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17.09.2017 08:10 Uhr

Der Rückhalt unserer Kogge: Interview mit Janis Blaswich

Sein Wechsel an die Ostseeküste kam überraschend und wurde nicht zuletzt in den sozialen Medien heiß diskutiert. Mittlerweile ist klar: Mit der Verpflichtung von Janis Blaswich lag Chef-Trainer Pavel Dotchev goldrichtig, denn unsere Nummer 18 hält und hält und hält! Wir haben mit dem 26-Jährigen über seinen Wechsel zur Kogge, seinen Aufstieg mit Dresden, das besondere Torwart-Training bei uns und Weihnachten im Krankenhaus gesprochen.

Hansa: Hey Janis, wie überrascht warst du selbst, als du am 20. Juli in Rostock aufgeschlagen bist?

Blaswich: Sehr überrascht. Die Zeit, in der das abgelaufen ist, war sehr kurz, aber mich hat die Herausforderung sofort gepackt. Ich bin richtig froh, hier bei Hansa zu sein, weil ich hier auf einem echt guten Niveau Fußball spielen kann.

Hansa: ...und gleich zur Nummer 1 wurdest.

Blaswich: Für mich war es wichtig, dass ich nach der langen Verletzungsphase in Gladbach wieder regelmäßig spiele. Es ist natürlich immer leistungsabhängig, ob das dann auch tatsächlich klappt. Hätte ich mir in den ersten Spielen ein paar Dinge selbst reingelegt, hätte ich mich natürlich nicht beklagen dürfen. Ich bin aber mit dem Ziel hergekommen, zu spielen.

Hansa: Dein Einstand bei uns war stark. Du warst in Lotte und zuhause gegen Großaspach zwar nur selten gefordert, musstest dann aber jeweils zum richtigen Zeitpunkt hellwach sein. Wie hast du es ohne Spielpraxis aus dem Vorjahr geschafft, so schnell auf Wettbewerbstemperatur zu sein?

Blaswich: Ich hatte einfach wieder riesen Lust Fußball zu spielen. Das war der Auslöser – ich war gierig darauf wieder auf dem Platz zu stehen. Ich wollte die Chance nutzen, gerade nach einem Jahr ohne Pflichtspiel. In dieser Zeit habe ich zum Glück mit den richtigen Leuten zusammengearbeitet. Das fängt bei der Familie an, geht über Freunde bis hin zu den Fitnesstrainern. Das war sozusagen ein ganzes Team, das mich wieder aufgebaut hat.

Hansa: Was du mit nach Rostock gebracht hast, ist deine positive Ausstrahlung. Es sieht so aus, als ob es dir gut bei uns geht.

Blaswich: Das hat viel mit dem Wolfühlfaktor zu tun. Ich hatte sofort das Gefühl, dass ich mich bei Hansa öffnen kann. Ich mag es in Rostock und kann hier ganz ich selbst sein - also gelassen und relaxt. Beim Fußball kann ich aber schon noch ein paar andere Saiten aufziehen.

Hansa: Marcel Hilßner hat uns vor kurzem verraten, dass man als Neuzugang einfacher im Team ankommt, wenn der Trainer auf einen baut. Hat er recht?

Blaswich: Definitiv. Das Vertrauen vom Trainer ist ganz wichtig und das wirkt sich dann auch auf das Team aus. Wenn man merkt, dass einem der Trainer vertraut, viel mit einem kommuniziert und dadurch auch die Mannschaft hinter einem steht und zusammen agiert, dann fällt es viel leichter, als wenn man aus dem nichts kommt und noch keine Unterstützung hat.

Hansa: Wie gehst du mit Gegentoren und Niederlagen um? Bist du jemand, der erstmal seine Ruhe braucht oder sofort darüber sprechen muss, um Frust abzubauen?

Blaswich: Ein paar Stunden nach so einem Spiel wie zuletzt in Magdeburg sollte man mich lieber in Ruhe lassen – das können meine Freunde bestätigen. Da mache ich das gerne mit mir selbst aus. Nach ein bis zwei Tagen ist es aber auch wichtig, dass man darüber redet, in meinem Fall besonders mit Stefan Karow. Wir analysieren dann torwartspezifische Inhalte und schauen, was nicht so gut gelaufen ist bzw. was man besser machen kann. Gerade wenn man verloren hat, ist es wichtig, wie man damit umgeht.

Hansa: Bei welchem Hobby entspannst du, wenn du nicht gerade auf dem Fußballplatz stehst?

Blaswich: Ich werfe in der Freizeit gerne ein paar Körbe und versuche oft mit meiner Freundin rauszukommen, um viel zu sehen. Wenn ich mal frei habe, bin ich allerdings auch mal froh darüber, zu regenerieren und keinen Sport zu treiben.

