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11.09.2019 13:00 Uhr

Lesung mit Lutz Lindemann: Karriere à la Phoenix aus der Asche

Der 21-fache DDR-Fußballnationalspieler Lutz Lindemann liest am 25. September ab 19 Uhr (Einlass 18.30 Uhr) im Business-Club des Ostseestadions aus seinem Buch „Optimist aus Leidenschaft – mein Leben“.

Verfahrene Karre
Tja, noch Jüngling oder schon junger Mann? Der 18-jährige Lutz Lindemann erfährt Ende der Sechziger in seiner zu knospen beginnenden Fußballerlaufbahn eine erste Zäsur. Etwas nassforsch kommt „Linde“ beim 1.FC Magdeburg daher. Als Trainer Heinz Krügel den Burschen maßregelt reagiert der mit einer trotzigen Replik, er wolle bei Stahl Eisenhüttenstadt sein Glück versuchen. Kein Fußballer der DDR hat je an den Statuten des Deutschen Fußballverbandes (DFV) vorbei den Verein gewechselt. Demzufolge auch Lindemann nicht: Er wird ein Dreivierteljahr gesperrt. Und nachdem „Linde“ noch gegen eine Parteifunktionärin zotig wird, ist das abrupte nahe Ende seiner Karriere schon dramatisch geschürzt. Nur falls sich Lindemann zu einem dreijährigen Ehrendienst bei der NVA aufraffe stünde noch ein Lichtstreif Hoffnung am Horizont. Lindemann spielt bei Lok Halberstadt. In den Niederungen des DDR-Fußballs. Dort, wo Fußball noch nach Erde riecht, der Terminus „Kreuzband“ der Häkeltechnik zugeordnet wird und Schienbeinschoner etwas für Weicheier ist. „Linde“ kommt aus dieser wilden Holzerei mit zwei gerissenen Menisken heraus. Schon vier Monate später (!) wird er operiert…

Überholspur
Derart malträtiert und folglich mit überschaubarer Spielpraxis landet „Linde“ nach der Armeezeit bei Motor Nordhausen. Doch Lindemanns zweiter Vorname heißt Ehrgeiz und sein Streben hin zu Können und Klasse mündet in ein exquisites Linksaußen-Portfolio mit Einflussnahme und Torgefahr. Prompt landet er 1971 bei Rot-Weiß Erfurt und dort ein Jahr später in der Oberliga. Bei den Blumenstädtern kränzt er sich fortan mit den schönsten Weihen: Torjäger, Spielgestalter, Stratege, Publikumsliebling. Aber „Linde“ lechzt nach mehr: Er will, einem Jugendtraum gemäß, Nationalspieler werden. Doch Erfurt ist da um den Nabel der DDR-Fußballwelt noch nicht angesiedelt. Auswahltrainer Georg Buschner wohnt in Jena…

Volle Fahrt voraus
Lindemann heuert im Herbst 1977 beim FC Carl Zeiss Jena an. Für den renommierten Verein kommt „Linde“ wie gerufen. Als Spielgestalter und Stratege. Und der funktioniert sofort. Auch in der Nationalmannschaft, in der der 28-Jährige im Spätsommer `77 in Berlin gegen Schottland (1:0) ein spektakuläres Debüt gibt. Es folgt „Lindes“ beste, weil intensivste Zeit: Meisterschaften (Vizemeister 1981), Pokalspiele (Pokalsieger 1980, ausgerechnet gegen Erfurt), Europacup mit spektakulären Toren (Freistoßtreffer beim 2:0 gegen West Bromwich Albion 1979) und Spielen (4:0 gegen AS Rom 1980), Europacupfinalist 1981 gegen Dynamo Tiflis. Dazu 21 Länderspiele in nur etwas mehr als drei Jahren.

Ausgebremst
Ein Endspurt wie ein Vollspeed in seiner Karriere, die für Lindemann mit mehreren Fehlzündungen begann. Der Wille bollert immer noch kraftvoll an, doch die maladen Knie blockieren. Mit 32 Jahren beendet Lutz Lindemann seine Fußballerlaufbahn.

Navigiert
„Linde“ fortan als Trainer, Funktionär, Versicherungsvertreter, Scout, Fernsehmann, Privatier. Wie er sich durch diese Parcours hindurch gedribbelt hat, das erzählt er lieber selbst.

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