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04.12.2008 13:18 Uhr

Zeugwart Andreas Thiem: 20 Jahre F.C. Hansa!

Was für ein tolles Jubiläum: Hansa-Zeugwart Andreas Thiem feierte am 1. Dezember 2008 sein 20jähriges Dienstjubiläum. Der gelernte Schweißer, der seit 1986 als ehrenamtlicher Mannschaftsleiter der Amateure und Junioren im Verein begann und seit dem 1. Dezember 1988 hauptamtlich seinen Job beim F.C. Hansa Rostock macht, ist damit der dienstälteste Hanseat im Profiteam. Wir sprachen zum Jubiläum mit dem Mecklenburger.

Andy, Sie haben in 20 Jahren als einziger bei den drei Bundesliga-Aufstiegen zur Mannschaft gehört. Welches war der schönste Aufstieg?
Andreas Thiem: Ich möchte da eigentlich keine Unterschiede machen. Jeder Aufstieg war ein Highlight für sich!

Worin bestanden denn die Unterschiede in den Jahren 1991, 1995 und 2007?
Andreas Thiem: Der Bundesliga-Aufstieg, die NOFV-Meisterschaft und der NOFV-Pokal hatten schon etwas Historisches. Die Mauer war gefallen, die Vereinigung Deutschlands war im Gange, die DDR-Oberliga verschmolz mit der Bundesliga. Empor bzw. Hansa wurden in der DDR im Pokal und in der Meisterschaft so oft Zweiter. Aber ausgerechnet im letzten Spieljahr der DDR wurden wir dann unter Uwe Reinders zum entscheiden Zeitpunkt unserer Vereinsgeschichte Meister und Pokalsieger. Das war irre und irre wichtig.

Wer waren Ihre engsten Weggefährten?
Andreas Thiem: Physiotherapeut Frank Scheller kam zur ersten Bundesliga-Saison dazu, unser Mannschaftsarzt Dr. Frank Bartel kam am 3. Spieltag ins Team.

Welche Trainer schätzen Sie aus Ihrer Amtszeit noch besonders?
Andreas Thiem: Frank Pagelsdorf, Erich Rutemöller und Armin Veh. Aber alle anderen Kollegen stehen dann kaum nach.

Mit welchen Spielern pflegen Sie bis heute noch Kontakt?
Andreas Thiem: Daniel Hoffmann, Juri Schlünz, Axel Schulz und Timo Lange aus der ersten Generation, Christian Beeck, Steffen Baumgart und Hilmar Weilandt aus der zweiten Generation. Mit dem heutigen Torwart-Trainer Perry Bräutigam arbeite ich ja jetzt noch zusammen.

Welcher Spieler hat Sie in all den Jahren am meisten beeindruckt?
Andreas Thiem: Der Weltstar Jari Litmanen, auch wenn er nur ein halbes Jahre bei uns war.

Unterscheidet sich der Job des Zeugwarts von früher zu heute?
Andreas Thiem: Früher hatte jeder ein Paar Schuhe und einen Trainingsanzug. Da habe ich den Jungs noch die Schuhe geputzt. Heute ist das nicht mehr drin. Allein den Schuhbestand auf Vordermann zu bringen, ist sehr aufwendig.

Wieso?
Andreas Thiem: Mein Kollege Peter Rodert von den „Rasenmähern“ und ich machen zum Beispiel aus Nockenschuhen in Handarbeit kombinierte Nocken- und Stollenschuhe. Für manchen Spieler ist das mit ihren Schuhen ja wie eine Religion. Aber es ist schließlich auch das Handwerkszeug der Jungs.

Wann sind Sie als Zeugwart froh?
Andreas Thiem: Bei jedem Sieg.

Was ist das Schlimmste am Job?
Andreas Thiem: Sechs Tage am Stück zu arbeiten und am Spieltag nur noch hilflos zuschauen zu können, was die Kerle unten auf dem Platz machen.

Was ist in fast 20 Jahren am tiefsten hängen geblieben?
Andreas Thiem: Das “Nou Camp” in Barcelona. Eine irre Arena – dort haben wir ja als NOFV-Meister im Europapokal der Meister gespielt.

Was war die schlimmste Zeit?
Andreas Thiem: Jeder Abstieg war wie ein kleiner Tod.

Welcher Spieler hatte die größten Marotten?
Andreas Thiem: Marco Zallmann, der hat nach dem Erwärmen noch mal die Stollen gewechselt aber eigentlich gar keine Zeit dafür gehabt.

Wer hatte den größten Fuß?
Andreas Thiem: Marco Zallmann und Gernot Alms hatten eine Schuhgröße so um die 46.

Und wer hatte Mini-Füße?
Andreas Thiem: In Fußballschuhen hatte Matthias Breitkreutz eine 3 ½ rechts bzw. eine 4 links.

Er hatte unterschiedliche Größen?
Andreas Thiem: Ja, das ist nicht selten. Auch jetzt haben Enrico Kern und Tobias Rathgeb unterschiedliche Größen.

Welche Spieler haben die meisten Schuhe?
Andreas Thiem: Enrico Kern, der hat mehr als 10 Paar Schuhe und als Einziger ein Doppelfach in der Kabine. Auch Christian Rahn steht ihm in Sachen Schuhkult kaum nach. Er hat auf den Zungen der Schuhe sogar die Namen von Frau und Tochter eingraviert.

Wie lange möchten Sie den Job noch machen?
Andreas Thiem: So lange es mein Körper zulässt. Mit 20 Jahren Berufszeit bin ich jetzt wohl schon einer der dienstältesten Bundesliga-Zeugwarte.

Wie sehen Sie die jetzige Situation?
Andreas Thiem: Unsere Lage war noch nie so brisant. Ich hoffe, wir alle kriegen die Kurve.

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