Hansa: Ein neues Hobby könnte demnächst dazukommen. Für den NDR warst du mit dem Boot unterwegs. Wie war euer Trip auf der Warnow (zum Beitrag)?

Blaswich: Das war das erste Mal, dass ich mit einem Boot herumgefahren bin und es hat echt Spaß gemacht. Ich will das Thema wirklich in Angriff nehmen und den Bootsführerschein machen, da habe ich jetzt Blut geleckt. Es ist außerdem gut für den Kopf, weil man wieder etwas dazulernt.

Hansa: Wenn es soweit ist, hast du das Boot sicherlich voller Angler aus der eigenen Mannschaft.

Blaswich: Dafür brauchen wir erstmal ein Boot - aber ja! Bei uns in der Kabine muss man eher fragen, wer nicht angelt, als andersrum. Mit "Wanne", Tommy, "Olli", "Jule" und mir kommen demnächst auch noch ein paar dazu - wir machen nämlich momentan unseren Angelschein. Bevor wir das erste Mal losgehen, holen wir uns dann aber noch ein paar Tipps von "Soufi", "Cello" und "Fabi" – das sind glaube ich richtige Experten.

Hansa: Zurück zum Fußball: Wie findest du das Training unter Stefan Karow?

Blaswich: Ich bin froh, dass ich hier so ein gutes Torwart-Training habe. Das sage ich nicht nur so dahin, sondern meine es auch so. Torwartspezifisch ist Stefan auf einem super Stand. Er lässt sich immer viele Veränderungen einfallen und ist immer daran interessiert, unsere Inhalte zu verbessern. Deshalb baut er fast täglich neue Sachen ein, damit wir immer neu gefordert werden und nicht nachlassen. Das gibt uns ständig neuen Input und macht uns besser - z.B. durch Übungen im Bereich der Life Kinetik, mit denen man die Augen und den Kopf trainiert. Ich habe das hier zum ersten Mal gemacht und finde das Ganze ziemlich spannend. Stefan ist darüber hinaus auch eine tolle Persönlichkeit. Für einen Torwart ist es ganz wichtig, dass es untereinander - also mit dem eigenen Trainer und den Kollegen - passt, weil wir jeden Tag zusammenarbeiten, immer am Anfang des Trainings in unserem Kreis arbeiten. Und bei uns passt es.

Hansa: Apropos neues Inhalte ausprobieren: Am Montag nach dem Magdeburg-Spiel seid ihr zum Thaiboxen gegangen.

Blaswich: Ja, genau. Das war für mich eine neue Erfahrung, die mir auch einen kleinen Muskelkater beschert hat – aber ich hoffe, dass wir da dran bleiben und das nochmal machen. Beim Thaiboxen kann man viele Dinge mitnehmen, die einem auch auf dem Platz weiterhelfen können.

Hansa: Du hast den Vergleich zum Torwart-Training bei einem Zweit- und sogar einem Erstligisten. Wie schneiden wir daneben ab?

Blaswich: In einem Bundesligakader ist die Intensität nochmal etwas anders. Einen großen Klassenunterschied zu unserem Torwart-Training gibt es aber nicht. Wenn man Nationalspieler dabei hat, ist die Qualität zwar höher, aber in unserer Mannschaft steckt auch jede Menge Qualität.

Hansa: Mit Philipp Puls trainiert ein erst 16-jähriger Keeper regelmäßig bei euch mit. Wie sich unser Youngster bei den Profis?

Blaswich: „Pulle“ erinnert mich natürlich an meine Zeit, als ich aus der Jugend gekommen bin. Es ist ein schönes Gefühl, wenn man als Eigengewächs oben mitmachen darf. Wir wollen ihn im Torwart-Team pushen und die richtigen Tipps geben, aber da ist Stefan sowieso aktiv dabei. „Pulle“ gefällt mir sehr gut im Training. Er ist schon sehr weit für sein Alter und unheimlich diszipliniert.


Hansa: 2015/2016 bist du mit Dynamo Dresden in die 2. Bundesliga aufgestiegen. Wie war das Jahr für dich?

Blaswich: Das war eine unvergessliche Saison. Wir waren glaube ich seit dem ersten Spieltag Tabellenführer und haben die Liga dominiert, was in dieser Deutlichkeit nicht so oft vorkommt. Diese Erfahrungen habe ich gerne mitgenommen und versuche diese hier auch bei uns einzubringen. Dynamo hat ein echt gutes Konzept Fußball zu spielen – und das ist bei uns auch der Fall.

Hansa: Mit Dynamo hast du auch zweimal gegen uns gespielt - uns ausgerechnet im Ostseestadion gewonnen.

