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06.05.2008 09:01 Uhr

Zafer Yelen: Vom Trainer gab es die „10“

Wer mal einen Spaziergang ins Rostocker Sportforum unternimmt und dabei einen Blick in die Nachwuchsakademie des F.C Hansa Rostock wirft, der kann schon mal einige Knirpse in Hansa-Trikots sehen, die auf dem Rasen des Volksstadions oder auf dem Kunstrasen-Platz vor der Geschäftsstelle „den Zafer machen“. Im Klartext, die Jungs versuchen, die Tricks von Hansa-Kicker  Zafer Yelen nachzuspielen, die der Berliner mit dem türkischen Pass als Profi in der Bundesliga  zeigt.

Als wir Zafer Yelen davon erzählen, mag es der nette Bursche aus einer türkischen Groß-Familie kaum glauben. Aber wir haben es selbst erlebt…
Ortswechsel nach Berlin. Hier ist Zafer geboren. Yelen wohnt mit seiner türkischen Großfamilie im Ortsteil Berlin-Reinickendorf. Hier im „Märkischen Viertel“ ist Zafer Yelen groß geworden, hier hat der Schwarzschopf mit seinen Geschwistern, mit Freunden und Kumpels das Fußball-ABC gelernt. Hier haben sich die Burschen eigene Tricks am Ball ausgedacht und immer wieder einstudiert und automatisiert. Der Ball als Freund des Spielers…
Zafer Yelen ist schon mit sechs Jahren mit dem Ball unter dem Arm auf die Hinterhöfe des „Märkischen Viertels“ gezogen oder ging auf den Normannia-Sportplatz in die Königshorster Straße, um mit seinen Kameraden vor und nach der Schule Fußball  zu spielen. Zafer erinnert sich: „Wir waren immer so zehn Jungs, die sich trafen und wir hatten jeden Tag viel Spaß am Fußball, haben uns so von Tag zu Tag auch verbessert.“

Mit acht Jahren gehörte so auch schon der Deutsch-Iraner Ashkan Dejagah (VfL Wolfsburg) zu seinen besten Kumpels. Bis zum heutigen Tag trifft man sich – wenn es die Zeit erlaubt – mit den Kumpels am Montag. Manchmal wird sogar auf den alten Plätzen mit den Freunden gekickt, wöchentlich werden die Bundesliga-Ereignisse diskutiert.
Ashkan über Zafer: „Zafer bedeutet mir sehr viel. Man kann mit ihm den ganzen Tag lachen.“ Der Rostocker gibt das Kompliment zurück, meint: „Asche ist so geblieben wie er war, er hat für jeden ein offenes Ohr. Aber in der Bundesliga ruht die Freundschaft.“
Wer also die Gründe für die ausgezeichnete Ballbehandlung, seine virtuose Spielweise und seine Freistoß-Künste sucht, der findet sie eben in jener Jugendzeit.
Zafer begann in seiner Geburtsstadt Berlin zunächst beim MSV Normannia 08, kickte für die Reinickendorfer Füchse, gehörte Türkiyemspor an und spielte für Tennis Borussia.
Der Besuch der berühmten Berliner Poelschau-Schule war nur die logische Konsequenz der Entwicklung von Zafer Yelen.

Die Schulmannschaft der sportgebundenen Schule von damals ist heute ein kleines  Who is Who des Fußballs.
Zafer Yelen spielte damals so mit Kevin Boateng (Tottenham Hotspurs), Askahn Dejagah (VfL Wolfsburg), Jerome Boateng und Ben Hatira  (beide Hamburger SV), Patrick Ebert und Ede (beide Hertha BSC)…
Während diese Jungs vor allem über den Bundesligisten Hertha BSC berühmt wurden, versuchte Zafer Yelen sein Glück nicht in Berlin, sondern in Rostock.
Die Trainer von Hansa Rostock entdeckten Zafer Yelen 2005 in der Junioren-Bundesliga Nordost. Im DFB-Pokal-Halbfinale zwischen Tennis und Hansa verbaute der Bursche im Frühjahr 2005 mit seinen Treffern als Einwechsler den Rostockern sogar das Finale. Danach holte ihn der damalige Amateur-Trainer Timo Lange ins „Amas“-Team der Hanseaten.
Zafer stammt aus einer türkischen Großfamilie in Berlin. Sein Vater Mehmet-Gürcan und seine Mutter Birnur haben insgesamt drei Söhne (Serhat, Nurcan) und vier Töchter (Gülay, Nuray, Tülay, Hülya). Sein Vater ist begeisterter Fan seines Sohnes, brachte Zafer damals persönlich mit dem Auto in die Hansestadt.

