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04.01.2010 10:50 Uhr

Zachhuber: „Unsere Jungs sind schon eine Woche im Training“

Anstoß zum Fußball-WM-Jahr 2010. Pünktlich um 12.30 Uhr treffen sich die Hanseaten am Montag in der Kabine der DKB-Arena. Eine Stunde später bittet Hansa-Cheftrainer Andreas Zachhuber dann pünktlich auf den beheizten Rasen des Trainingsplatzes an der Kopernikusstraße. Nachdem „Zacher“ mit Freunden das neue Jahr auf der Insel Usedom beging, gab er nach seinem Urlaub Hansa-Online am Montagvormittag das erste Interview im Jahr 2010.

Herr Zachhuber, was haben Sie sich auf Usedom für das neue Jahr gewünscht?

Andreas Zachhuber: Es sind die wichtigen Dinge des Lebens: Gesundheit und Glück für die Familie, Respekt, Wohlergehen, Toleranz und Vertrauen. Aber natürlich wünscht man sich für die große Hansa-Familie auch viele erfolgreiche Stunden. Ganz klar.

Was erwarten Sie von der Rückrunde?

Andreas Zachhuber: Ich erwarte vor allem von meiner Mannschaft, von unseren Jungs, mehr Tore und mehr Punkte als in der ersten Halbserie.

Bedeutet dies, dass Sie mit dem ersten Halbjahr nicht zufrieden sind?

Andreas Zachhuber: Nein, das nicht. Unser Plan war Platz acht bis zwölf. Da liegen wir im Trend. Aber natürlich gibt es vieles, was hoffentlich anders sein wird. Ich habe es nie erwähnt und nicht gejammert, aber Tatsache ist, dass wir mit Enrico Kern, Bradley Carnell, mit Dexter Langen oder Kevin Schlitte über Monate wichtige Spieler hatten, die uns noch gar nicht richtig zur Verfügung standen. Oft bin ich ja sogar mit 16 oder 17 Spielern los, junge Kerle, hungrig, aber eben auch noch grün und unerfahren. Wir müssen jetzt klüger, effektiver, cleverer spielen und reifer werden. Wir haben Potenzial und wir haben Reserven. Die wollen wir jetzt sehen und zeigen.

Hansa bleibt in der Wintervorbereitung mal wieder zu Hause. Was bedeutet dies für Sie und die Mannschaft?

Andreas Zachhuber: Mir ist es eigentlich egal, ob Schnee und Eis diese Winterzeit beherrschen. Wir können uns schließlich das Wetter auch nicht in der Punktspielzeit aussuchen. Die Vorbereitung ist sehr kurz, da machen lange Reisen nicht viel Sinn. Wir haben im Stadion die besten Bedingungen und mancher Verein würde sich über solche Möglichkeiten freuen. Schauen Sie mal nach Hoffenheim, die sind auch zu Hause geblieben und nutzen ihr neues Quartier.

Aber Sie steigen relativ spät in die Vorbereitung ein?

Andreas Zachhhuber: Das stimmt ja so auch nicht. Nur die erste Woche hatten die Jungs wirklich Ruhe. In der zweiten Woche hatte jeder ein Kraft- Schnelligkeits-Ausdauerprogramm im Gepäck. Jeder ist heute für mich an Hand einer Pulsuhr genau zu kontrollieren. Jeder hat also schon eine Woche trainiert. Die Auswertung erfolgt heute Mittag. Dazu kommt eine Gewichtskontrolle. Ein Kilogramm Übergewicht ist höchstes Limit. Ab dann wird es für die Jungs teuer.

Gibt es bei Schnee und Frost einen Laktattest?

Andreas Zachhuber: Nein, auf den verzichte ich diesmal. Wir steigen gleich mit der individuellen Grundlagenausdauer ins Trainingsprogramm ein. Dann folgen die Elemente wie Schnellkraft sowie Schnelligkeit und Ballarbeit. Ich denke, da wir erst am 18. Januar gegen Arminia Bielefeld spielen, haben wir unsere Planung gut und genau abgestimmt.

Bastian Oczipka fehlt heute. Wird er den Verein verlassen?