Blaswich: Auf das Spiel in Rostock hatte ich mich schon im Vorfeld riesig gefreut, weil ich natürlich wusste, was hier los ist – gerade wenn Dresden kommt. Ich mag es auch, wenn man von gegnerischen Fans beleidigt wird. Das spornt einen zusätzlich an. Deshalb war das schon ein besonderes Duell. Das Rückspiel war aber natürlich auch spannend mit dem Last-Minute-Ausgleich von Hansa.

Hansa: Nach dem Aufstieg endete das Leihgeschäft zwischen Borussia Mönchengladbach und Dynamo Dresden. Durchstarten konntest du in deiner Heimat aber nicht. Zwei schwere Verletzungen haben dafür gesorgt, dass du 2016/2017 kein einziges Pflichtspiel bestreiten konntest. War das die schwerste Phase in deiner Karriere?

Blaswich: Nach dem Leistenbruch im Sommer habe ich mir im Winter einen Sehnenabriss im Adduktorenbereich zugezogen. Ich wurde am 23. Dezember operiert und lag über die Weihnachtsfeiertage im Krankenhaus. Unabhängig von Weihnachten - meine Familie hat mich natürlich im Krankenhaus besucht - war das eine schwere Zeit für mich. Deshalb weiß ich auch, was „Cello“ gerade durchmacht. Man sieht die Jungs, wie sie auf den Platz gehen, wie sie trainieren. In so einer Situation ist es ganz wichtig, dass man vom Kopf her umschalten kann und wieder in den Angriffsmodus geht. Man weiß ja letztlich, wofür man sich zurückkämpft.

Hansa: Bei Borussia Mönchengladbach hast du viele Erfahrungen gesammelt, hast mit der zweiten Mannschaft 2014/2015 nur knapp den Aufstieg in die Regionalliga verpasst. War die Relegation eigentlich schon mal ein Thema zwischen dir und "Hilse"? Er hat es ja damals mit Werder II gegen euch gepackt.

Blaswich: Ich habe für die U23 die letzten Spiele und die Relegation absolviert, was mir viel Spaß gemacht hat und auch etwas Besonderes war. Wir wollten es natürlich unbedingt schaffen, um auf Drittliga-Niveau vor vielen Zuschauern zu spielen. Es hat leider nicht geklappt, aber ich drücke der Truppe die Daumen, dass es doch noch klappt. Mit "Hilse" habe ich aber noch nicht darüber gesprochen, das ist ja auch schon eine Weile her.

Hansa: Die Aufstiegs-Relegation ist spätestens seit der von "11 Freunde" gestarteten Online-Petition ein großes Thema in Fußball-Deutschland und wird heiß diskutiert. Mittlerweile zeigt auch der Deutsche Fußball-Bund die ersten Reaktionen. Wie siehst du den Aufstiegsmodus in die 3. Liga?

Blaswich: Das entscheiden zwar letztlich andere, aber nar klar, es wäre sinnvoll, als erster aufzusteigen. Es ist bitter, wenn man beispielsweise als Staffelsieger der Regionalliga West gegen eine Übermannschaft aus der Regionalliga Bayern antreten muss und dann in zwei Spielen vielleicht einen nicht so guten Auftritt erwischt oder es kommt ein bisschen Pech dazu und für die andere Mannschaft wiederum etwas Glück. Wir werden sehen, was passiert.

Hansa: Anfang September hast du bei der "Rückkehr der Helden II" Oliver Neuville getroffen, der natürlich für Hansa und die Borussia ein ganz wichtiger Spieler war. Kanntet ihr euch schon vorher?

Blaswich: Ehrlich gesagt sind wir in meiner Heimat Nachbarn, wohnen ein Häuschen auseinander und sehen uns deshalb häufiger. Wir haben einen guten Draht zueinander. Sein Sohnemann kommt häufiger zum Körbewerfen oder Fußball spielen rüber – und schießt dann ein paar Blumen kaputt. Olli ist ein super Typ, deshalb war es schön, ihn in Rostock wiederzusehen. Hut ab vor seinem Werdegang - er hat viel erreicht.

Hansa: Wer war oder ist dein Vorbild auf der Torhüterposition?

Blaswich: Früher war es Gianluigi Buffon, weil er als Typ einfach verdammt cool ist und bis heute unfassbare Leistungen abruft. Aktuell ist Marc-André ter Stegen ein Vorbild und Manuel Neuer natürlich auch, weil sie das moderne Torwartspiel widerspiegeln. Ich mag einfach die Art, wie sie sind, wie sie auf dem Platz agieren und versuche mir einiges abzuschauen, um es mit meinem Stil zu mixen.

Hansa: Danke fürs Gespräch, Janis!

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