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19.01.2021 20:00 Uhr

Nachruf: Ahoi ok, Kalle!

Der F.C. Hansa trauert um einen Weggefährten der ersten Stunde in seiner Geschichte. Als Stadionsprecher saß Karl-Heinz Kordt in sechs Jahrzehnten vor dem Mikrofon im Ostsee-Stadion. Eine Legende? Nein, eine Institution! Nun ist „Kalle“ mit 87 Jahren von uns gegangen.

„Kalle“ prägte eine Ära im Rostocker Sport, die ihresgleichen sucht. Seit 1954 und nur unterbrochen durch kleinere Intermezzi (Krankheit, Pädagogik-Studium mit summa cum laude!) war Kordt die markante Stimme am Rande des Handballparketts oder im Ostsee-Stadion. Sein Zuhause war für den ehemaligen Handballer (Motor Rostock) der Ekstase-Tempel in Marienehe und später der in der Sport-und Kongresshalle.

Aber der wetterresistente „Kalle“ machte es sich auch im eher zugigen Ostsee-Stadion kommod. Als stellvertretender Sektionsleiter des SC Empor Rostock empfing er, selbst noch blutjung, 1954 die Neuankömmlinge aus dem erzgebirgischen Lauter. Der Beginn einer Fußballvereinsgeschichte, die allemal ungewöhnlich war. Und Kordt hat sie alle gesehen und erlebt: Die Heroen der 1950er (Bialas-Brüder, Zapf), die Draufgänger der 1960er (Pankau, Kleiminger, Barthels), die Alphatiere der 1970er (Kische, Streich), die Ästheten der 1980er (Jarohs, Schulz, Schlünz, Mischinger). Vizemeisterschaften, Pokalschlachten, legendäre EC-Abende: „Kalle“ war dabei. Und Hansa präsentierte wie für ihn gemacht, quasi Mikrofon mit Schleife: DDR-Meisterschaft und Pokalgewinn 1991.

Segelte die Hansa-Kogge unter zerschlissenen Laken, dann erfasste auch „Kalle“ der Trübsinn. Aber befanden sich die Hanseaten auf großer Fahrt, dann begehrten gierig die Fans Zutritt an Deck. „Rückt alle mal ein bisschen zusammen“, bat Kordt immer mal wieder, wenn das Stadion schon proppenvoll war, aus den Nieten zu platzen drohte, derweil draußen noch Etliche um Eintritt baten. Gepferchte wie Sardinen in der Dose, der Faszination Hansa-Fußball erlegen – Kordt moderierte was jeder sah und was kaum zu beschreiben war. Bis 1993 war „Kalle“ Hansas Stadionsprecher.

Vier Jahre später begleitete er das Freundschaftsspiel Hansas gegen Borussia Dortmund im Berliner Olympiastadion. Und ab jetzt ganz lange zurückblickend lieh er Hansas Zweiter oder den A-Junioren im Volksstadion (noch eine Kordt-Adresse) seine Stimme.

Mit einer überaus stilvollen Proklamation begleiteten im Januar 2018 im Ostsee-Stadion der F.C. Hansa und die Fans „Kalle“ in den endgültigen Ruhestand. Und auch hier, wie seit über 60 (in Worten: sechzig) Jahren verabschiedete sich „Kalle“ wie zumeist mit den Worten: „Kommt gut heim! Tschüss ok!“

Ahoi ok, Kalle!

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