de: Es war zu lesen, dass der Vorstand überlegt, die Südtribüne zu schließen. Können Sie dazu etwas sagen?

Bernd Hofmann: Wir machen uns seit den Vorfällen natürlich Gedanken, welche Schritte uns als Verein noch bleiben. Als vorbeugende Maßnahme bemühen wir uns mit dem Projekt „Hansa Rostock und ich“, oder in Zusammenarbeit mit der Polizei mit „der 12. Mann spielt fair“ darum, junge Menschen für den F.C. Hansa Rostock zu begeistern und ihnen Wertevorstellungen wie Fairplay und Respekt näher zu bringen. Im repressiven Bereich haben wir dagegen kaum ein Mittel zur Verfügung. Wie bereits erwähnt, werden Straftäter von der Polizei und nicht vom Verein identifiziert. Die Bestrafung dieser Personen nach dem Strafgesetzbuch erfolgt durch die Justiz. Die Möglichkeit ein bundesweites Stadionverbot auszusprechen ist leider kein abschreckendes Mittel mehr. Das hat die Praxis gezeigt.
Wir haben bewusst keine weitere Maßnahme eingeläutet. Wir wollen uns aktiv mit allen Beteiligten beraten und haben deshalb um ein Treffen mit dem Minister Lorenz Caffier, der Staatsanwaltschaft und der Polizei in der kommenden Woche gebeten.

fc-hansa.de: Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat in Ihrer Onlineausgabe am 21. November 2011 einen Nachbericht verfasst, bei dem vor allem der Fanbeauftragte des F.C. Hansa Rostock, Joachim „Schuppe’“ Fischer, polemisch hinterfragt und durch die Polizei kritisiert wird. Wie stehen Sie dazu?

Bernd Hofmann: Dieser Artikel strotzt nur so vor Falschaussagen und haltlosen Suggestionen. Schuppe ist unser wichtigstes Bindeglied zu den Fans. Er fährt schon seit weit über 30 Jahren zu den Spielen des F.C. Hansa Rostock, war viele Jahre im Fanbeirat und ist unter den Fans eine Institution. Wir können uns glücklich schätzen, dass er sich in den Dienst des Vereins stellt. Sie können mir glauben, dass der Job des Fanbeauftragten im Moment kein Zuckerschlecken ist. Er steht zwischen den Stühlen und schafft es für alle Fans ein offenes Ohr zu haben. Wir sind ihm für seine Arbeit sehr dankbar.

fc-hansa.de: Die Mitglieder des Hamburger SV oder des 1. FC Köln schlossen in Ihrer Mitgliederversammlung die Medien aus. Auch beim F.C. Hansa ist das passiert, wurde aber sofort von medialer Seite gerügt. Können Sie das nachvollziehen?

Bernd Hofmann: Ausgrenzen ist nie eine Lösung. Ich hätte mir gewünscht, dass die Medien an der Mitgliederversammlung teilgenommen hätten. Das wäre auch das richtige Signal gewesen – wir als Verein sind Teil der Öffentlichkeit und deshalb soll auch über uns öffentlich berichtet werden.
Ich wünsche mir allerdings auch, dass einzelne Medien ausgewogener über den Verein informieren und nicht auf Grund von Auflage oder Quote Klischees bedienen oder polemisieren. Es ist ohne Zweifel Aufgabe der Medien kritisch über Entwicklungen und Tendenzen zu berichten. Ich wünsche mir aber, dass diese kritische Berichterstattung für alle gilt. Der Einsatz von Pyrotechnik bei einem Länderspiel ist genauso verboten wie in Frankfurt, Hannover oder Rostock.

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