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Der F.C. Hansa Rostock trauert um Joachim Streich

Der F.C. Hansa Rostock trauert um Joachim Streich. Der gebürtige Wismarer, der erst am vergangenen Mittwoch 71 Jahre alt wurde, verstarb nach schwerer Krankheit in der Nacht zum 16. April. In diesen schweren Stunden der Trauer sind unsere Gedanken vor allem bei seiner Familie und seinen Angehörigen.

Joachim Streich galt als Legende des Ostfußballs. Nach seinen fußballerischen Anfängen in seiner Heimatstadt Wismar wechselte der Mecklenburger in die Jugendabteilung des F.C. Hansa Rostock, wo die Karriere des begnadeten Stürmers begann. Er reifte zum Stammspieler und stellte seine Torgefahr Spiel für Spiel und Saison für Saison eindrucksvoll unter Beweis. Beim 1. FC Magdeburg setzte er seine Karriere ab 1975 erfolgreich fort. Streich wurde viermal Torschützenkönig der DDR-Oberliga und dreimal Sieger des FDGB-Pokals. Mit 229 Toren ist er zudem Rekordtorschütze der DDR-Oberliga. Doch nicht nur seine Vereinslaufbahn sorgte für Furore, sondern auch die der DDR-Nationalmannschaft: 102 Einsätze und 55 Treffer sind jeweils ein uneinholbarer Rekord. Der zweimalige DDR-Fußballer des Jahres wurde aufgrund seiner Verdienste erst im vergangenen Jahr in die Hall of Fame des deutschen Fußballs aufgenommen.

Bei seinen Mitmenschen war Joachim Streich nicht nur wegen seiner hervorragenden fußballerischen Fähigkeiten, sondern auch wegen seiner Geradlinigkeit und Aufrichtigkeit hochgeachtet. Für seine offene und direkte Art wird er für immer in Erinnerung bleiben – und seine Rekorde für die Ewigkeit stets ein Teil der Geschichtsbücher des deutschen Fußballs sein.

Ihm zu Ehren wird der F.C. Hansa Rostock bei der morgigen Partie gegen Jahn Regensburg vor Anpfiff eine Schweigeminute einlegen und mit Trauerflor auflaufen.

In Erinnerung an Joachim Streich: „Guckt euch die Zahlen an!“

Es ist dieselbe große Betroffenheit und tiefe Trauer wie beim Tod von „Dixie“ Dörner. Einer aus der obersten Schublade des DDR-Fußballs. Nun folgte ihm ein Freund und Mitspieler nach: Achim Streich. Der beste DDR-Stürmer aller Zeiten, in der Weltklasse verortet, starb wenige Tage nach seinem 71. Geburtstag. Auch der F.C. Hansa trauert um ihn.

Na, das war mal wieder so ein Streich-Auftritt, der die Journaille fiebrig an die Mikrofone, Notizblöcke und Schreibmaschinen trieb: Im Februar 1979 spulte er beim Länderspiel in Bulgarien sein Pensum mit der Laufbereitschaft eines Gartenstuhls ab. Die Experten schäumten. „Ich erinnere mich“, sagte Streich später schmunzelnd. Aber Streich hatte dieses Jahr 1979 für sich entdeckt, riss die Klischeeschablonen über ihn aus allen Fugen, schoss Tore, die kaum möglich schienen und apportierte so en passant die Sportjournalisten: Er wurde zum Fußballer des Jahres gewählt. Der Triumphmarsch eines Klassespielers.

Der Wismarer Jung hatte beim F.C. Hansa seine große Karriere begründet. „Ich bin da Trainer Dr. Horst Saß sehr dankbar“, verriet Streich vor einem Jahr. Saß schmiss den Jüngling zum Oberliga-Saisonauftakt 1969/70 in Dresden (0:2, Debüt auch von Dörner) ins kalte Wasser. Und der erst 18-Jährige schwamm sich sofort frei. Nun gut, ihm umgab auch ein gewisses Phlegma…, aber die fußballerischen Partituren, die er spielte, überwogen bei Weitem. In seinen Oberligajahren bei Hansa war Achim immer der beste Torschütze. 58 Tore in 141 Einsätzen. Streich ritt die Emotionsskala rauf (sensationelles Tor gegen England 1974) und runter (vergebener Strafstoß beim Oberliga-Abstieg bedeutenden 1:1 in Stralsund 1975) scheinbar unbekümmert. „Doch das war ich nie“, versicherte er.

Streichs Wechsel 1975 nach Magdeburg (und er wollte nach Jena und durfte Dank Parteifunktionärs-Veto nicht!) schob ein einmaliges Torjäger-Kapitel an: Nochmal 171 Tore für Magdeburg. 229 Treffer in 378 Punktspielen. Und er jazzte seine Auswahllaufbahn zur Weltklasse hoch: 55 Tore in 102 Länderspielen. Epochal, schon da jenseits der Verfolger, Rekorde für die Ewigkeit. Dass ihm 1984, im Londoner Wembley-Stadion, quasi im „Mekka“ des Fußballs, zu seinem 100. Länderspiel die stilvollen Weihen (u.a. mit dem 89-jährigen FIFA-Ehrenpräsidenten Sir Stanley Rous beim abendlichen Bankett) zuteilwurden, rundete eine große Karriere ab. „Ein Erlebnis, das ich nie vergesse“, gab Streich noch Jahrzehnte später zu.

Paradox: Streich („Der beste DDR-Stürmer aller Zeiten“, so Hansas Kult-Keeper Jürgen „Dackel“ Heinsch) war nie unumstritten. Im Herbst 1982, als sich seine Kritiker wieder formierten, weil er mehr schoss als lief, postulierte Streich ins Fernseh-Mikrofon: „Ich bin der beste Stürmer. Guckt euch die Zahlen an!“ Am Ende einer grandiosen Saison 1982/83, in der er einmal mehr die vermeintlich unkonventionelle Art seines Stürmer-Daseins (Torschützenkönig zum vierten Mal; Rekord!) zur Schau (Show?) stellte wurde Streich von den DDR-Sportjournalisten mit dem besten Votum aller Zeiten zum Fußballer des Jahres gekürt.

Ach ja, der Achim. Vor einem Jahr wünschte er seinen Vereinen (Hansa vor Aufstieg in Liga Zwei, Magdeburg gegen den Abstieg aus Liga 3) alles Gute. Mit den aktuellen sportlichen Situationen beider Clubs konnte er sehr gut leben. Leider kann Achim deren Ausgang nicht mehr miterleben. Wir sollten sein Vermächtnis unbedingt in Ehren halten. Denn er war ein ganz Großer!