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26.09.2017 18:05 Uhr

Interview mit Hansas Allzweckwaffe Stefan Wannenwetsch

Kein Profi unseres Teams ist so flexibel einsetzbar wie Stefan Wannenwetsch. Allein an den ersten neun Spieltagen der laufenden Saison bekleidete "Wanne" alle Positionen im Mittelfeld - und nicht etwa nur aufgrund von strategischen Seitenwechseln während einer Begegnung. Der 25-Jährige arbeitet überall dort, wo ihn Chef-Trainer Pavel Dotchev aufstellt, mehr als zuverlässig mit und gegen den Ball. Wir haben mit unserer starken "Allzweckwaffe" gesprochen.

Hansa: Stefan, du bist einer der wenigen Profis in unserem Team, der in allen drei deutschen Profi-Fußballligen zum Einsatz kam. Was bringt einen Fußballer letztlich weiter: Regelmäßige Einsätze in einer unteren Liga oder wenig Spiele, aber dafür viele Trainingseinheiten mit Top-Fußballern?

Wannenwetsch: Das ist eine gute Frage. Ich denke, dass ich aus den Zeiten in der 1. und 2. Bundesliga sehr viel mitgenommen habe, auch wenn ich nicht so oft spielen konnte. Das tägliche Training auf allerhöchstem Niveau macht einen besser. Ich hatte beim FC Ingolstadt außerdem das Glück, einen Top-Trainer (Ralph Hasenhüttl, heute RB Leipzig) zu haben, was selbst für die Bundesliga nicht immer selbstverständlich ist. Es ist aber natürlich sehr wichtig, in den Spielrhythmus zu kommen und dann auch zu bleiben. So wie das letztlich bei mir gelaufen ist, bin ich schon sehr zufrieden.

Hansa: Dabei war dein Einstieg bei uns alles andere als einfach. Als du zu uns kamst, lag unsere Kogge auf Tabellenplatz 18. Ist es doppelt schwer für einen Spieler, wenn man im Winter den Verein wechselt und dann auch noch sofort im Abstiegskampf landet?

Wannenwetsch: Ja, natürlich ist es schwer und unangenehm mitten im Abstiegskampf zu einer Mannschaft zu stoßen, vor allem, wenn es die letzte Profi-Liga betrifft und Existenzen auf dem Spiel stehen. Das Problem hat ja aber seit Jahren mindestens die halbe 3. Liga. Viele Teams haben ein- bis zweimal in der Saison Tuchfühlung nach unten. Mit Blick auf die aktuelle Spielzeit bin ich aber guter Dinge, dass wir diesmal nicht dazu gehören werden.

Hansa: Du hast uns bei deinem Debüt damals gut gefallen - das Spiel ging allerdings mit 0:2 verloren. Erinnerst du dich noch an das Auswärtsspiel bei den Stuttgarter Kickers?

Wannenwetsch: Na klar, an dieses Spiel kann ich mich leider noch gut erinnern. Ich war erst fünf Tage in Rostock und durfte dann sofort ran. Ich war mit meiner Leistung zwar nicht unzufrieden, aber das Ergebnis war schlecht und unsere Team-Leistung war nicht gut. Das war direkt ein harter Schlag und auch die Reaktionen der Fans bei der Heimfahrt mit dem Zug waren Neuland für mich Neuland. Zum Glück hat’s am Ende mit dem Klassenerhalt geklappt.

Hansa: Nach neun Heimsiegen 2015/2016 und nur vier Erfolgen in Rostock 2016/2017 tun wir uns in dieser Saison erneut schwer, zuhause dreifach zu punkten. Belastet euch das innerhalb der Mannschaft?

