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10.12.2017 11:13 Uhr

RÜCKPASS: HANSA-GESCHICHTE(n): „Ab sofort Blut am Schuh!“

In einer Torhüter-Ahnengalerie von A wie Rudi Leber bis Z wie Jannis Blaswich hätte Bernd „Jaku“ Jakubowski ganz sicher einen vorderen Platz eingenommen. Heute wäre „Jaku“, der vor zehn Jahren verstarb, 65 geworden. In Memoriam.

Das ging ja alles viel zu schnell! Bei einem 2004 vom Ex-Hanseaten Wolfgang „Wolle“ Wolter organisierten Hallenfußballturnier der Oldies in der damaligen Scandlines-Arena wurde es für Hansa gegen den BFC zum Auftakt gleich bitter. „Wie Schach“, entfuhr es Trainerlegende Heinz Werner. Und Hansa war mattgesetzt in vier Zügen zum 0:4. „Ab sofort Sieg und Blut am Schuh“, gab Hansa-Keeper Jakubowski martialisch die Marschrichtung vor…

Ach nee, der „Jaku“, der verlorene Sohn. Wieder daheim an der Ostsee, wo dereinst für ihn die sportliche Karriere begann. 1961 streifte der junge Rostocker erstmals bei Empor die Handschuhe über und luscherte dann und wann bei den Koryphäen seines Fachs: Manfred Schröbler und natürlich Jürgen „Dackel“ Heinsch. Ein gefundenes Fressen für verheißungsvolle Torhütertalente. Und Bernd Jakubowski war eins. Am 25. Mai 1970 in Glasgow stand „Jaku“ in jener Nachwuchs-Elf (u.a. mit Kische, Häfner, Weise und Pommerenke) die nach dem 1:1 gegen die Niederlande per Losentscheid das 23. UEFA-Turnier in Schottland gewann. Aus dem hohlen Kreuz heraus formte der selbstbewusste junge Mann seine Klasse. Er war noch 18, als er am 2. Oktober 1971 beim 3:1 in Riesa sein Oberligadebüt gab. 35 weitere Einsätze folgten. Sein Dilemma? Er kam an Dieter Schneider nicht vorbei und die Jungen (Aul, Desens, Hauschild) drängten bereits nach.

Ob er im Herbst 1976 aus freien Stücken nach Dresden ging oder ob man ihm alternativ für anderthalb Jahre straff durchorganisierte Erlebniswochen im Armeedienst versprach? „Jakus“ sportlicher Entwicklung half dieser Umzug in jedem Fall: Zweimal Meister, viermal Pokalsieger mit Dynamo Dresden. 1980 Olympia-Silber in Moskau. Die DDR-Torhüterleistungen der 1970er und 1980er Jahre orientierten sich an der Weltklasse (Croy, Grapenthin, Müller) und Jakubowski war ambitioniert bis zum Laufbahnende, das 1986 in Krefeld beim schmachvollen 3:7 der Dresdener bei Bayer Uerdingen im Europacup der Pokalsieger ziemlich abrupt daherkam. Uerdingens Wolfgang Funkel hatte beim Stand von 3:1 für Dynamo „Jaku“ aus dem Spiel getreten: Schulterbruch! Jakubowski kam danach nie wieder in Tritt.

Jedenfalls nicht im Hochleistungssport. In jenem Hallenturnier von 2004 siegte sich Hansa bis ins Endspiel und gewann es schließlich mit 5:1 gegen den BFC, auch dank Jakubowskis spektakulärer Paraden. In der Rolle des Trophäenjägers war „Jaku“ in seinem Element. Zum Verlierer taugte er nicht. Im Juli 2007 erlag „Jaku“ einem Krebsleiden.  

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