Der Nobody Zafer Yelen kam als Rohdiamant, glänzt jetzt als Profi in Rostock richtig.
Geschenkt wurde ihm auf diesem Weg aber nichts. Zafer Yelen musste sich zunächst als Amateur in der 4. Liga durchbeißen. Als er mit fünf Amateuren plötzlich zum Training von Cheftrainer Frank Pagelsdorf gerufen wurde, schien der Gang in die erste Mannschaft sicher. Aber „Pagel“ gab ihm zunächst noch einmal eine fünfmonatige Denkpause, die Zafer mächtig wurmte.
Doch von nun an ging es bergauf. Mit seiner Liebe zum Fußball, mit seinen Möglichkeiten als einer der letzten Straßenfußballer, mit seinem Engagement und seiner Leidenschaft gehörte Zafer Yelen folgerichtig zu jenen Fußballern, die das Fundament für die Rückkehr von der 2. Liga in die Bundesliga bildeten.
Zafer Yelen begeisterte die Fans. Trainer und Verein honorierten die Leistungen. Seine Bilanz in der Aufstiegssaison: 26 Spiele, fünf Treffer.
Während Zafer Yelen in der 2. Liga im Trikot mit der Rückennummer 37 auflief, „adelte“ ihn Cheftrainer Pagelsdorf zum Saisonbeginn mit der Nummer 10 des Spielmachers.
Der Verein wiederum änderte seinen Vertrag. Aus dem Kontrakt als Vertragsspieler, der eigentlich noch bis 2009 datiert war, wurde ein Profi-Papier bis 2010.
Auch in der Türkei registrierten die Trainer die tolle Entwicklung von Zafer. Die Folge: In Georgien machte Yelen sein erstes Länderspiel als U21-Kicker. Papa Yelen war stolz und glücklich. Leider konnte er damals nicht dabei sein.
Beim zweiten Spiel  im eigenen Land gegen die Schweiz drückten immerhin zwei Onkels von Zafer vor Ort die Daumen im Stadion. Er dankte es mit dem 2:1-Siegtor, bereitete das andere Tor vor.

Mittlerweile blickt Yelen schon auf neun Länderspiele und drei Tore zurück.
Aber das reicht dem ehrgeizigen Zafer Yelen nicht. Der ruhige Mittelfeldspieler hat seine Ziele bereits neu abgesteckt.
„Ich habe mit meinem Wechsel von Berlin nach Rostock alles richtig gemacht. Ich bin jetzt Bundesliga-Spieler. Aber dies allein genügt mir wirklich nicht. In Zukunft möchte ich meine Leistungen so stabilisieren, dass der Trainer nicht mehr an mir vorbei kann. Ich will es jetzt auch in der Bundesliga endlich zum Stammspieler schaffen. So wie im vorigen Jahr in der 2. Liga. Fußball ist mein Leben. Ich will immer spielen. Ein Platz auf der Bank oder auf der Tribüne ist für mich die Hölle. Das macht mich traurig und unzufrieden. Aber ich weiß: Alles liegt an mir. Also klotze ich ran…“

Denn eines weiß Zafer Yelen auch: „Nur wenn ich in der Bundesliga einen Stammplatz habe, kann ich auch mein nächstes Ziel erfüllen. Ich möchte türkischer Nationalspieler werden. Das schaffe ich nur über gute Bundesliga-Spiele mit dem F.C. Hansa…“
Dann werden wohl auch die Kinder zwischen Ankara, Izmir und Istanbul versuchen, die Tricks von Zafer zu kopieren…

 


 

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