Wannenwetsch: Bei uns in der Kabine ist das keine so große Sachen, denn wir wissen, dass wir das wieder hinbekommen. Unsere Leistungen waren größtenteils mehr als ordentlich, deshalb machen wir uns keine Sorgen und sind optimistisch, dass es bald klappt. Es ist natürlich die Aufgabe der Journalisten, uns darauf anzusprechen und klar: die Zahlen, wenn man das auf einen Blick sieht, sind nicht gut. Ich bin aber froh, dass die Fans – wie zum Beispiel gegen Zwickau – 90 Minuten hinter uns stehen und auch sehen, dass wir alles reinwerfen. Das müssen wir beibehalten.

Hansa: Da du Zwickau ansprichst: Gegen die Sachsen hast du dein 50. Pflichtspiel für unsere Kogge bestritten, aber nicht alle auf deiner angestammten Position im zentralen Mittelfeld (von der hängenden Spitze bis hin zum Rechtsverteidiger war alles dabei). Bist du froh, dass du zuletzt wieder regelmäßig in der Mitte randurfest?

Wannenwetsch: Ich glaube, dass ich der Mannschaft in der Zentrale am meisten helfen kann. Da fühle ich mich auch am wohlsten. Wenn aber Not am Mann ist, helfe ich auch gerne auf einer anderen Position aus.

Hansa: Du bist in Langenau/Baden-Württemberg aufgewachsen. Für welchen Fußballclub schlug damals dein Herz?

Wannenwetsch: Als kleines Kind fand ich wie die meisten Jungs natürlich Bayern München gut, durch die regionale Nähe wurde ich aber im Teenager-Alter VfB Stuttgart-Fan – allerdings auch nicht so sehr. Nach meinem Wechsel zu 1860 München habe ich dafür große Sympathien für die „Löwen“ entwickelt, die bis heute anhalten. Der doppelte Abstieg im Sommer hat mich deshalb sehr getroffen. Der Verein hat besseres verdient.

Hansa: Mit dem FC Ingolstadt ist im Sommer ein weiterer Club, bei dem du gespielt hast, abgestiegen...

Wannenwetsch: Die Abstiege haben aber natürlich unterschiedliche Dimensionen. Der Schritt von der 1. Bundesliga in die 2. Bundesliga ist grundsätzlich besser zu verkraften, als der Gang von der 2. Bundesliga in die Regionalliga. Ich denke auch, dass sich Ingolstadt mittel- und langfristig als ambitionierten Zweitligisten sieht und die Welt dort nach dem Abstieg nicht untergegangen ist.

Hansa: Wenn der TSV allerdings so weitermacht, könnte es bald zu einem Wiedersehen mit deinem Ex-Verein kommen - und zwar in der 3. Liga.

Wannenwetsch: Das würde allerdings voraussetzen, dass 1860 München wirklich aufsteigt und wir auch in der Liga bleiben - beides steht noch lange nicht fest. Ich würde mich zwar freuen, wenn es mit einem direkten Duell klappt, weil ich da noch ein paar Leute kenne, aber daran denke ich noch gar nicht. Es liegen noch viel zu viele Spiele dazwischen.

Hansa: Mit der 2. Mannschaft der "Löwen" hättest du vor vier Jahren beinahe den Sprung in die 3. Liga geschafft. Nur die Relegation gegen den SV Elversberg verhinderte euren Aufstieg...

Wannenwetsch: Das war sehr bitter. Wir waren über beide Spiele besser und haben am Ende unglücklich verloren. Wer selber Fußball – und ganz besonders Relegation – gespielt hat, der weiß, wie unangenehm es ist, wenn eine gesamte Saison von zwei Spielen abhängt. Ein schwacher Auftritt reicht dann meistens schon, um nicht aufzusteigen. Von der Kreisliga bis zur 2. Bundesliga steigt der Meister immer auf – nur in der 4. Liga nicht. Ich finde es gut, dass über neue Modalitäten gesprochen wird.

Hansa: In der gleichen Saison hast du deine Premiere in der 2. Bundesliga gefeiert. Wie kam's dazu?