Andreas Zachhuber: Bastian ist von der Rechtslage ja ein Spieler von Bayer Leverkusen und dort verhandelt er gerade, wie es mit ihm weitergehen soll. Wir haben da eigentlich nicht den großen Einfluss, müssen es nehmen, wie es kommt. Nur so viel: Bastian ist ein Spieler, der uns in den vergangenen Monaten im Abstiegskampf sehr gut getan hat, uns sehr geholfen hat, dem wir dafür zu danken haben. Ob er nun nach Leverkusen zurück geht oder von dort zu einem anderen Verein weiter ausgeliehen wird, kann ich einstweilen noch nicht sagen. Fakt ist, wir haben uns langfristig auf der linken Abwehrseite nach Alternativen umgesehen, zumal Bradley Carnell ja auch erst die letzten Wochen wieder nach seiner Verletzung in Schwung kam und sein Vertrag am Saisonende erst einmal endet. Natürlich wissen wir, dass der Südafrikaner jetzt Gas geben wird, um sein Ziel, die WM im eigenen Land auf jeden Fall noch zu schaffen. Das ist realistisch, Bradley steht da mit seinem Verband in Verbindung und er wird bei mir spielen wollen.

Aber Sie haben auch schon mit dem Schweden Andreas Dahlén einen Linksfuß für die linke Abwehrseite neu verpflichtet?

Andreas Zachhuber: Ja, da hat unsere Zusammenarbeit mit Peter Wibran in Schweden erstmals gegriffen. Der Junge war ja schon mal zwei Tage im Herbst bei uns. Er kann eine Alternative für Bardley Carnell und Mario Fillinger auf der linken Abwehrseite und im Mittelfeld sein. Er ist taktisch gut geschult, er ist technisch begabt, er ist jung, er hat Perspektive, er ist hungrig und er ist ausgeruht. Andreas ist sehr schnell, er ist ein guter Flankenspieler, er kann uns schnell helfen und hat eine ordentliche Perspektive bei uns.

Könnte er schon gegen Arminia Bielefeld ran?

Andreas Zachhuber: Jeder, mit dem ich ab heute trainiere, hat seine Chance. Grundsätzlich ist mir egal, wer für den F.C. Hansa aufläuft. Die besten Spieler kommen zum Wohl des Vereins zum Einsatz. Da ist mir das Alter wirklich Wurst. Es gibt für mich keine alten und jungen sondern nur gute und schlechte Spieler. Am Ende entscheidet doch jeder selbst, ob er dabei ist. Wobei ich froh bin, dass wir hoffentlich ab jetzt wieder mehr Möglichkeiten und Varianten in den Personalfragen haben.

In den vergangenen Tagen entstand in der Presse der Eindruck, der Verein will Felix Kroos loswerden. Wie sehen Sie diese Personalie?

Andreas Zachhuber: Ich habe frühzeitig mit Felix besprochen, dass er die letzten vier Monate mal statt fünf bis 15 Minuten bei uns, jeweils 90 Minuten bei der zweiten Mannschaft spielen soll. Das hat er ordentlich getan. Ich weiß, welche Qualitäten er hat, die will ich auch im Wettkampf sehen. Wir haben hier ein Talent bis 2011 verpflichtet, von dem wir uns einiges versprechen. Ich will Felix Kroos nicht abgeben, ich rechne weiter mit ihm. Aber er muss sich selbst auch mehr durchsetzen und mehr Torgefahr ausstrahlen. Das ist keine Kritik allein an ihm, das ist eine Forderung an alle unsere Spieler.

Gilt das auch für Enrico Kern, der über vier Monate verletzt war?

Andreas Zachhuber: Das gilt für alle, auch für Enrico Kern. Uns fehlen seine Tore. Ich hoffe, er ist in der Form, die er zum Ende der Rückrunde des vergangenen Spieljahres hatte, wo uns seine Treffer die 2. Liga erhalten haben.

Mit Florian Grossert haben Sie heute beim Training einen 24-jährigen Abwehrspieler vom Viertligisten Türkiyemspor aus Berlin dabei. Was versprechen Sie sich von dem?

Andreas Zachhuber: Es ist ja bekannt, dass alles, was sich bei uns im Verein bewegt, auf Talentsuche ist. Wir sind ein kleiner Verein mit begrenzten wirtschaftlichen Möglichkeiten. Von den Vorständen sind René Rydlewicz und Juri Schlünz immer wieder unterwegs, mein Trainerstab und ich, Axel Schulz, Axel Rietentiet sind es auch über sieben Tage die Woche. Bei diversen Beobachtungen sind wir auf Florian gestoßen. Er ist ein interessanter Spieler, der in der Hinrunde als Abwehrspieler acht Treffer gemacht hat, davon fünf Elfmetertore, die man ja auch erst einmal machen muss. Wir hatten auch ihn – wie Andreas Dahlén – zwei Tage hier. Er hat auf der rechten Abwehrseite und im rechten Mittelfeld einen guten Eindruck gemacht. Er ist zweikampfstark, hat auch einen guten Einwurf.

Danke für das interessante Gespräch und viel Erfolg für die Rückrunde.

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