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04.10.2019 10:29 Uhr

Der Alltag im NLZ: Ken Wähling hat „immer nur Fußball im Kopf“

Ken Wähling – er ist erst 17 Jahre alt, doch schon jetzt Profi durch und durch. Wir haben den Stürmer und Neuzugang unserer A-Junioren in seinem neuen Zuhause – dem Internat des F.C. Hansa-Nachwuchsleistungszentrums – getroffen und mit ihm unter anderem über seinen ungewöhnlichen Weg zur Kogge, seinen Alltag und den Spagat zwischen Schule und Leistungssport sowie seine ambitionierten Ziele gesprochen.

Dienstagnachmittag, 16 Uhr, F.C. Hansa-Internat. Während sich andere Jugendliche in seinem Alter wahrscheinlich gerade an der PlayStation vergnügen, mit Kumpels im Café nebenan treffen oder Zeit mit der Freundin verbringen, nimmt sich Ken Wähling an seinem einzigen trainingsfreien Nachmittag Zeit für ein Interview und hat dabei nur eines im Kopf: Fußball. „Nachher werde ich nochmal in den Kraftraum gehen“, so der gebürtige Hamburger, „denn ein ausgewogenes Verhältnis aus Kraft, Kondition und Schnelligkeit ist auf dem Platz essenziell wichtig.“

Diese Einstellung zeugt von Ehrgeiz, Disziplin und dem unbedingten Willen, ein großer Name im „Haifischbecken Profifußball“ zu werden. Doch der Weg dahin ist im Falle des gebürtigen Hamburgers ein durchaus ungewöhnlicher. Nachdem er verschiedene Jugendmannschaften des FC St. Pauli durchlief, schien im vergangenen Sommer der Traum von einer Karriere als Profifußballer plötzlich in weiter Ferne: „Zum Ende der abgelaufenen Saison kamen die Pauli-Verantwortlichen auf mich zu und machten mir klar, dass in der neuen A-Jugend kein Platz mehr für mich sei. Ein Stürmer würde nicht benötigt. Das war für mich natürlich ein Schlag ins Gesicht, zumal diese Entscheidung für mich aufgrund meiner Leistungen nur schwer nachzuvollziehen war.“

Doch auch durch die Unterstützung seiner Eltern, seiner zwei Schwestern und seines Beraters öffnete sich für Wähling unverhofft eine neue Tür - die er wohl so vorher nicht auf dem Schirm hatte. „Noch vor einem halben Jahr hätte ich niemals gedacht, dass ich hier her komme. Das war alles relativ kurzfristig und ganz ehrlich: Mit Hansa habe ich nun wirklich nicht gerechnet!“ Die Kogge suchte zu diesem Zeitpunkt nach einem neuen Stürmer für die A-Junioren, sodass Stefan Karow, Leiter des Hansa-Nachwuchsleistungszentrums, auf Ken Wähling aufmerksam wurde und ihn von einem Wechsel von der Elbe an die Ostsee überzeugte. Für den Kicker selbst spielte die Rivalität beider Clubs keine Rolle bei der Entscheidung pro Hansa. „Beide Vereine besitzen eine große Tradition und leidenschaftliche Fans. Doch das ‚besondere‘ Verhältnis beider Clubs spielte bei meinem Wechsel keine Rolle. Wichtig war es für mich, dahin zu gehen, wo mir als Spieler die beste Perspektive geboten wird. Und die sehe ich hier beim F.C. Hansa“, so der Stürmer.

Alltag im Hansa-Internat: Das Ostseestadion stets in Sichtweite

Nachdem der Wechsel endlich vonstattengehen konnte, bezog Ken im Sommer dieses Jahres sein Zimmer im Internat der F.C. Hansa-Akademie. „Klar, hier wohnen zu dürfen ist für mich etwas ganz Besonderes. Die ersten zwei Wochen fühlte ich mich ein bisschen wie im Ferienlager, aber mittlerweile bin ich vollends hier angekommen und habe mich sehr gut in meinem neuen Zuhause eingelebt.“ Das Einzigartige am Standort des Internats für die Jungen Hanseaten: Das Ostseestadion liegt in direkter Sichtweite der Internatszimmer und bietet somit wohl die größte Motivation für die Jungs, eines Tages vor tausenden Hansa-Fans aufzulaufen und das Profi-Trikot mit der Kogge auf der Brust zu tragen. Doch bis dahin ist es ein langer und steiniger Weg, wie uns Ken berichtet: „Mein Tag beginnt um 5:20 Uhr – nach dem Aufstehen geht es für mich mit dem Bus in die Schule nach Evershagen, wo ich ganz normal die elfte Klasse besuche und auf mein Abitur hinarbeite. Der Unterricht geht dann meistens bis 14:30 Uhr, anschließend fahre ich direkt zurück zum Internat – denn bevor das Training um 17:45 Uhr startet, müssen ja auch noch Hausaufgaben erledigt werden. Besonders stressig ist es, wenn wir Tests oder Klausuren schreiben. Dann bleibt wirklich nicht viel Zeit für andere Dinge. Mein Tag endet dann in der Regel gegen 21 Uhr mit dem Abendessen, nach der Mahlzeit passiert dann nicht mehr viel.“ Trotz des trainingsfreien Dienstagnachmittags hat sich Ken auch in dieser Zeit etwas auf den Plan gesetzt: Einzeltrainings, Stabi-Übungen oder eben der Kraftraum füllen selbst den einzigen freien Nachmittag unter der Woche mit sportlichen Aktivitäten.