Wannenwetsch: Das habe ich Alexander Schmidt zu verdanken. Er hat mich damals zur U19 des TSV geholt und mich anschließend auch in der zweiten Mannschaft trainiert. Wir hatten erfolgreiche Zeiten zusammen in der Jugend. Als er im November 2012 Profi-Trainer wurde, hat er mir ein paar Tage später die Chance und das Vertrauen gegeben und mich gegen Union Berlin 90 Minuten spielen lassen – dafür bin ich ihm natürlich noch heute sehr dankbar.

Hansa: Bei uns standen im Sommer viele Veränderungen im Kader an. 14 Verträge liefen aus, nur einer wurde verlängert: deiner. Wie hast du die Situation wahrgenommen?

Wannenwetsch: Mit einigen Spielern hat der Verein nicht geplant, andere lehnten ihren angebotenen Vertrag ab. Ich habe mein Angebot vom Verein wahrgenommen und bin stolz und froh darüber, weiterhin Teil der Mannschaft und des Vereins zu sein. Mit Pavel Dotchev haben wir einen sehr erfahrenen Trainer bekommen, der weiß, wie’s geht und wie man erfolgreich sein kann. Deshalb freue ich mich sehr auf die weitere Zeit mit der Kogge.

Hansa: Deine Zeit bei uns führt dich nicht nur als Profi auf den Rasen, sondern seit kurzem auch als Trainer. Du hospitierst bei unserer U14!

Wannenwetsch: Ich habe mir natürlich auch Gedanken gemacht, was man nebenbei und dann auch nach der Karriere machen kann. Zuerst habe ich ein Studium begonnen, aber gemerkt, dass das vom Zeitaufwand her nicht hinhaut. Ich wollte in meiner Freizeit aber etwas Sinnvolles machen und habe mich dann darum bemüht, in der Nachwuchsakademie reinzuschnuppern. Im vergangenen Jahr war's aufgrund unserer sportlichen Situation nicht machbar, aber in diesem Jahr hat’s zu meiner Freude geklappt. Die Jungs sind richtig klasse und sehr wissbegierig. Mir macht die Arbeit mit dem Team viel Spaß. Ich muss die Zeiten natürlich immer mit meinem eigenen Trainingsplan abstimmen, versuche aber ein bis zweimal pro Woche bei der U14 dabei zu sein, um dem Trainer unter die Arme zu greifen.

Hansa: Wenn du nicht auf dem Platz stehst, lässt du auch gerne mal beim Tischtennis die Bälle fliegen. Zuletzt habt ihr sogar einen Verein in Rostock besucht. Wie war's?

Wannenwetsch: Das stimmt. Vor allem Amaury Bischoff ist ein sehr ambitionierter Tischtennis-Spieler. Intern sind ihm langsam aber sicher die Gegenspieler ausgegangen. Deshalb hat er einen Kontakt zum SV Hafen Rostock hergestellt. Rund eine Stunde, bevor er dorthin gefahren ist, habe ich ihn zufällig in der Stadt getroffen und bin dann einfach mitgegangen. Und ganz ehrlich? Es hat echt Spaß gemacht mit den Kids vom SV. Vielleicht wiederholen wir das ja nochmal. Wir haben dort gegen einen sehr guten Jungen gespielt, der wohl auch in der Landesauswahl aktiv ist – da musste selbst „Amo“ kämpfen.

Hansa: Mindestens genauso beliebt ist das Angeln bei euch im Team. Janis hat uns verraten, dass du gerade dabei bist, deinen Schein zu machen.

Wannenwetsch: Wir machen den Angelschein aktuell in einer größeren Gruppe und ich glaube, dass mir das Spaß machen wird. Mein Schwiegervater angelt auch und hat sogar ein Boot am Main. Ich habe ihn schon häufiger begleitet und will im nächsten Sommer natürlich die Angel dabei haben, damit wir gemeinsam rausfahren können. Ich bin gespannt, was wir dann an den Haken kriegen.

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