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26.01.2018 20:52 Uhr

Tschüss ok, Kalle!

Wenn vor dem Punktspiel gegen den FC Rot-Weiß Erfurt unser F.C. Hansa seinen langjährigen Stadionsprecher Karl-Heinz „Kalle“ Kordt aus dem Amt verabschiedet, müssten die Stadionbesucher eigentlich Spalier stehen.

Denn der 84-jährige „Kalle“ hat eine Rostocker Sport-Ära geprägt, die ihresgleichen sucht. Seit 1954 (!) und nur unterbrochen durch kleinere Intermezzi (Krankheit, Pädagogik-Studium mit summa cum laude!) war Kordt die markante Stimme am Rande des Handballparketts oder im Ostseestadion. Um das mal rein optisch in Relation zu bringen: Gegen ihn ist „Struppi“, der Stadionsprecher-Koloss von heute, nur ein Nesthäkchen.

„Kalle“ wohnt. Natürlich. Doch sein Zuhause war für den ehemaligen Handballer (Motor Rostock) der Ekstase-Tempel in Marienehe und später der in der Sport-und Kongresshalle. Aber der wetterresistente „Kalle“ machte es sich auch im eher zugigen Ostseestadion kommod. Als stellvertretender Sektionsleiter des SC Empor Rostock empfing er, selbst noch blutjung, seinerzeit die Neuankömmlinge aus dem erzgebirgischen Lauter. Der Beginn einer Fußballvereinsgeschichte, die allemal ungewöhnlich war. Und Kordt, der im Hauptberuf 33 Jahre lang das Rostocker Pionierhaus leitete, hat sie alle gesehen und erlebt: Die Heroen der 1950er (Bialas-Brüder, Zapf), die Draufgänger der 1960er (Pankau, Kleiminger, Barthels), die Alphatiere der 1970er (Kische, Streich), die Ästheten der 1980er (Jarohs, Schulz, Schlünz, Mischinger). Vizemeisterschaften, Pokalschlachten, legendäre EC-Abende: „Kalle“ war dabei. Und Hansa präsentierte wie für ihn gemacht, quasi Mikrofon mit Schleife: DDR-Meisterschaft und Pokalgewinn 1991.

Segelte die Hansa-Kogge unter zerschlissenen Laken, dann erfasste auch „Kalle“ der Trübsinn. Aber befanden sich die Hanseaten auf großer Fahrt, dann begehrten gierig die Fans Zutritt an Deck. „Rückt alle mal ein bisschen zusammen“, bat Kordt immer mal wieder, wenn das Ostseestadion schon proppenvoll war, aus den Nieten zu platzen drohte, derweil draußen noch Etliche um Eintritt baten. Gepferchte wie Sardinen in der Dose, der Faszination Hansa-Fußball erlegen – Kordt moderierte was jeder sah und was kaum zu beschreiben war.

Was bleibt? Bis 1993 war „Kalle“ Hansas Stadionsprecher. Vier Jahre später begleitete er das Freundschaftsspiel Hansas gegen Borussia Dortmund im Berliner Olympiastadion. Und ab jetzt ganz lange zurückblickend lieh er Hansas Zweiter oder den A-Junioren im Volksstadion (noch eine Kordt-Adresse) seine Stimme. Und hier, wie seit über 60 (in Worten: sechzig) Jahren verabschiedete sich „Kalle“ zumeist mit den Worten: „Kommt gut heim! Tschüss ok!“

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