„Hansa ist für mich eine große Familie!“

Dass trotz dieses vollgepackten Tagesablaufs Heimweh bei Ken aufkommen könnte, befürchtet der Elftklässler nicht: „Im Gegensatz zu meiner Zeit bei St. Pauli, bei der ich das Gefühl hatte, dass jeder Spieler nur eine Nummer war und lediglich seinen Vertrag abarbeitete, wurde ich hier bei Hansa von Anfang an ganz anders aufgenommen. Neben dem Leistungsaspekt, der natürlich auch hier an allererster Stelle steht, findet man hier ein sehr familiäres Umfeld und einen großen Zusammenhalt untereinander vor. Die Spieler haben einen guten Draht zu den Trainern und man merkt, dass der Verein den Fokus sehr stark auf die Nachwuchsförderung legt. Kurzum: Ganz Hansa ist für mich eine große Familie.“ Außerdem verriet uns Ken, dass auch die Stadt Rostock mit ihrer hohen Lebensqualität viel dazu beiträgt, dass er sich hier sehr wohlfühlt: „In den Ferien, während meine Kumpels in der Heimat schon wieder zur Schule mussten, postete ich Bilder von mir am Warnemünder Strand. Klar, da wird der eine oder andere schon neidisch“, fügt der U19-Spieler mit einem verschmitzten Lächeln hinzu. Angst, seine Jugend zu verpassen, hat er nicht: „Ich bin sowieso nicht so der Partygänger. Der Fußball ist meine große Leidenschaft - und die übe ich ja ohnehin jeden Tag aus. Deshalb verpasse ich definitiv nichts.“ Seinen Lieblingsplatz am Stadthafen möchte der Neu-Rostocker nun mittlerweile auch nicht mehr missen. Wenn er nicht gerade in seinen Lieblingsrestaurants Vapiano oder Peter Pane die gute Küche genießt, hält er sich dort – vor allem im Sommer – sehr gerne auf. „Echt verrückt – ich glaube, das, was ich in 17 Jahren Zuhause erlebt habe, habe ich in meinen neun Wochen hier in Rostock schon lange aufgeholt“, offenbart Wähling freudestrahlend.

Doch trotz aller Freiheiten, die man im Internat genießt, gelten natürlich auch hier bestimmte Regeln. Internatsleiter Justin Jadatz ist dafür verantwortlich, dass die 22 Bewohner auf Ordnung und Sauberkeit achten und ihre zugeteilten Aufgaben (Zum Beispiel den Wocheneinkauf) mit Sorgfalt erfüllen. Auch die Jungprofis müssen bestimmte Ausgehzeiten einhalten und Übernachtungen außerhalb des Internats eine Woche vorher ankündigen - der Besuch von Mädels auf den Zimmern des Internats ist ebenfalls tabu. Doch Verstöße, so Wähling, gebe es kaum. Schließlich, das bestätigt auch der U19-Hanseat, wissen alle Jungs, warum sie sich dem F.C. Hansa angeschlossen haben: „Wenn man hier ist, will man nur eines: Fußballprofi werden oder gar nichts!“ Doch Ken wäre nicht Ken, wenn er nicht doch auch insgeheim einen Plan-B im Köcher hätte: „Wenn es mit der Karriere als Profifußballer doch nichts wird, möchte ich zum Zoll oder zur Polizei gehen – auf jeden Fall ist es wichtig, sich diese Chancen neben dem Leistungssport offen zu halten."

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Weitere Informationen rund um unseren Nachwuchs gibt’s sowohl auf der Facebook-Seite als auch auf dem Instagram-Account der Jungen Hanseaten.

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