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26.07.2021 11:28 Uhr

RÜCKPASS: HANSA-GESCHICHTE(n): Ein traumhaftes „Goldköpfchen“-Intermezzo

Gesucht wurde ein verlässlicher Torschütze, doch der F.C. Hansa fand einen exzellenten Torjäger. Im Juli feierte Klublegende Gerd Kostmann den 80. Geburtstag.

Wolfgang „Sachse“ Barthels erinnert sich: „Wir waren im Spiel außen gut besetzt. Aber im Zentrum fehlte einer“. Verwaist also jener Platz, wo sich früher ein Arthur Bialas (1962 mit 23 Treffern Torschützenkönig der DDR-Oberliga) tummelte. Nach dessen Abschied und der augenblicklich einsetzenden Vakanz seiner Position suchte Empor Rostock nach einem neuen Center und wurde fündig in Wolgast. Dort, beim gerade frisch gekürten Bezirksmeister und Aufsteiger in die DDR-Liga, Motor Wolgast, wurde Gerd Kostmann entdeckt. „Gerd wollte zuerst gar nicht. Er war bodenständig, musste überredet werden“, verrät Barthels.

Wie scharf die Argusaugen der Rostocker Verantwortlichen gepeilt waren, zeigte sich bereits am 2. Spieltag in der Saison 1964/65: Beim 4:0 gegen den SC Aufbau Magdeburg traf Kostmann gleich dreimal. Dass er nach seiner Debütsaison mit fünf Toren in zehn Spielen in den zwei folgenden Serien keine Rolle spielte, gehört zu den Mysterien im Fußball. Jedenfalls irrlichterte der neu gegründete F.C. Hansa in der Meisterschaft 66/67 derart, dass am Ende mit 27 Toren in 26 Spielen eine einst auf den Meisterthron geeichte Mannschaft nur einen nichtssagenden zehnten Platz belegte. Schlechter stellte sich der Verein nur in seinem Abstiegsjahr 1956 vor…

Und dann trat Gerd Kostmann auf den Plan. Seine Renaissance in der Mannschaft veredelte der Mann in der Saison 67/68 mit Toren: 15 Mal triumphierte er, fünf Treffer erzielte er per Kopf, so oft wie kein anderer in der DDR-Oberliga. Torschützenkönig! Wie ein Markenname: „Goldköpfchen“ sprach zugleich für Spezialität und Klasse. „Er besaß aber auch einen unheimlich guten Bums“, rühmt „Sachse“ Barthels. Und Rainer Jarohs, bester Hansa-Torjäger aller Zeiten, denkt zurück: „Ich habe als kleiner Junge und später als Nachwuchsspieler bei Hansa Gerd Kostmann gesehen. Er war sicher kein eleganter Spieler, aber extrem torgefährlich, immer hellwach und mit einer sehr guten Schusstechnik ausgestattet“. Auch Kostmanns Treffsicherheit verdankte Hansa 1967/68 die Vizemeisterschaft.

Einer starken Saison schloss sich eine noch viel bemerkenswertere an. 18 Tore für Gerd Kostmann. Wieder Torschützenkönig und dazu auch auf internationalem Parkett erfolgreich. Beim 3:2 gegen den AC Florenz schraubte sich „Goldköpfchen“ in einen raffinierten Pankau-Freistoß zum 1:0. Seine Passion: Kopfballtore aus allen Lagen. „Überragend“, lobt Joachim Streich, Kostmann-Nachfolger und Rekordnationalspieler der DDR mit 102 Einsätzen. „Ich sprang immerhin 1,93 Meter hoch. Das war Studentenrekord an der Ingenieurhochschule in Warnemünde“, verriet Kostmann dazu.

Mit dem Trainerwechsel 1969 von Gerhard Gläser zu Horst Saß veränderte sich bei Hansa zusehends das Mannschaftsgefüge. Saß sortierte peu a peu – und vor allem nicht unumstritten – die alten Haudegen aus und brachte die jungen Heißsporne. Joachim Streich (damals gerade 18 Jahre jung) weiß heute noch: „Auf einmal waren Gerd und ich Kontrahenten“. Kostmanns mögliches Verhängnis? Ein Feldverweis im Spiel gegen den FC Vorwärts Berlin, gleich am 2. Spieltag der Saison 1969/70, katapultierte ihn aus der Stammelf. Im Sommer 1971 beendete Gerd Kostmann nach lediglich 89 Spielen mit sagenhaften 43 Toren sein traumhaftes Intermezzo bei Hansa. Nur fünf Spielern in der DDR-Oberligageschichte gelang es, mehrmals Torschützenkönig zu werden. Gerd „Goldköpfchen“ Kostmann gehörte zu ihnen.

 

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