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23.11.2020 09:04 Uhr

„Sachse“ mit Rasanz und Ruhe auf der Zwickauer Halde

Heute wird Wolfgang „Sachse“ Barthels 80. Eine Vereins-Ikone mit 65-jähriger Mitgliedschaft. Die ersten Feldverweise des Clubs hat er abgefasst. Die wirkten wie Entschleunigung. Ansonsten verlief seine Karriere rasant.

Akribisch wie ein Buchhalter fasste Trainer Walter Fritzsch die Leistungsnachweise seiner Fußballer wie ein Mantra ab. Mahnende Schriften für die Jungspunde, die Ende der 1950er-Jahre in Empor Rostocks erste Mannschaft drängten: Heinsch, Kleiminger, Pankau, Seehaus, Drews, Habermann. Haben wir wen vergessen? Jahre zuvor sichteten Kurt Zapf und Hans Speth die Rostocker Talente. Die Armada der Verheißungsvollen war formiert, da entdeckte Zapf den schmächtigen Barthels. Der gebürtige Thüringer war 1953 an die Küste gekommen und spielte zunächst bei Einheit. „Den Lütten nehmen wir noch dazu“, sah Zapf in „Sachse“ den Pfiffikus am Ball. Das freute später auch die Nachwuchsauswahltrainer. Als am 8. März 1959 Englands Bubis auf der Zwickauer „Halde“ schon mit 3:0 führten, gifteten die Jungs um „Sachse“ und den Berliner „Amsel“ Nachtigall zurück: 4:3! Sensation! „Und Englands Trainer Sir Alf Ramsey schenke uns jedem einen Rasierapparat“, schmunzelt Barthels heute noch.

Zwickau? War da noch was? Jawohl! Am 17. Spieltag in der Saison 1960 spielte Empor in Zwickau (1:0 durch Kleiminger). Der Spackhahn Barthels, noch keine 20, verstieg sich während der Partie mit derbem Vokabular in die Spielleitungsanalyse gegen keinen Geringeren als Rudi Glöckner, den späteren WM-Finalreferee von 1970. Gut, Glöckner, der Ober-Guru aller DDR-Schiedsrichter, pfiff in seiner Laufbahn auch manchen Schnee zusammen, aber diese naseweise Besserwisserei ging ihm dann doch gegen den Strich: Feldverweis für „Sachse“, der erste in der Empor-/Hansa-Geschichte. Und Barthels ließ zweieinhalb Jahre gleich den nächsten folgen…

221 Punktspiele mit 45 Toren weisen ihn als gewitzten Außenstürmer aus, der auf Auswahlspuren wandelte. Zwei Länderspiele in der A-Elf (1963 in Burma 5:1, 1964 gegen Ceylon 12:1). Beim Spiel im Sugathadasa-Stadion von Colombo am 12. Januar 1964 erzielte Barthels mit seinem zweiten Treffer das 100. Auswahltor in der Geschichte der DDR-Nationalmannschaft. Olympiade 1964! Zwei Mann zu viel im Auswahlkader. Ohne Barthels und der fuhr enttäuscht von der Sportschule Kienbaum nach Hause. Kurze Zeit später war er wieder da und flog für den Stendaler Liebrecht doch mit nach Tokio. Bronze im Turnier und Höhepunkt einer bewegten Karriere. Die ging für Wolfgang Barthels mit vier Vizemeistertiteln und zwei Pokalfinals 1970 zu Ende. Seine Laufbahn setzte er in der DDR-Liga bei der ambitionierten BSG Schifffahrt/Hafen bis Ende der 1970er- Jahre fort. Da hatte er bereits als Sportlehrer und später als Instrukteur für Kultur und Sport im Rostocker Seehafen prägende Eindrücke der nachfolgenden Generation vermittelt. „Ich habe immer sehr gern mit Jugendlichen gearbeitet“, versichert „Sachse“. Jahrelang leitete er ehrenamtlich das Training der E- und F-Jugend beim F.C. Hansa.

Und heute? Barthels, noch fit wie ein Fußballschuh, strampelt täglich Kilometer auf dem Fahrrad. Mit stets kritischem Blick auf Hansa: „Da muss noch mehr gehen!“ Das klingt diplomatisch. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!     

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