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25.12.2020 10:00 Uhr

Sportpsychologe unter der Lupe: 5 Fragen an Simon Borgmann

Wir nutzen die Feiertage und stellen euch das „Team hinter dem Team“ im Nachwuchsbereich vor. Den Anfang macht heute unser Sportpsychologe Simon Borgmann. Wir haben ihm 5 Fragen gestellt und uns mit ihm über die Bedeutung und den Inhalt der Sportpsychologie, seine Gespräche mit den Nachwuchsspielern und die mentalen Tricks einiger Weltstars unterhalten.

Hallo Simon! Was genau meint Psychologie? Mit welchen Themen setzt du dich im Alltag auseinander?

Psychologie umfasst das vollständige Erleben und Verhalten des Menschen. Psychologie versucht also zu verstehen und zu erklären, was ein Mensch denkt, fühlt oder tut. Die Themen sind daher unglaublich vielfältig und komplex. Den Spielern gegenüber versuche ich, vereinfacht zu erklären, dass ich für alles zuständig bin, was mit dem Kopf zu tun hat - außer für das Kopfballspiel. Das überlasse ich lieber den Trainern.

Inwieweit unterscheidet sich die Sportpsychologie von der „klassischen“ Psychologie?

Durch die Vielfalt und Komplexität gibt es eigentlich keine "klassische" Psychologie. Es gibt viele unterschiedliche Richtungen, die sich mit einem spezifischen Bereichen beschäftigen - so wie die Sportpsychologie mit dem Sport. Ich habe aber das Gefühl, dass viele als klassische Psychologie die Psychotherapie und Psychiatrie im Kopf haben. In diesen beiden Bereichen geht es um psychische Störungen und Probleme sowie deren Therapie und Heilung. Die Sportpsychologie und meine Arbeit grenzt sich klar davon ab. Für mich stehen in der Sportpsychologie drei Themen im Vordergrund: Die Leistungssteigerung, die Persönlichkeitsentwicklung sowie der Erhalt und die Förderung der psychischen Gesundheit.

Wie kann man sich Gespräche von Eltern, Spielern oder Trainern mit dir vorstellen? Ergreifen Sie die Initiative oder gehst du proaktiv auf sie zu?

Auch die Gespräche und Abläufe sind sehr unterschiedlich und individuell. Auf die verschiedenen Anliegen und Bedürfnisse versuche ich einzugehen und gemeinsam mit dem Spieler, dem Trainer oder den Eltern Lösungsmöglichkeiten zu finden und ihnen bei der Umsetzung zu helfen. Mir ist es wichtig, jederzeit als Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen, direkt vor Ort am NLZ, per Telefon, per Kurznachrichten oder per Mail. Dies wird von den Jungs, von den Trainern und dem ein oder anderem Elternteil gut angenommen. Außerdem bin ich bemüht aufmerksam zu beobachten, um mögliche Bedürfnisse zu erkennen und dann proaktiv anzugehen. Dazu nutze ich beispielsweise die halbjährliche sportpsychologische Diagnostik. Sie liefert mir viele Informationen über mentale Stärken und Potenziale der Spieler und der Teams. Dadurch kann ich gezielt auf die Jungs und die Trainer zugehen und wir können gemeinsam an den Themen arbeiten.

Welche Themen beschäftigen unsere Nachwuchsspieler am meisten?

Aufgrund meiner Schweigepflicht kann und möchte ich bei der Frage nicht zu sehr ins Detail gehen. Im Allgemeinen geht es aber meist um die drei bereits oben genannten Themen der Sportpsychologie, die die Spieler beschäftigen. Der ein oder andere merkt, dass er seine fußballerische Leistungsfähigkeit nicht vollständig auf den Platz bringen kann, wieder andere Spieler sehen in der Sportpsychologie ein zusätzliches Weiterentwicklungspotenzial, das sie ausschöpfen wollen. Hin und wieder sind es dann aber auch persönliche Themen, die im Vordergrund stehen, vor allem bei Spielern, die gerade eine belastende Phase durchmachen. Aber auch ohne ein bestimmtes Thema, das den Spieler gerade beschäftigt, ergeben sich häufig gute Gespräche und ein hilfreicher Austausch.

Welche Ansätze gibt es, mentale Stärke zu trainieren? Wie kann man lernen, mit Druck richtig umzugehen, Selbstvertrauen zu gewinnen oder Rückschläge wie Niederlagen oder Verletzungen zu verkraften?

Das sind gute Fragen. Die Antworten darauf sind unglaublich vielfältig und immer sehr individuell. Der richtige Ansatz oder die beste Technik ist immer das, was der ratsuchenden Person hilft. Cristiano Ronaldo nutzt seine Routine vor Freistößen beispielsweise, um sich optimal zu fokussieren und Sicherheit zu bekommen. Jerome Boateng hat einmal in einem Interview erklärt, dass er im Spiel Selbstgespräche führt und sich coacht, um konzentriert und jederzeit wach zu bleiben. Roman Bürki nutzt Ziele an seinem Spind, um mit dem Druck umzugehen und über Robert Lewandowski ist bekannt, das er seine Vorstellungskraft nutzt, um sich Selbstbewusstsein vor wichtigen Spielen zu holen. So können Profis häufig als mentale Vorbilder dienen. Ich bin aber davon überzeugt, dass jeder Mensch bereits viele mentale Tricks und Fähigkeiten der mentalen Stärken in sich trägt, die im Bedarfsfall dann aufgedeckt, wiederentdeckt oder angepasst werden können. Dabei ist das Training der mentalen Fähigkeiten genauso wichtig, wie das Training auf dem Platz, damit die Techniken sicher in jeder Situation angewandt werden können. Dabei helfe ich den Jungs gerne.

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Weitere Informationen rund um unseren Nachwuchs gibt’s sowohl auf der Facebook-Seite als auch auf dem Instagram-Account der Jungen Hanseaten.

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