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12.02.2021 09:00 Uhr

Mit Mischa zu Morast, Mut und Mozart-Knaben

Heute feiert einer der Großen aus der weiträumigen Exquisit-Abteilung unseres Vereins Geburtstag. Michael „Mischa“ Mischinger wird 65.

Ein Kapitel Oberliga: „Mischa“ debütiert in der höchsten Spielklasse der DDR zu Zeiten, da in Zweikämpfen die Knochen noch knacken wie Holzscheite im Kamin und Alustollen beim Tackling die Beinhaar-Rasur ersetzen. Kurzum, im Dezember 1973 kriegt der erst 17-jährige Mischinger im Abbe-Sportfeld von Jena, dem „Paradies“ des FC Carl Zeiss, bei Winterkälte und Schneeboden Fußballkultur raureif verabreicht. Doch der junge Mann, der bei Motor Rostock unter Trainer-Legende Fritz Strübing seine Fußballerlaufbahn begann und dann 1970 zum F.C. Hansa wechselte, sieht sich an einem Etappenziel angekommen: Crew-Mitglied auf der Hansa-Kogge, die freilich Mitte der 1970er- Jahre in der Oberliga auf Harakiri-Kurs segelt mit dem Klabautermann auf der Kommandobrücke. Drei Abstiege in vier Jahren! Dass die Truppe nicht verdient, was sie verdient, illustriert ein Spiel, das in der Historie als großes Kino assoziiert wird: Am 3. März 1979, nach einem Winter mit apokalyptischen Ausmaßen (meterhoher Schnee, Sturm, Kälte – wie jetzt gerade wieder!), spielen (!) die Hanseaten auf tiefem Morast im Leipziger Zentralstadion gegen Lok ein formidables 5:5 heraus. „Mischa“ macht die Pace und Rainer Jarohs in Superform vollendet das hanseatische Gedankengut. Na bitte, geht doch!

Nachdem 1980 die Kogge ihre Leckagen verstöpselt nimmt sie nunmehr stabil Fahrt auf. „Mischa“ wird ihr Kapitän. Ab jetzt Mut zur Attacke! Ein spielstärkeres Mittelfeld (Mischinger, Schulz, Schlünz) sucht im DDR-Leistungsfußball seinerzeit seinesgleichen. Hansa ist wieder Fußball-Adresse, Zuschauer-Mekka, Erlebnishort. Mischingers Anteil (mit 292 Pflichtspielen Platz 12 in der ewigen Bestenliste unseres Vereins) daran ist bis zum Ende seiner Laufbahn 1986 ganz enorm.

Ein Kapitel Auswahl: Theoretisch ist dieser 24. September 1977 ein schwarzer Tag für den Nachwuchsfußball der DDR. Dessen U23 spielt in der EM im Wiener Prater-Stadion gegen Österreichs Mozart-Knaben. Die streichen den Ossis eins über – kein Zweifel. 3:0 lautet Ösi-Trainer Pfisters Tipp. Neunzig gespielte Minuten später vor 70.000 Zuschauern im Prater buchen Verzweifelte erste Augenarzt-Termine: 6:1 für die DDR steht da auf der Anzeigetafel. Ein innerer Vorbeimarsch für „Mischa“ und den zweifachen Torschützen Jarohs. Dass sich die jungen ostdeutschen Heroen durch die weitere Qualifikation förmlich durchwalzen (klare Auswärtsniederlagen, leidenschaftliche Aufholjagden daheim) kann in alle Richtungen analysiert werden. Fakt ist: Im Frühjahr 1978 steht zur EM der Nachwuchsmannschaften Jugoslawien in zwei Finalspielen ante portas. Die Jugos sind klarer Favorit und bestätigen das beim 1:0 in Halle auch. Doch nach der Zweitauflage, beim 4:4 in Mostar, weinen die ostdeutschen Fußballfans in die Tücher: Was ist uns da verloren gegangen? Eine 4:2-Führung der DDR-Nachwuchsauswahl durfte nie abgegeben werden…

Weiß auch „Mischa“, der sein Standing kennt: Als Zweitligaspieler (wie Jarohs) in der Nachwuchsauswahl! Nach der Brigadebildung (sechs Spieler) in den frühen 1960er- Jahren in der DDR-Nationalmannschaft entdecken die Auswahltrainer erst Anfang der 1980er- Jahre Hansa-Kicker auf ihrem Radar. „Mischa“ ist Olympiakader für 1980. Dass er in Moskau nicht dabei ist liegt in potenter Konkurrenz begründet. Verletzungen später verhindern eine Nationalmannschaftskarriere, deren Tür für ihn eigentlich sperrangelweit offen steht.

Ein Kapitel danach: „Mischa“ trudelt fußballerisch in der DDR-Liga aus. Beruflich heuert er beim Catering-Unternehmen w.holz an. Eine Allianz für Ewigkeiten mit unserem Verein, im Abstand deutlich enger als Neunmeterfünfzehn beim Fußball. Mischinger wuchtet sich durch fast 30 Jahre – zuletzt als Prokurist – als Caterer für Hansa durch die Breschen und resümiert: „Ich hab alles richtig gemacht!“

Na dann! Herzlichen Glückwunsch!

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